Deutsch-Italienischer Freundeskreis
Bensheim-Riva del Garda

Die Wasserversorgung römischer Städte vor 2000 Jahren am Golf von Neapel
Fließendes Wasser in Pompeji zur Zeit von Kaiser Augustus

Der Freundeskreis Bensheim - Riva e. V. lädt ein zu einem Vortrag über die Wasserversorgung der römischen Stadt Pompeji. Referieren wird Herr Prof. Dr. Mathias Döring von der Hochschule Darmstadt.

Bei ihrem Besuch in Pompeji im Oktober 2006 ließ sich die Reisegruppe des Freundeskreises zeigen, wie die Menschen der Stadt mit Wasser versorgt wurden. Sie besichtigten das Castellum Aquae, wo das über eine Fernleitung ankommende Wasser aufgenommen und in die städtischen Verteilleitungen eingespeist wurde.

Ohne den Komfort einer reichlichen Versorgung mit Wasser konnten sich die römischen Bürger ihr Leben nicht vorstellen. Frisches Wasser gegen die Hitze der Sommertage, für die Hygiene im Haus und in den Thermen, für die Gärten und nicht zuletzt für die öffentlichen Brunnen, die neben ihrer Funktion der Versorgung der breiten Bevölkerung als belebendes Element in den geschäftigen Straßen dienten. So auch in Pompeji, der lebendigen Stadt am Golf von Neapel, wo die Bevölkerung zur Zeit des alles zerstörenden Ausbruchs des Vesuv in Jahre 79 n. Chr. auf 12.000 bis 30.000 Menschen geschätzt wird.

Der Golf von Neapel war die bevorzugte Sommerfrische der hochrangigen römischen Familien. Ausgedehnte Thermen wurden in Baiae angelegt. Die Topografie der Küste gestattete dort auch den Aufbau des damals wichtigsten römischen Flottenstützpunktes bei Misenum. Die Küste und auch die Hänge des Vesuv waren wegen des fruchtbaren Bodens dicht besiedelt.

Das örtliche Wasserdargebot reichte zur Versorgung dieser vielen Menschen nicht aus. Zur Zeit des Augustus wurde eine Fernleitung gebaut, mehr als 90 km lang, mit der Quellwasser aus dem Gebiet von Serino im Apennin bis nach Misenum gebracht wurde. Die Serino-Leitung verlief nördlich des Vesuv in ost-westlicher Richtung. Die Trasse ist weitgehend bekannt. Mit heute noch beeindruckenden Aquädukten überbrückten die römischen Baumeister Täler. Verschiedene Abzweige versorgten die Städte an der Küste, so auch Pompeji.

An der Porta del Vesuvio im Norden der Stadt erreichte der Zuleitungskanal Pompeji. Das Wasser floss in ein Sammelbecken, in das Castellum Aquae. Von dort wurde es in 3 voneinander getrennte Verteilsysteme geleitet, die das Wasser zu den öffentlichen Brunnen in den Straßen, zu den Thermen und zu den privaten Abnehmern führten. Die Leitungsrohre wurden aus leicht formbaren Bleiblechen gearbeitet, die an der Längsnaht zusammen gebördelt wurden. Einzelne Stücke sind bei den Ausgrabungen ans Licht gekommen und zeugen noch heute vom Geschick der römischen Handwerker.

Mit der Aufteilung des Wassers im Castellum Aquae auf die Verteilsysteme war ein Wasserwart beauftragt. Die ihm zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten waren einfach, aber wirkungsvoll. Eine große Bleiplatte stand quer zur Strömung und staute das Wassers auf. Sie war mit Schlitzen versehen, durch die eine jeweils definierte Menge zu den drei Verbrauchergruppen fließen konnte. Eine Änderung der Abflussmenge war durch das Einsetzen von Holzkeilen möglich. Als weiteres Instrument der Regelung nutzte der Wasserwart Stopfen, mit denen Querverbindungen und die Abflussrohre verschlossen oder geöffnet werden konnten. Wichtig war, dass immer ausreichend Wasser zu den öffentlichen Brunnen floss. Da aber die Besitzer der städtischen Paläste stärker auf die begrenzt verfügbare Menge zuzugreifen versuchten, waren Konflikte vorprogrammiert. Mit der Regelung durch den Wasserwart sollte verhindert werden, dass die privaten Nutzer ihr Kontingent zu Lasten der öffentlichen Versorgung ausweiteten.

Der Freundeskreis Bensheim - Riva e.V. freut sich, dass Herr Prof. Dr. Mathias Döring für Dr. Christoph Ohlig eingesprungen ist. So ist es möglich, dass der am 09. Februar 2007 geplante Vortrag nun am 25. April erfolgen kann. Beginn ist 20 Uhr, im Gemeindezentrum St. Georg im Bensheim. Gäste sind herzlich willkommen.

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