Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

RIVA- Freunde in Dresden

Reise des deutsch - italienischen Freundeskreises nach Dresden vom 24. bis 27. April 2008

"Will man eine Stadt kennen und lieben lernen, sollte man sie zu Fuß erlaufen." Unter diesem Motto machten sich 47 Teilnehmer des deutsch-italienischen Freundeskreises Bensheim-Riva auf den Weg, um in einer mehrtägigen Exkursion Dresden, die Residenzstadt des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken, mit allen Sinnen zu erkunden. Vom in Bahnhofsnähe an der Prager Straße, der alten Prachtstraße und heute neu entstehenden großzügigen Einkaufsboulevard, erreichten Bensheimer in wenigen Gehminuten Dresdens Altstadt mit ihren hervorragend wieder aufgebauten, bzw. restaurierten Renaissance - und Barockbauwerken, die Dresden zu recht den Beinamen Elbflorenz einbrachten.

In mehreren Erkundigungstouren stellte Herr Georg Drinnenberg als sachkundiger und kompetenter Dresdenkenner und Dresdenfreund den Riva-Freunden die Schönheit und den italienischen Flair der Elbmetropole vor, wobei die Frühlingssonne die Stadt in besonders reizvollem Licht erstrahlen ließ. Herr Heribert Kittel vermittelte an markanten Punkten der Rundgänge und Fahrten geologisches und geographisches Grundwissen zu Elbtal (z. B. Problematik der Waldschlösschenbrücke ) und Dresdner Heide, dem Waldgebiet rund um die Stadt.

In der ersten Etappe erkundete die Gruppe unter Herrn Drinnenbergs Leitung die Neustadt, die ursprüngliche Dresdner Altstadt, vom Albertplatz mit seinen beiden stattlichen Brunnen "Stille Wasser" und "Stürmische Wogen" und dem artesischen Brunnen mit dem Rundtempel von Hans Erb weiter durch die Hauptstraße zur Dreikönigskirche. Diese von Augusts Baumeister Pöppelmann geplante Barockkirche besitzt einen eindrucksvolles Totentanz-Relief aus dem Georgentor des Schlosses und einen Altar, in den bewusst zerstörte Elemente und Trümmerteile der Bombennacht vom 13. Februar 1945 bei der Restaurierung eingearbeitet wurden. Vorbei am schönen Bürgerhaus "Kügelgen-Haus",dem heutigen Museum der Romantik, führt die Straße zum "Goldenen Reiter", ein imposantes Reiterstandbild Augusts des Starken, der im Gewand eines römischen Cäsaren in Richtung seines polnischen Königreiches reitet.

Von den Elbwiesen am rechten Elbufer bestaunten die Reiseteilnehmer das berühmte Dresden - Panorama, den sogenannten "Canalleto-Blick" ( venezianischer Maler Bernardo Bellotto, genannt Canalleto ) mit Semper-Oper, Hofkirche, Schloss, Augustus-Brücke, Brühlsche Terrasse, überrragt von der 2005 wieder eröffneten Frauenkirche mit ihrer 95 m hohen glockenförmigern Kuppel. Der Schreiber dieser Zeilen gesteht, dass er sich beim Anblick des traumhaft schönen, wieder erstandenen Stadtbildes im warmen Licht der untergehenden Sonne einer Träne nicht erwehren konnte. Nach dem Gang über die Augustus-Brücke und einem ersten Bummel über die Brühlschen Terrasse wurde das Abendessen im "Italienischen Dörfchen" eingenommen; der Name des Gebäudes und Restaurantes am Opernplatz und Elbufer ist auf italienische Facharbeiter zurückzuführen, die hier während der Bauarbeiten an Schloss und Hofkirche wohnten.

Rund um den Neumarkt könnte man die Erkundigungsgänge am zweiten Reisetag bezeichnen. Im Mittelpunkt der Besichtigung stand der "Dresdner Zwinger". Herr Drinnenberg öffnete den interessierten Reisefreunden die Augen für Schönheiter der barocken Prachtanlage des Baumeisters Pöppelmann im Herzen der Altstadt. Der Besuch der Galerie der Alten Meister im Semperbau des Zwingers mit so berühmten Bildern wie Canalletos Dresden Ansichten J.L. Liotards "Schokoladenmädchen" und vor allem Raffaels "Sixtinische Madonna" war ein weiterer Höhepunkt des Vormittags.

Herrn Drinnenberegs langjährige Dresdner Freunde und Dresden-Kenner erklärten am Nachmittag Geschichte und Bedeutung des Stadtschlosses, eines der prachtvollsten Renaissance-Schlösser Deutschlands und von August nach barocker Manier umgebaut, und stellten mit großer persönlicher Begeisterung den berühmten "Fürstenzug" vor: Fast 100 überlebensgroße Figuren zählt der 102 m lange Reiterzug, der auf25000 Porzellan-Kacheln an der Fassade des Stallhofes die Herrscher des Hauses Wettin darstellt. Erstaunlicherweise überstanden die Porzellankacheln fast unbeschädigt die Brandnacht des Februars 1945.

Nach einer Führung durch die berühmte Semper-Oper und dem Besuch des neu gestalteten "Grünen Gewölbes" mit kostbaren Schätzen und Pretiosen, die August in der ganzen Welt einkaufte, bzw. anfertigen ließ, klang der Tag mit der Abendandacht in der Frauenkirche aus: ein heller, lichtdurchfluteter, von der Sonne durchstrahlte Innenraum, wahrhaft ein Ort des Betens, Singens Fröhlich- Seins. S.D.G. - Allein Gott zur Ehre steht über der Orgel.

