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Pressemitteilung 20.Oktober 1998
Aktuelle Informationen aus der Karl-Kübel-Stiftung

Karl Kübel Preis 1998: Modelle für eine neue solidarische Gesellschaft
Berliner Treffpunkt Hilfsbereitschaft und Schammatdorf in Trier werden mit Karl Kübel Preis ausgezeichnet

Ausstellung: Stiftungen bauen Brücken
Ausstellungsreihe in Bonn zu sehen

Neuerscheinung: "Beziehungen leben"
Eine Methodenauswahl unserer Bildungsinstitute

Projekt Philippinen: Bildung für Müllkinder

Stiftung betont das Recht auf Entwicklung

Zehn-Punkte-Katalog: Neue Weichenstellung in der Entwicklungspolitik
Karl Kübel Stiftung unterstützt Forderungen von VENRO an zukünftige Regierung



Berliner Treffpunkt Hilfsbereitschaft und Schammatdorf in Trier erhalten Karl Kübel Preis 1998
Der "Treffpunkt Hilfsbereitschaft" in Berlin erhält den Karl Kübel Preis 1998. Die Initiative gilt als Vorbild und Wegbereiter anderer Freiwilligenagenturen und –zentren in ganz Deutschland. Weiterer Preisträger ist die Wohndorfgemeinschaft "Schammatdorf" bei Trier. Mit dem insgesamt 100.000 Mark dotierten Karl Kübel Preis 1998 würdigt die Stiftung praktizierte Modelle zeitgemäßen Teilens. 75.000 Mark erhält der Treffpunkt Hilfsbereitschaft, 25.000 Mark das Schammatdorf. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbruch fordere Familien heraus und belaste sie in besonderem Maße, so die Karl Kübel Stiftung. "Für Familien brauchen wir einen neuen solidarischen Lebensstil, der das Teilen einschließt. Bei den Preisträgern teilen Menschen etwas für sie Bedeutendes: Zeit und Tatkraft."

Der Karl Kübel Preis wird am 11. November 1998, dem Martinstag, im Berliner Abgeordnetenhaus vergeben. Bundespräsident Roman Herzog ist Schirmherr, Dr. Hanna-Renate Laurien spricht die Laudatio. Die Preisträger wurden von zwei Fachjurys unter rund einhundert Bewerbern bewertet und ausgewählt. Der Berliner Treffpunkt Hilfsbereitschaft gewinnt seit über zehn Jahren vor allem junge Menschen für vielfältige ehrenamtliche Dienste. Er arbeitet mit über 150 gemeinnützigen Einrichtungen in Berlin zusammen und koordiniert die Ende 1997 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Deutschland. Im Schammatdorf Trier leben in zehn Wohnhöfen Familien mit Behinderten, alten Menschen sowie Alleinstehenden zusammen und leisten gegenseitig freiwillige Dienste. Für die Karl Kübel Stiftung ist ehrenamtliche Arbeit wesentlicher Bestandteil einer zukunftsfähigen solidarischen Gesellschaft: "Es gibt viele Aufgaben, aber auch die Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement. Es braucht aber mehr professionelle Vermittlungs- und Organisationsstrukturen".


Stiftungen bauen Brücken
Ausstellungsreihe in Bonn zu sehen

So nennt sich eine Ausstellungsreihe des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, bei der auch die Karl Kübel Stiftung mit dabei ist. Die Ausstellung ist derzeit im Wissenschaftszentrum des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft zu sehen und zeigt Beiträge deutscher Stiftungen zum Einigungsprozeß. Im Rahmen der Ausstellung ist eine parlamentarische Gesprächsrunde vorgesehen, in der über Tendenzen im deutschen Stiftungswesen nach der Bundestagswahl diskutiert werden soll. Der voraussichtliche Termin dafür: 4. November 1998. Nach ihrer Eröffnung in Bonn wird die Ausstellung in stetig erweiterter Form und mit verändertem Akzent bis zum Jahr 2000 in den Landtagen der neuen Länder zu Gast sein. Sie zeigt den Beitrag, den deutsche Stiftungen im Prozeß der Wiedervereinigung geleistet haben. Die weiteren Stationen: Magdeburg, Dresden, Erfurt, Potsdam, Schwerin und schließlich Berlin.


