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| Das Gesundheitsamt des Kreises Bergstraße informiert | 26. August 1999 |
"Kleiner Fuchsbandwurm" - kein Grund
zur Panik
(pm/ck). In verschiedenen Veröffentlichungen wird immer wieder über den Kleinen Fuchsbandwurm berichtet. Kein Grund zur Panik - eine gewisse Vorsicht ist aber angebracht! Insgesamt gibt es in Deutschland keine sehr hohen Infektionsraten beim Menschen (ca 1 - 10 pro 100 000). In einigen Regionen sind die Fuchspopulationen jedoch bis zu 70% befallen, hier kann die Infektionsrate über das 10fache höher sein. Das Gesundheitsamt des Kreises Bergstraße informiert daher über mögliche Ansteckungsrisiken und den Lebenszyklus des Kleinen Fuchsbandwurms. Der Kleine Fuchsbandwurm kann im Darm von Fuchs und Katze leben und ist nur vier Millimeter lang. Das befallene Tier verhält sich äußerlich unauffällig. Das Larvenstadium des kleinen Fuchsbandwurms wird in so genannten Zwischenwirten, das heißt in Organen anderer Tierarten durchlebt. Vor allem kleine Nagetiere kommen hier in Frage, die infizierten Kot aufnehmen. Das Erwachsenenstadium wird in Endwirten durchlaufen und mündet in der Eiabgabe. Im Dünndarm des Nagetiers schlüpfen die in den Eiern enthaltenen Hakenlarven, bohren sich durch die Darmwand in Blutgefäße und gelangen mit dem Blut in die Leber. Dort wachsen sie innerhalb einiger Monate zu tumorähnlichen Gebilden heran, die die Leber des Zwischenwirtes zerstören. Es entstehen tausende von Bandwurmanlagen. Der Kreislauf schließt sich, in dem der Fuchs das Nagetier frisst. Er gilt als wichtigster Endwirt in Mitteleuropa. Wie kann sich ein Mensch infizieren? Waldbesucher können durch Verzehr von rohen Wildbeeren oder Pilzen unbemerkt Fuchsbandwurmeier aufnehmen. Aber auch Gartenbesitzer in weniger dichtbesiedelten Gebieten können sich eine Infektion beim Essen von herabgefallenem Obst oder von Salat zuziehen. Auch Jäger, die mit dem Fell eines toten Tieres im Wald Kontakt haben, können Fuchsbandwurmeier unbemerkt über die Hände in den Magen-Darm-Trakt aufnehmen. Der Kot von Füchsen, aber auch von Hunden und Katzen kann mit Fuchsbandwurmeiern befrachtet sein. Auch kann getrockneter Kot bei Erdarbeiten im Staub aufgewirbelt werden und auf diese Weise zu einer Erkrankung beim Menschen führen. Allerdings erkrankt nicht jeder Mensch, der Fuchsbandwurmeier aufgenommen hat. Wie sieht das Krankheitsbild aus? Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten klinischer Erscheinungen dauert ca 10 bis 15 Jahre. Die Beschwerden sind uncharakteristisch. Die klinischen Zeichen werden erst durch die Lokalisation der Finnenblase bestimmt. Ähnlich wie wir dies von Krebserkrankungen kennen, ist das raumfordernde Wachstum entscheidend für das klinische Bild. Bei ca 75 % der Erkrankungen kommt es zu einer Leberschwellung, Übelkeit, Appetitlosigkeit und eventuell zu einer Gelbfärbung der Haut. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann die Finnenblase aufbrechen, die Folge ist eine Infektion der Körperhöhlen und einzelner Organe. In 10 % der Fälle entsteht eine sogenannte Lungenechinocomse. Diese geht mit chronischem Reizhusten, Brustbeinschmerzen und Luftnot einher. Bei diagnostischen Eingriffen besteht dann die Gefahr, dass die Zysten platzen und eine Aussaat erfolgt. Welche therapeutischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung? In erster Linie bietet sich die chirurgische Ausschälung der Zysten an, wobei die Resthöhle vollständig saniert werden muss. Einzelne Zysten von Lunge und Leber haben eine relativ günstige Prognose. Wenn jedoch verschiedene Organe befallen sind, werden oft mehrfach operative Eingriffe erforderlich. Im ungünstigsten Fall kann nicht operiert werden. Hier bleibt nur die Möglichkeit einer Chemotherapie und die Hoffnung, das weitere Wachstum zu hemmen und die Ausbreitung zu verhindern. Das staatliche Veterinäramt und das Kreisgesundheitsamt empfehlen daher folgende Vorsichtsmaßnahmen: Hunde und Katzen, die im Freiland Mäuse fangen und fressen, sollten alle sechs Wochen gegen Bandwurmbefall behandelt werden. Nach Arbeiten im Freiland, bei Kontakt mit Erde und Gras sollten nicht nur die Hände gründlich gewaschen, sondern auch die Arbeitsgeräte gesäubert werden. Gemüse, Salate und am Boden wachsende Früchte sollten nur dann roh verzehrt werden, wenn der Garten fuchssicher eingezäunt ist. Keine Gefahr besteht bei gekochtem Gemüse und eingemachtem Obst (Erhitzung auf 60°), Marmelade usw.. Einfrieren dagegen bietet keinen Schutz. Gibt es Vorsorgeuntersuchungen? Bei begründetem Verdacht auf eine Infektion besteht die Möglichkeit von Blutuntersuchungen durch ein spezielles Labor sowie von Ultraschalluntersuchungen verschiedener Organe. Bestimmte Berufsgruppen, die schon von daher stärker gefährdet sind wie z.B. Jäger, können von dieser Vorsorgeuntersuchung profitieren. Es ist jedoch zu bedenken, dass die Untersuchung erst einige Monate nach dem vermuteten Kontakt sinnvoll ist. Was kann man gegen die Ausbreitung der Bandwurmerkrankung tun? Aus seuchenhygienischer Sicht wird die intensive Bejagung der Füchse von den zuständigen Behörden als notwendig angesehen, allerdings ist nicht klar, ob dadurch die Übertragung des kleinen Fuchsbandwurms wesentlich gehemmt werden kann. In einzelnen Regionen, z.B. in der Schwäbischen Alb, werden freilebende Füchse mit Hilfe präparierter Fraßköder entwurmt. Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an: Staatliches Amt für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen, Dr. Christian Schulze, Mozartstraße 80 in Heppenheim, Telefon 06252/ 78242 oder direkt an das Kreisgesundheitsamt, Dr. Manfred Zolg, Karl-Marx-Straße 8 in Heppenheim, Telefon: 06252/ 158 -0. |
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