Bei der zentralen Kirchenführung wurde insbesondere auf die Kreuz-Symbolik in der Kirche hingewiesen: Dem Rundbau liegt ein griechisches Kreuz mit gleich langen Balkenlängen zu Grund; im Kirchenraum fällt das nach der Zerstörung der Kirche wieder gefundene Kuppelkreuz auf; den Altar ziert das Nagelkreuz der von deutschen Bombern zerstörten Kathedrale von Coventry; auf dem Kuppeldach strahlt das goldene Kreuz, das die englische Königin zur Neueinweihung der Frauenkirche widmete; das Kreuz - ein Zeichen des Schmerzes und der Verwundung, aber auch Symbol für Versöhnung und Heil.

Auch am Samstagabend hatten die Bensheimer Reisefreunde Gelegenheit eine musikalische Abendvesper diesmal in der evangelischen Kreuzkirche mitzufeiern. In seiner Ansprache ging Oberlandes-Kirchenrat Dr. Christoph Münchow insbesondere auf das ökumenisch Verbindende dieses Gottesdienstes ein mit Hinweisen auf die vielen Lieder der jeweilig anderen christlichen Konfession in den Gesangbüchern der beiden großen Kirchen. Der Chor der katholischen Kathedrale "die Dresdner Kapellknaben" unter Leitung von Domkapellmeister M. Liebich sang u.a. Motetten von Palestrina, Lassus Bruckner, Ahrens und E.Wenzel. Am Abend war Gelegenheit den Staatsoperchor und die Sächsische Staatskapelle unter Charles Mackerras in einem Konzert mit geistlichen Werken von Mozart und Schubert in der Frauenkirche zu hören.

Der Samstagvormittag war dem Besuch der Schlösser Pillnitz und Moritzburg gewidmet; beide Schlossanlagen ein Muss für den Kunstinteressierten auf den Spuren August des Starken. Schloss Pillnitz malerisch am Ufer im lieblichen Elbtal gelegen, überließ August seiner Mätresse Gräfin Cosel. Nach Idee und Plan Pöppelmanns entstand eine Sommerresidenz im Chinoisestil, spiegelbildlich angelegt, dem Zwinger vergleichbar und verbunden durch französische und englische Gartenanlagen mit der berühmten, über zehn Meter hohen Pillnitzer Kamelie. Hier träumte August wohl auch, sein Dresden als ein Venedig des Nordens auszugestalten mit Schlössern und Palästen an den Elbufern und mit Gondeln und Kanälen.

Auch das barocke Schloss Moritzburg zeigt die Handschrift Pöppelmanns; das Jagd- und Lustschloss mit seinen vier imposanten Rundtürmen liegt inmitten eines künstlich angelegten Reiches. Die Riva-Freunde bestaunten die weitgehend unverändert gebliebenen Barockräume mit kostbaren Ledertapeten, mit barocken Möbeln und ander4em Interieur und einereindrucksvollen Sammlung verschiedener Jagdtrophäen, ebenso das legendäre Federzimmer mit Wandteppichen und dem Prachtbett Augusts aus über 10000 verschieden farbigen Federn.

Herr Kittel bereicherte das Wissen der Teilnehmer mit geologischen Erklärungen über die Auswirkungen der verschiedenen Eiszeiten auf Bodenbeschaffenheit und Landschaftsformen des Elbtals.

Am Sonntag hieß es Abschied nehmen. Ein Rundgang führte vorbei an der neuen Synagoge durch die Brühlschen Gärten mit den Denkmälern von Böttger, dem Erfinder des Hartporzellans, und Semper, dem Baumeister des Opernhauses; weiter zum Neu- und Jüdenmarkt mit Frauenkirche und dem Verkehrsmuseum im Johanneum zum Innenhof des Stadtschlosses und tzr katholischen Hofkirche, der Kathedrale, in der die Kapellknaben den Sonntagsgottesdienst mit Aichingers "Regina coeli" beendeten. Über die Augustusbrücke führte der Abschiedsweg vorbei am Blockhaus zum japanischen Palais, das August für seine Porzellansammlung von den besten Architekten seiner Zeit erbauen ließ. Der Kreis der Erkundigungsgänge hatte sich geschlossen: Am Albertplatz nahm die Exkursion ihren Anfang, hier war nun auch der Treffpunkt zur Heimreise.

Auf der Heimfahrt dankte die Vorsitzende des Freundeskreises, Frau Dr. Pina Kittel, im Namen aller Reiseteilnehmer mit herzlichen Worten Herrn Drinnen berg für die exzellenten Führungen und die (kunst-) geschichtlichen Erläuterungen und Herrn Kittel für seine Beiträge zu Geologie und Geographie, aber auch für seine soziologisch-politischen Hintergrundsinformationen.

Anzumerken bleibt noch, dass Herr Drinnenberg die Reisegesellschaft mit musikalischen Einspielungen Dresdner Komponisten (u.a. von Hasse, Heinichen, von Weber, Wagner) auf die Stadt an der Elbe einstimmte und mit Musik die Gruppe vom wunderschönen Elbflorenz Abschied nehmen ließ. Allen Organisatoren dieser gelungenen, informativen Studienfahrt gebührt großer Dank.

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