"Beziehungen leben"
Eine Publikation der Karl Kübel Stiftung zu ihrer Bildungsarbeit

Privat wie beruflich leben Menschen in Beziehung zu- und miteinander. Methoden der humanistischen Psychologie tragen dazu bei, zwischenmenschliche Beziehungen zu entfalten. Das Gelingen der zwischenmenschlichen Beziehungen ermöglicht positive persönliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die jetzt erschienene Publikation "Beziehungen leben" stellt eine Auswahl der Methodenvielfalt der drei Bildungsinstitute der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie vor. Die Stiftung ist einer der größten Bildungsträgern im Bereich der humanistischen Psychologie in Deutschland. In mehrtägigen Kursen bietet sie rund um das Jahr in drei Instituten für Familien, Eltern und Multiplikatoren der pädagogischen Arbeit Kurse an, die vor allem soziale Kompetenzen fördern. Anerkannte Kursleiter und Kursleiterinnen begleiten die Teilnehmer. Die Autoren von "Beziehungen leben" sind überwiegend langjährige Kursleitende der drei anerkannten Bildungsinstitute. Sie geben eine Übersicht verschiedener Methoden der Humanistischen Psychologie und Pädagogik. Ergänzt werden die Beiträge mit vielen theoretischen Informationen.
Mary Anne Kübel, die Gründerin des Odenwald-Institutes in Südhessen, berichtet zudem über die Anfänge der Institutsarbeit, der Religionswissenschaftler Dr. Roland Schüssler befasst sich mit dem Person-Begriff aus historisch-pragmatischer Sicht. Ingrid Geschwentner-Blachnik, Mitarbeiterin der Stiftung Weltethos, verbindet die person-orientierte Pädagogik mit einem globalen Wertesystem und Dr. George Arickal, Mitglied des Vorstands der Karl Kübel Stiftung, schlägt Brücken zur Bildungsarbeit der Stiftung in Indien.

Beziehungen leben, 123 Seiten, 4 Abbildungen, 5 Grafiken, 24 x 16,9 cm, broschur, gebunden, DM 15,00, ISBN 3-9800703-5-2, Erhältlich in der Karl Kübel Stiftung, deren Institute sowie allen Buchhandlungen


Bildung für Müllkinder
Sie leben auf rauchenden Müllbergen. Sie arbeiten bereits als kleine Kinder, haben keine gesundheitliche Fürsorge, leiden unter Mangelernährung und es fehlt ihnen an Bildung. Tausende von Kindern wachsen in Manila unter diesen Bedingungen auf. Die Bensheimer Tage der Menschenrechte greifen die Rechte und Lobby der Kinder auf. Im Mai war auf Einladung der Stiftung die Tanzgruppe COME in Bensheim zu Gast. Bewegt durch die professionelle Tanzkunst der Müllkinder und betroffen von deren Alltagssituation haben sich deren einstige Gastfamilien in Bensheim spontan entschieden, ein Projekt zu entwickeln. Sie wollen langfristige Bildungsförderung der jungen Tänzer unterstützen.


