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Darmstadt-Eberstadt: 01. März 2000
Amerikanische Schüler nach tödlichen Steinwürfen in Untersuchungshaft - Staatsanwaltschaft erhebt Anklage am Landgericht Darmstadt

(ks) Darmstadt-Eberstadt. Die mutmaßlichen "Steinewerfer" von Darmstadt, drei amerikanische Schüler, die in der Nacht von Sonntag auf Montag kiloschwere Steine von einer Brücke auf die B3 bei Darmstadt geworfen und dadurch zwei Pkw-Fahrerinnen getötet hatten, wurden am gestrigen Dienstag in eine Jugendstrafanstalt gebracht. Drei der zunächst vier festgenommenen Jugendlichen haben die Tat bereits gestern gestanden, erklärten jedoch, sie hätten für die Tat "keine besonderen Gründe gehabt". Der vierte Verdächtige hatte offenbar mit der Tat selbst nichts zu tun, es wird jedoch vermutet, dass er zumindest von dem Verbrechen gewusst hat. Der Schüler wurde daraufhin freigelassen.

Die vier Jugendlichen waren, nach Angaben der Polizei, am Sonntagabend zunächst in einem Bowlingcenter. Anschließend trafen sie noch einige "Kumpels" auf der Straße. Als die Schüler um kurz vor 21 Uhr die Fußgängerbrücke erreichten, verließ einer der Jugendlichen die Gruppe. Die Ermittler erklärten, sie hätten den Eindruck gewonnen, dass die Jugendlichen sich durchaus vorgenommen hätten, Steine auf die Schnellstraße zu werfen. Sie hätten bereits faustgroße Kieselsteine bei sich gehabt, die sie zuerst von der Brücke warfen. Da sie jedoch keine Reaktion bemerkten, beschlossen sie, sich größere Steine zu organisieren, die sie dann auch auf einem Steinhaufen, nahe der "Lincoln-Siedlung" fanden.

Die bis zu 15 Kilo schweren Steine warfen sie dann zum Teil aus dem Stand über die immerhin 2,30 Meter hohe Plexiglas-Brüstung, teilweise kletterten sie auf deren Halterung und ließen die Steine gezielt los, wenn sie die herannahenden Scheinwerfer sahen. Die Polizei erklärte hierzu, die Täter hätten die Treffer wahrgenommen und trotzdem weiter geworfen.

Wie die Polizei weiter berichtet, haben sich die Schüler, die aus der angrenzenden "Lincoln-Siedlung" stammen, in den vergangenen vier bis sechs Wochen bereits mehrmals zum Steinewerfen getroffen - aus Tradition, wie sie erklärten. Zunächst beschädigten sie "nur" parkende Fahrzeuge, später bewarfen sie auch fahrende Autos bis es dann am Sonntagabend schließlich zu dem schweren Verbrechen kam. Die tödlichen Steinwürfe haben Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst. In der amerikanischen "Lincoln-Siedlung", in der Familien von in Deutschland stationierten US-Soldaten leben, zeigten viele ihre Betroffenheit.

Insgesamt sechs Autos hatten die Jugendlichen mit ihren "handballgroßen" Wurfgeschossen getroffen. Die Steine durchschlugen die Windschutzscheiben mehrerer Autos. Zwei Frauen aus Darmstadt und Pfungstadt kamen dabei ums Leben. Eine der beiden Frauen hinterlässt zwei Kinder.

Während zunächst noch unklar war, ob die amerikanischen Jugendlichen sich vor einem deutschen oder einem amerikanischen Gericht verantworten müssen, ist inzwischen sicher, dass die Staatsanwaltschaft Anklage wegen heimtückischen Mordes und vorsätzlicher Herbeiführung eines Unglücksfalls beim Landgericht in Darmstadt erheben wird. Bis dahin verbleiben die Jugendlichen in Untersuchungshaft.

Den schnell eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen der Darmstädter Polizei ist es zu verdanken, dass die Täter so rasch gefasst werden konnten. Die Soko "Brücke" hatte noch in der gleichen Nacht die Bevölkerung mit Lautsprecherdurchsagen über das schwere Verbrechen informiert. Mit Handzetteln in deutscher und amerikanischer Sprache wurden die Bewohner in der angrenzenden "Lincoln-Siedlung" um ihre Mithilfe gebeten, denn bald schon lag der Verdacht nahe, dass es sich bei den Tätern um Jugenliche handeln könnte. Hinweise aus der Bevölkerung waren es dann auch, die die Täter überführten.

BGH bestätigt mehrjährige Haftstrafen für Darmstädter Steinewerfer