Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

Riva-Freunde: Kulturreise in das Trentino und das Friaul

Die Friaul-Trilogie - Zweiter Teil

Für das zweite Halbjahr hat der Riva-Verein seinen Themenschwerpunkt auf "Friuli Venezia Giulia" gelegt, jener Kulturlandschaft zwischen Alpen und Adria, die zu deutsch "Friaul" genannt wird. Mit dem fulminanten Bildervortrag von R. K. Blasy "Landschaften, Stadtbilder und Kunstdenkmäler im Friaul" war dazu ein erster erfolgreicher Schritt gemacht worden.

Die Teilnehmer der Reise, Foto: Peter Zeyer

Foto: Peter Zeyer

Zunächst: Riva und das Trentino

Dass sich nun - als zweiter Schritt - 50 Vereinsmitglieder unter Leitung der Vorsitzenden Dr. Pina Kittel zu einer neuntägigen Kulturreise in Richtung Friaul aufmachten und dabei zunächst einmal Riva del Garda einen Referenzbesuch abstatteten, gehört zu den unaufgeregten Gepflogenheiten dieser vitalen Städtepartnerschaft. So konnten neue Mitglieder mit dem bewährten Mauro Grazioli die Altstadt besichtigen und sich mit den Sehenswürdigkeiten vertraut zu machen, um ein Gespür für das sympathische Flair der Stadt, des Sees und der wundervollen Landschaft zu bekommen. Auch die Umgebung bietet für langjährige Mitglieder immer wieder neue Überraschungen. Dazu gehörte einmal das an der Etsch gelegene Castello Sabbionara d' Avio, dessen Ursprünge in die Römerzeit zurückgehen. Im Mittelalter um imposante Mauerringe und Wachtürme ergänzt, zog das 2-geschossige Wächterhaus mit seinen Wandgemälden und vielfarbigen Fresken die Aufmerksamkeit auf sich. Zudem öffnete sich das Panorama auf das Etschtal, das nach wie vor eine wichtige Nord-Süd-Verbindung ist. Zu den bleibenden Eindrücken gehörte auch die Fahrt über die "Gardesana Orientale", die östliche Küstenstraße am Gardasee, der Besuch des pittoresken Cassone, eines Stadtteils von Malcesine, sowie eine Bootsfahrt nach Limone und dort der Besuch einer Olivenölmühle.

Weiter ins Friaul

Auf der Weiterfahrt in das neue Quartier in Udine wurde in San Daniele del Friuli Zwischenstation gemacht. Das kleine Städtchen mit der langen Handelstradition ist kulturell eines der interessantesten Orte der Region. Stellvertretend für die Fülle an Sehenswürdigkeiten soll hier nur auf die Kirche Sant' Antonio Abate mit dem einzigartigen Freskenzyklus des Künstlers Pellegrino da San Daniele, der zwischen 1497 und 1522 geschaffen wurde, hingewiesen werden.

Von Udine aus wurde das weitere Programm abgewickelt. Über eine Besichtigung des Castello di Miramare, jenes am Rande der Stadt gelegenen romantischen Ortes, der eng mit den tragischen Ereignissen um den Erzherzog Maximilian und seiner Gemahlin, der belgischen Prinzessin Charlotte, verbunden ist, tastete sich die Gruppe an Triest, die Hauptstadt der politischen Region Friaul-Julisch-Venetien heran, eine Stadt der Gegensätze: Einerseits von karstigen Kalkhängen umrahmt, andererseits durch die halbkreisförmige Bucht begrenzt; einerseits Metropole im toten Winkel an der slowenischen Grenze, andererseits Drehbühne zwischen der italienischen Halbinsel und dem Balkan. Die geostrategische Lage und die bewegte Geschichte haben dazu geführt, dass in der Stadt die österreichischen, ungarischen und slawischen Einflüsse spürbar sind. Zahlreiche monumentale Bauten aus Eklektizismus, Jugendstil, Klassizismus und Neugotik zeugen von der Bedeutung der Stadt. Und wer auf der Piazza dell' Unita d'Italia einen Kaffee geschlürft hat, konnte trotz steifer Brise der Bora einen Hauch der Kaffeehauskultur der k. u. k. Monarchie verspüren. Ein Besuch in der riesigen Tropfsteinhöhle "Grotta die Giganta" rundete den Tag ab.

Aquilea ist ein Ort, der einst zu den bedeutendsten römischen Handels- und Hafenstädten gehörte und für Jahrhunderte Sitz der Patriarchen war, die zugleich die weltliche Herrschaft ausübten. Der romanische Dom mit seinem 750 qm großen Bodenmosaik gehört zu den herausragenden Sakralbauten des Mittelalters und hat seit 1998 den Status eines Unesco-Weltkulturerbes. Die Heiligen-Fresken in der Krypta zählen zu den wichtigsten Freskenzyklen der italienischen Romanik.

Dem gegenüber repräsentiert Udine die städtische Kultur des Friaul. Gleichwohl spiegelt das historische Zentrum die lange Herrschaft Venedigs wieder. Die Piazza Libertà ist dafür ein architektonischer Glanzpunkt. Weitere beeindruckende Gebäude, die Schlossanlage, die Kirche Santa Maria di Castello, der Palazzo Patriarcale mit Fresken von Giovanni Battista Tiepolo, aber dazwischen auch elegante Geschäfte, Gasthäuser und Weinschänken prägen das Bild der Stadt.

Besonders beeindruckend war eine Kreuzfahrt in der Laguna di Marano. Adriano Zentilin, ein Enkel des legendären "Capitano Geremia", steuerte nicht nur das Schiff, sondern gab immer wieder interessante Informationen über die besondere Pflanzen- und Tierwelt.

Bereits auf der Rückfahrt nach Bensheim wurde in Cividale, der Stadt der Langobarden, Station gemacht. Der mittelalterliche Stadtkern wird vom Dom Santa Maria Assunata und der Teufelsbrücke beherrscht. Der große Klosterkomplex Monastero Maggiore und der Langobardentempel mit der berühmten Kapelle Santa Maria della Valle mit seiner einzigartigen Stuckausstattung bildeten einen würdigen Höhepunkt und kulturellen Abschluss.

Da nicht nur die Liebe, sondern auch die Kultur durch den Magen geht, waren im Tagesprogramm immer wieder Mittagsimbisse eingeflochten, in denen die lokalen und regionalen kulinarischen Köstlichkeiten und Weine kredenzt wurden. Der Schinken von San Daniele und das Fischeressen in der Lagune werden dabei besonders in Erinnerung bleiben.

Die Teilnehmer profitierten darüber hinaus von den kulturellen und historischen Anmerkungen sowie den zahlreichen Informationen über Land und Leute seitens Frau Dr. Kittel. Heribert Kittel schließlich wurde nicht müde, die vielen Landschaftsbilder, in die der Bus quasi hineinfuhr, geologisch und geografisch zu erläutern.

Der gemütliche Abschlussabend im österreichischen Golling wurde durch Beiträge in Wort und Gesang, die die lustigen Vorgänge der Reise aufgriffen, aber auch den Dank an die Protagonisten der Fahrt ausdrückten, bereichert.

Peter Zeyer

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