Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

Friaul - Kulturland zwischen Alpen und Adria
Beeindruckendes Referat von Richard Konstantin Blasy

"Trentino und Friuli Venezia Giulia" lautet der Arbeitstitel einer mehrtägigen Kulturreise, zu der Mitte Oktober rund 50 Mitglieder des Deutsch-Italienischen Freundeskreises Bensheim-Riva unter Leitung ihrer Vorsitzenden Dr. Pina Kittel aufbrechen werden. Vor diesem Hintergrund erwies sich die Gewinnung des bestens ausgewiesenen Referenten R. K. Blasy zu einem Vortrag "Landschaften, Stadtbilder und Kunstdenkmäler im Friaul" als purer Glücksgriff: Die anwesenden Fahrtenteilnehmer bekamen einen beeindruckenden Einblick in das, was sie auf der Reise erwartet, und die vielen übrigen interessierten Zuhörer konnten schmerzhaft erahnen, was sie kulturell in natura versäumen werden.

Blasy, der Architektur und Kunstgeschichte studiert hat, signalisierte gleich eingangs seinen Zuhörern, dass hohe Konzentration erforderlich sei, denn sein Vortrag sei eine "alla breve Version" einer von ihm zu dieser Thematik konzipierten fünfteiligen Vortragsreihe unter Berücksichtigung der Reiseschwerpunkte.

Geografie und Geschichte

Trieste

Der Norden des Friaul wird durch die Karnischen und Julischen Alpenmassive mit den größten zusammenhängenden Waldgebieten Italiens geprägt. An eine Voralpenlandschaft schließt sich nach Süden unvermittelt die friulische Tiefebene an, die in die friulische Küste von der Tagliamento-Mündung bis zur slowenischen Grenze übergeht. Die Küstenlandschaft zerfällt dabei in eine Region der großen Lagunen und langen Sandstrände, zum anderen in eine Welt des Karst mit felsigen Steilwänden. Blasy fing diese vielfältigen Landschaftsstrukturen von Bergregionen, Moränenhügeln und Flachzonen in ruhigen, beeindruckenden Bildern ein und ließ immer wieder geschichtliche Informationen einfließen.

Dabei wurde schnell klar, dass das Friaul durch seine exponierte geografische Lage zwangsweise im Schnittpunkt der Kulturen und Machtsphären stand. Als Grenzland mit wechselnden Herrschaften unter Kelten, Rom, Byzanz, den Langobarden und deutschen Kaisern war das Friaul stets umkämpft. Im Mittelalter hatte 343 Jahre ein Patriarchenstaat Bestand. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts war der westliche Teil venezianisch (= Friaul), der Osten gehörte zu Habsburg (= Julisch Venetien). Nach dem ersten Weltkrieg wurde Friaul-Julisch Venetien italienisch und 1963 wurde die Doppelregion Friuli Venetia Giulia gegründet.

Städte und Denkmäler

Die wechselvolle Geschichte und das Aufeinandertreffen romanischer, slawischer und germanisch-deutscher Kulturen haben eine Vielzahl von künstlerischen Zeugnissen hinterlassen. Blasy lenkte hier das Augenmerk insbesondere auf die Orte Aquileia - die Stadt der Römer und frühen Christen -, die Lagunenstadt Grado, Cividale del Friuli - der Stadt der Langobarden -, Udine - das seine große Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert erlebte - und auf Triest. Er visualisierte die Kunstdenkmäler dieser Orte - seien es Kirchen, Kathedralen, Dome, Palazzi, Foren usw. - mit überragendem Bildmaterial und ordnete das Dargestellte in freier, aber gleichwohl druckreifer Sprache kunsthistorisch ein. Seine Bilder wirken deshalb so brillant, weil Blasy seine Kamera aufgrund spezieller Stativtechnik und Objektive gleichsam auf Augenhöhe mit den Darstellungsgegenständen kommunizieren lässt. So entstehen auf den Kern reduzierte Bilder, die sich der üblichen Perspektive entziehen, aber z. B. die architektonische Schönheit einer Fassade vollkommen erschließen und deren grundlegende Geometrie und Symmetrie freilegen. Dadurch dass Blasy stilistisch präzise seine Bilder beschreibt, erschließen sich deren Inhalte dem Betrachter und eröffnen ihm eine eigene neue Perspektive - eine Ménage à trois.

Blasy beendete seinen Parforceritt durch das Friaul mit einer längeren, bühnenreifen Rezitation aus dem "Sonnengesang" von Franz von Assisi, in dem die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde beschworen werden.

Langer, dankbarer Applaus für den 79-jährigen bewunderungswürdigen Referenten.
... und auf ins Friaul.

Von Peter Zeyer

zurück