Stiftung betont das Recht auf Entwicklung
1993 kam es auf der 2. Weltmenschenrechts-Konferenz in Wien zu einer Einigung über das Recht auf Entwicklung. Auch die Industrienationen erkennen es an – allerdings immer noch nicht völkerrechtlich verbindlich. Es ist inhaltlich eine Verschmelzung bereits zuvor anerkannter kultureller, ökonomischer, politischer und sozialer Menschenrechte. So sollen mit dem Recht auf Entwicklung alle Menschen das Recht auf Entwicklung, auf Leben, auf Nahrung, Kleidung, Wohnraum oder medizinische Versorgung haben. Zugleich wird ein Anspruch auf ein Minimum garantierter Sicherheit und Unverletzlichkeit festgeschrieben, aber auch das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Eine Besonderheit hierbei ist das Recht auf aktive Partizipation im persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß.Die Bensheimer Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie richtet ihre Entwicklungszusammenarbeit nach den Menschenrechtskonventionen aus. Sie unterstützt Projekte der "Hilfe zur Selbsthilfe" in Indien und seit neuestem auch auf den Philippinen.
Eine wesentliche Zielgruppe der Projektarbeit in Indien sind Ureinwohner. Sie werden Adivasi genannt, die "ersten Bewohner". Über 70 Millionen Menschen zählen zu ihnen. Sie leben vielfach in absoluter Armut, einige Gruppen sind sogar vom Aussterben bedroht. Die Adivasi werden vielfach nicht nur wirtschaftlich ausgebeutet, sie kämpfen auch gegen die Bedrohung ihrer angestammten Siedlungsgebiete. Zunehmend gefährdet ist auch ihre kulturelle Identität.
So fördert die Karl Kübel Stiftung beispielsweise seit 1994 zusammen mit einer indischen Partnerorganisation ein Entwicklungsprojekt im nordindischen Bihar. Erreicht wird dabei eine Gruppe von etwa 11.000 Adivasi. Sie lebten bislang in einer relativ intakten Natur. Die Familien ernährten sich ausschließlich von Landwirtschaft und Jagd. Heute bedrohen sie vorrückender Bergbau, sinkende Grundwasserspiegel, Vergiftung des Trinkwassers durch Minenrückstände und mangelnde gesundheitliche Versorgung. Dazu fehlt es vielen indischen Ureinwohnern an Bildung, es wird von kultureller Diskriminierung gesprochen. Die Folge: Deutlicher Rückgang der Bevölkerungszahlen.
Gemeinsam mit den Adivasi wurde ein Entwicklungsprogramm geplant, das neben der Erfüllung von Grundbedürfnissen vor allem die kulturelle Eigenständigkeit und Überlebensfähigkeit sicherstellt. Das geschieht vor allem durch Bildung und Rechtsberatung. Damit werden die Adivasi in die Lage versetzt, ihre Rechte gegenüber Staat und Bergwerksgesellschaften geltend zu machen. Die Beteiligung der Menschen bei der Planung und Durchführung des Projektes brachte eine hohe Motivation.
Der Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe verspricht Erfolg und langfristige Wirksamkeit. "Nur wenn die Menschen, die Inhalte und Ziele ihrer Entwicklung selbstverantwortlich mitbestimmen können, ist die Basis für einen nachhaltigen Entwicklungsprozeß gegeben" so Ralf Tepel, Referent für Entwicklungszusammenarbeit in der Karl Kübel Stiftung.
Neben einer unmittelbaren Beratung und Unterstützung der Menschen in Entwicklungsländern will die Stiftung grundlegende nationale und internationale Reformen.Es brauche eine beständige Politik, die auf Achtung der Menschenwürde Wert lege und die die festgeschriebenen Menschenrechte respektiere.
Aber auch Eigenengagement sei gefragt. Das Handeln jedes Einzelnen könne zu einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Entwicklung beitragen. "Im Zeitalter des beschleunigten Globalisierungsprozesses wissen wir, daß wir auf eine Weltinnenpolitik angewiesen sind, und die Verantwortung liegt nicht nur bei den Politikern, die wir für den nächsten Bundestag wählen, sondern bei uns", meint Dr. George Arickal, Mitglied des Vorstandes der Karl Kübel Stiftung. Die konsequente Umsetzung der Agenda 21, einem Aktions- und Handlungsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung in Gemeinwesen, Wirtschaft und Umwelt, sei dabei ein erster Schritt.


Neue Weichenstellung in der Entwicklungspolitik
Karl Kübel Stiftung unterstützt Forderungen von VENRO an zukünftige Regierung

"Eine Politik der weltweiten Gerechtigkeit und des Friedens, die die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen sichert und der Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland in der Welt gerecht wird", fordert der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO). Die Karl Kübel Stiftung ist Gründungsmitglied von VENRO und unterstützt den jetzt vorgelegten Zehn-Punkte-Katalog. In ihm werden die wichtigsten Forderungen aus Sicht der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen an die zukünftige Bundesregierung formuliert. "Neben den zentralen innenpolitischen Themen muß auch die Entwicklungspolitik Gegenstand der Koalitionsverhandlungen sein", sagte der VENRO-Vorsitzende Prof. Dr. Peter Molt. Entwicklungspolitik müsse von der neuen Regierung als zentrale Zukunftsaufgabe angesehen und eine soziale und ökologisch orientierte Entwicklung zum Leitbild der deutschen Politik gemacht werden, so Molt weiter. Darüber hinaus fordert VENRO in seinem Katalog von der zukünftigen Bundesregierung unter anderem, die Beschlüsse der UN-Weltgipfelkonferenzen endlich umzusetzen, einen Schuldenerlaß für die ärmsten Länder, eine Aufwertung der europäischen Entwicklungspolitik, die Konzentration auf die selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung sowie eine verstärkte Förderung der Arbeit der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen im In- und Ausland. "Selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung, wie wir sie seit Jahrzehnten in Indien und seit neuestem auch in den Philippinen fördern, ist einer der wirksamsten Ansätze, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Wir wünschen uns eine verstärkte Unterstützung von Seiten der Bundesregierung und die weitere Anpassung der Vergabebedingungen an die Erfordernisse der Humanitären Hilfe", so Dr. George Arickal, Vorstandsmitglied der Karl Kübel Stiftung. In einem Schreiben an den zukünftigen Bundeskanzler Gerhard Schröder hat VENRO auf die Notwendigkeit einer veränderten, zukunftsfähigen Entwicklungspolitik hingewiesen und die neue Regierung dazu aufgefordert, den Zehn-Punkte-Katalog in das Regierungsprogramm aufzunehmen.