Chronik - Gründungszeit

(Verfasst und gestaltet von Johnny Glover)

 

Kurze Vorgeschichte

Über die fast 1.000-jährige wechselhafte Geschichte dieser Ortschaft (erste geschichtliche Eintragung im Lorscher Codex von 1012) gibt es sicherlich viel zu berichten, obwohl sie kein Denkmal, kein Schloß und keine Ruine besitzt, jedoch eine schöne Kirche, die die älteste  in Lautertal ist (erbaut 1624 - 1669 jedoch erst einige Jahre später fertig gestellt).

 

Die Ortschaft liegt auch verkehrsgünstig, was dazu führte, dass sie politisch hin- und hergerissen wurde. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges wurde Beedenkirchen, als Teil des Amtes Seeheim 1714 von Erbach an Hessen-Darmstadt verkauft. 1812 wurde Beedenkirchen dem Landratsberzirk Reinheim, dann 1824 Bensheim zugeteilt. 1832 erlebte der Ort den Übergang in den Kreis Bensheim und 1848 den Wechsel zum Regierungsbezirk Heppenheim. 1852 gehörte Beedenkirchen wieder zum Kreis Bensheim, der ab 1939 zum Kreis Bergstraße mit Kreisstadt Heppenheim geändert wurde.

 

Erst 1969 wurde Staffel Ortsteil der Gemeinde  Beedenkirchen und 1971 mit Wurzelbach in die Gemeinde Reichenbach eingegliedert. Wegen der Gebietsreform wurde 1972 die Großgemeinde Lautertal, der auch Beedenkirchen und Wurzelbach beitraten, aus der Taufe gehoben. Danach folgte 1977 Schmal-Beerbach, das bis dahin zu Seeheim-Jugenheim gehörte.

 

Die Feuerwehr

Die Feuerwehr in Beedenkirchen hat ihren Anfang in der Hochfürstlich-Hessen-Darmstädterischen Feuerlöschordnung vom 18. Juli 1767.

 

Ab diesem Zeitpunkt waren die Schultheißen (später die Bürgermeister) für die Brandschutzorganisationen in ihren Orten zuständig. Es wurde geregelt, dass bei Neubauten Strohdächer verboten sind und es gab die Anweisung, dass die Städte und Gemeinden eine ausreichende Anzahl von Löschgeräten, Feuerspritzen, Feuerleitern, Feuerhaken und Feuereimern vorzuhalten hatten. Den ledernen Feuereimer hatte jeder männliche Einwohner über 21 Jahre – sogenannte „Ortsbürger“ – zu stiften bzw. einen bestimmten Betrag an die Gemeindekasse zu zahlen. Diese Feuereimer wurden am Anfang im eigenen Haus aufbewahrt, später zentral in einem Gemeinde- bzw. Spritzenhaus.

 

Das Jahr 1841 ist besonderes zu erwähnen, da in diesem Jahr in der sächsischen Stadt Meißen die erste freiwillige Feuerwehr in Deutschland gegründet wurde. Dies galt als Musterbeispiel für weitere Städte und dann auch die größeren und kleineren Landgemeinden.

 

Im Großherzogtum Hessen schrieb das "Gesetz, die Landesfeuerlöschordnung betreffend" vom 29. März 1890 vor, dass die Gemeinden verpflichtet seien, "auf ihre Kosten die nach den örtlichen Verhältnissen erforderlichen Einrichtungen für das Feuerlöschwesen zu treffen und zu unterhalten". Hierzu gehörte neben der Anschaffung und Instandhaltung von Feuerlösch- und Rettungsgeräten und dem Vorhalten von entsprechenden Wasservorräten auch die Einrichtung einer ausgerüsteten und eingeübten Feuerwehr. Die Gemeinden erfüllten diese Pflicht, wenn sie entweder eine freiwillige, eine Berufs- oder aber eine Pflichtfeuerwehr einrichteten.

 

In Beedenkirchen wurde um 1890 eine Feuerlöschpumpe in Dienst gestellt, die als erste Anschaffung gilt. Dann 20 Jahre später um 1910 war das Trinkwasserleitungsnetz fertig und die alten Feuereimer hatten ausgedient. Ab 1912 konnte Löschwasser mit dem beschafften Schlauchwagen überall im Ort und in der Umgebung gefördert werden. 1937 erhielt die Feuerwehr ein Gerätehaus (Spritzenhaus), das sich an der Ecke Hechlergasse und Pflasterweg befand.

Schlauchwagen aus dem Jahre 1912

 

Am 23. November 1938 wurde vom NS-Staat das "Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen" verordnet. Die Feuerwehr wurde in eine Feuer-Löschpolizei umbenannt, umorganisiert und in grün gekleidet. Alle Vereine und Verbände der freiwilligen Feuerwehren wurden in eine Hilfspolizeitruppe aufgelöst, deren Vermögen eingezogen wurde und deren Dienstaufsicht (aber nicht die Unterhaltskosten) von den Gemeinden auf das Reich überging. Die freiwilligen Feuerwehren trugen noch traditionsgemäß blau aber anstelle des Stadtwappens wurde das Führen des Polizeihoheitsabzeichens Pflicht. Neue Fahrzeuge wurden bereits ab 1937 tannengrün ausgeliefert.

 

Direkt nach dem 2. Weltkrieg wurden von der Besatzungsmacht (hier den Amerikanern) Vereine und Polizei zunächst untersagt; das Tragen von Uniformen war allgemein von der Bevölkerung nicht erwünscht. Feuerwehren waren trotzdem nach wie vor notwendig aber es mangelte nach dem Krieg an geeignetem Personal. Deshalb wurden hauptsächlich Pflichtfeuerwehren einberufen. Erst 1950 wurde der 31. Landesfeuerwehrtag des Landes Hessen, der erste nach dem Zweiten Weltkrieg, durchgeführt und am 19. Mai 1951 trat das Hessische Brandschutzgesetz in Kraft, das das Reichsgesetz vom 1938 aufhob. Am 25. Februar 1952 trat die erste Hessische Gemeindeordnung (HGO) in Kraft, die u.a. die Zuständigkeiten der Gemeinden neu regelte. Somit wurde den Gemeinden nach und nach der Weg für die Aufstellung und Unterhaltung einer freiwilligen Feuerwehr freigemacht. Es folgte in der Zeit eine Welle Neugründungen von Feuerwehrvereinen.

 


Philipp Peter

Juni 1952 bei einer Versammlung im Gasthaus "Zur Linde" wurde von den 50 Anwesenden die Freiwillige Feuerwehr Beedenkirchen gegründet. Philipp Peter (Bild links), der auch die Pflichtfeuerwehr geführt hatte wurde Kommandant und Ortsbrandmeister.

 

Die erste Satzung des neugegründeten Vereins wurde am 6. Juni 1952 verfasst (siehe Bild rechts -darauf klicken, zum größer darstellen). Die Stunde Null der heutigen Freiwilligen Feuerwehr Beedenkirchen hatte geschlagen.

1. Satzung der neue gegründeten freiwilligen Feuerwehr

 

In diesem Buch (links) aus dem Feuerwehrarchiv ist die Gründungsversammlung vom 6. Juni 1952 protokolliert (Bild bitte anklicken). Es wurde bis zum 27. Mai 1968 zur Bannerweihevorbereitung weitergeführt. Darin ist die Geschichte des freiwilligen Feuerwehrvereins über die ersten 16 Jahre genauestens dokumentiert.