Infos - Atemschutz

(Bericht und Fotos: Johnny Glover)

Bei besonderen Feuerwehreinsätzen, bei denen Vergiftungsgefahr über die Atemwege besteht, wird der  Atemschutz praktiziert. Der Atemschutzeinsatz ist eine der schwierigsten Aufgaben im Feuerwehreinsatz. Die Einsatzpersonen können bei ihrem Einsatz vielen Gefahren ausgesetzt sein:

Die Einsatzkräfte werden auf ihre gefährliche und kräfteraubende Arbeit zum Atemschutzgeräteträger (AG) vorbereitet und speziell ausgestattet.

Atemschutzgerät

Foto: Glover

Das Atemschutzgerät besteht aus einer Gummimaske mit Klarsichtvisier, die mittels eines Ventils und eines Gummischlauches mit einer Luftflasche, die unter Druck steht (typischerweise 300 Bar), verbunden wird.
Auer LA 96
Wenn diese Verbindung noch nicht besteht kann der Maskenträger normal die Umgebungsluft ein- und ausatmen. Die Druckluftflasche ist mit einem floureszierenden Druckmessgerät (Manometer) ausgestattet und wird auf einen steifen Träger montiert, der wie ein Rucksack auf dem Rücken des AG getragen wird (siehe Bild links).

Auer 3S

Wenn das Ventil an die Maske angeschlossen und die Druckluftflasche aufgedreht ist, atmet der AG automatisch die saubere Luft aus der Druckluftflasche ohne Überdruck ein und in die freie Luft wieder aus. Deshalb muss die Gummimaske auf dem Gesicht fest und dicht anliegen.

 

Über den Kopf trägt der AG eine Haube aus speziellem Gewebe, die das Haar und die Haut im Kopf-/Gesichts-/Halsbereich zusätzlich schützt.  Darüber wird der Feurwehrhelm mit dem Kennzeichen des roten Punktes auf der linken und rechten Seite gesetzt. