Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

Venezianische Messe, ein spektakuläres Fest der Sinne
Tagesreise des deutsch - italienischen Freundeskreises nach Ludwigsburg

Bensheim. Ein markantes Kennzeichen der von Italien ausgegangenen Kunstrichtung des Barock ist die Sinnenfreudigkeit, die sich besonders auch auf das Leben in den Fürstenhöfen und herzoglichen Schlössern übertragen hatte. So war Herzog Carl Eugen von Württemberg auf seinen Italienreisen von der verschwenderischen Fantasie der dortigen Festkultur speziell in der Karnevalszeit derartig angetan, dass er im Jahre 1768 den Bürgern von Ludwigsburg ein sprühendes venezianisches Fest spendierte und es mehrere Jahre lang wiederholen ließ. Dieser Tradition folgend, veranstaltet die württembergische Barockstadt alle zwei Jahre im September die "Venezianische Messe", eine schillernde Komposition aus einer magischen Festszeremonie und einem teils karnevalorientierten Markttreiben.

Für den deutsch - italienischen Freundeskreis Bensheim - Riva war dieser Bezug zu Venedig Anlass, seinen Mitgliedern eine Tagesfahrt nach Ludwigsburg anzubieten. Die Vorsitzende, Dr. Pina Kittel, die die Leitung der Reise hatte, empfahl den Teilnehmern eine individuelle Gestaltung des Tagesablaufs. In einer Stadt mit einem umfangreichen Bestand an barocker Baukunst, wie dem Residenzschloss und den beiden Lustschlössern Favorite und Monrepos, alle jeweils umgeben von einer einzigartigen Parklandschaft mit Gartenkunst aus verschiedenen Epochen, war es nicht allzu schwer, sich vor dem eigentlichen Spektakel ein anspruchsvolles Besichtigungsprogramm zusammen zu stellen.

Inzwischen hatte sich im Laufe des Nachmittags der arkadengesäumte barocke Marktplatz in eine venezianische Erlebnislandschaft verwandelt, in der sich Illusion und Realität, Vergangenheit und Gegenwart begegneten. Tänzer, Musikanten, Schauspieler, Akrobaten und zu Figurengruppen postierte Objektkünstler, sie alle versetzten Betrachter und Zuhörer mit einer Symbiose aus Regietheaterspiel und Improvisation in eine traumhafte Fantasiewelt. Das Ganze vermittelte einen Hauch von Commedia dell'Arte.

Und überall in der Stadt tauchten sie auf, Maskierte und in malerischen Kostümen Gekleidete. Wie auf dem Markusplatz in Venedig schritten sie würdevoll voran in weit ausladenden Röcken und mit weißen Perücken auf dem Haar. Manche trugen schwarze Umhänge über den Schultern ,verbargen sich hinter Masken aus Pappmaché oder wirkten fahl mit weiß getünchtem Gesicht. Sie stellten sich in Pose, gerade so, wie es den Fotografen gefiel. Dem Einfallsreichtum in der Selbstdarstellung waren keine Grenzen gesetzt. Man bevorzugte Originalität nach historischem Vorbild oder wählte eine der eigenen Fantasie entstammende Kostümierung.

Am Abend traf sich die Bensheimer Reisegruppe zur Rückfahrt im Schlosshof, wieder vereint und voller Gewissheit, einen im Rahmen der Veranstaltungsvielfalt des deutsch-italienischen Freundeskreises außergewöhnlichen Tag erlebt zu haben, der in erster Linie persönlichen Emotionen gewidmet war.

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