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| Waldschäden durch Fraß von Maikäferengerlingen / Bergsträßer Forstämter stark betroffen | 17. Mai 1999 | |
Der Waldmaikäfer - ein unsichtbarer
Feind?
Der Grund für das Aufsehen sind ihre Engerlinge. Jene nämlich sind bis zum nächsten Flugtermin nicht etwa untätig, sondern ernähren sich fleißig unterirdisch, um sich schließlich zu den tief brummenden Käfern zu entwickeln, wie wir sie kennen. Dieses unterirdische Larvendasein hat nun äußerst unangenehme Nebenwirkungen: Der Wald nimmt dadurch nicht unerheblichen Schaden. Besonders betroffen sind in der Region Bergstraße die Forstämter Bensheim, Lampertheim und Darmstadt mit einer durchschnittlichen flächendeckenden "Verseuchung" von etwa 20 Larven/m². Allein der finanzielle Schaden beläuft sich in diesen Bezirken auf mehrere Millionen DM. Forstwirtschaftlich heißt dies, daß innerhalb der nächsten 8-20 Jahre auf die Neuanpflanzung von Laubholz verzichtet werden muß. Im groben unterscheiden wir drei Arten in Deutschland lebender Maikäfer, wobei eine von ihnen nur noch selten vorkommt. In der Regel wird man also nur zweien von ihnen begegnen: zum einen dem Feldmaikäfer, der in den vergangenen Jahren z.B. im Odenwald Obstplantagen gefährdete und zum anderen dem Waldmaikäfer, von dem hier die Rede sein soll. Entwicklung Besonders in der hessischen Rhein-Main-Ebene findet der Waldmaikäfer ein günstiges Klima vor. Hier ist es wärmer als in anderen Gegenden Deutschlands und gibt es weniger Niederschlag als im Bundesdurchschnitt. - Ideale Bedingungen für Melolontha
hippocastani, wie der Waldmaikäfer wissenschaftlich heißt. Die
Weibchen legen bis zu 30 befruchte Eier in 15-20 Zentimetern Bodentiefe ab.
Etwa sechs Wochen dauert es, bis schließlich die Larven (auch Engelinge
genannt) schlüpfen. Ein Larvenleben dauert aber ungewöhnlich lange:
Innerhalb ihrer Entwicklung durchlaufen die Engerlinge mehrere Stadien. Im
ersten Stadium ernähren sie sich vor allem von Graswurzeln. Entsprechend
findet man sie besonders an ausgedünnten Stellen im Wald, wie er
beispielsweise in der Rhein-Main-Ebene zu finden ist. Je älter sie werden, desto mehr machen sie sich über alles Wurzelwerk her, was ihnen vor ihre gefräßigen Kauwerkzeuge kommt. Je feiner die Wurzeln sind, desto schlimmer sind sie betroffen (siehe Abbildung rechts). Der Schaden reicht vom Abfressen der Rinde größerer Wurzeln bis zum vollständigen Verzehr der Feinwurzeln. Die weitere Entwicklung der Käfer lauft über die Verpuppung im Juni vor dem Flugjahr bis zum Schlüppfen der fertigen Käfer im August/September desselben Jahres. Allerdings bleiben die Käfer bis Ende April/Anfang Mai des Flugjahres im Boden. Dann aber fliegen sie, wenn es nicht schon früher zu einem "Zwischenflug" kommt, wie 1997. Gründe für die starke Vemehrung Die vierjährige Entwicklung zum ausgewachsenen Maikäfer unterliegt von Natur aus einer Schwankung, die alle 30-40 Jahre zu einer Massenvermehrung führt (zuletzt Ender der 40er/Anfang der 50er Jahre). Allerdings vermehren sich die Tierchen in den letzten Jahren stärker als normal, wofür eine Reihe von Gründen verantwortlich ist. Insbesondere großflächige Grundwasserabsenkungen sorgen für verbesserte Lebensbedingungen: Die Engerlinge können vor dem Frost in tiefere Bodenschichten ausweichen, ohne ertrinken zu müssen oder nahe der Oberfläche von Pilzen befallen zu werden. Durch Versorgungsleitungen und Straßen kommt es zu einer Auflichtung der Wälder. Die Sonnenstrahlen können den Waldboden an und um diese Stellen stärker erwärmen. Begünstigt wird das so vermehrte Wachstum von Grasflächen durch den abgasbedingten Stickstoffgehalt in der Luft. So entsteht ein idealer Nährboden besonders für die Larven des ersten Stadiums, aber auch für ältere Engerlinge. Da eine breit angelegte Bekämpfung der Käfer in Südhessen sowohl auf organisatorische Probleme als auch mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen würde, hoffen die Forstwirte auf die natürliche Vermehrung des Pilzes Beauveria brogniartii, auch Rickketsien oder "Lorscher Seuche" genannt. Jene allerdings hat sich derzeit auf ein "gesundes" Maß eingependelt: Lediglich 20 Prozent der Käfer werden befallen und getötet. Daher versucht man, durch eine bessere Beschattung der Waldböden in den Forstämtern Abhilfe zu leisten: Die Förster schlagen in den betroffenen Waldflächen nur noch die ohnehin abgestorbenen Bäume und unterstützen das natürliche Wachstum der von selbst wachsenden Pflanzen. - Letztlich kann man dem sympathischen braunen Brummer nur auf diesem Wege begegnen. Skurriles über Maikäfer aus der Geschichte: Maikäferbouillon Gerichtsverhandlung gegen Maikäfer |
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