Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

Das nördliche Latium zwischen Etrusker- und Päpsteherrschaft

Eine Kulturreise des deutsch-italienischen Freundeskreises im Oktober 2010 - Seite 2

Villa Lante - Gigantenbrunnen

Bei einem Spaziergang durch Tarquina eröffnete sich ein zweiter historisch-kultureller Faktor, der die Geschichte Nord-Latiums bestimmt hat: die Macht der Päpste beziehungsweise der großen Familien, die über lange Zeit die Päpste stellten, und deren Anspruch, diese Land als Patrimonium Petri, also als Ur-Erbe des ersten Papstes Petrus, für sich zu beanspruchen. So entstand in Nord-Latium der römische Kirchenstaat - und nicht nur mit friedlichen Mitteln. Die Namen der gefürchteten Söldner-Kardinäle Vitelleschi und Albornoz begegneten immer wieder auf dieser Reise.

In buntem Wechsel zogen sie nun die Aufmerksamkeit der Reisenden aus Bensheim auf sich, die Kleinodien des Landes: die großangelegte Villa der Farnese in Caprarola, die Villa Lante mit ihrem reich gegliederten Park und den köstlichen Wasserspielen, Besitz der Gambara und der Montalto, und schließlich der kuriose Park von Bormazo, wo der Graf Vicino Orsini die Tuff-Findlinge seines Parkes zu grotesken, oft riesenhaften Figuren umarbeiten ließ und sich seine private Mythologie erschuf.

Höhepunkt der Reise waren der Aufenthalt in Viterbo und der Besuch Orvietos. Viterbo gilt als die "Stadt der Päpste" schlechthin; hierhin zogen sie sich immer wieder zurück, wenn die Kämpfe zwischen den Adligen in Rom zu heftig wurden. Der Charme der mittelalterlichen Stadt teilt sich unmittelbar mit. Orvieto hingegen, das schon in Umbrien liegt, besitzt mit seinem Dom und dessen unvergleichlicher Fassade eine zentrale Kostbarkeit. Die von Luca Signorelli herrlich ausgemalte "Capella si San Brizio", die Kapelle des Bolsena-Wunders, überhaput des vollkommenen Baukörper dieses Domes begeisterte alle.

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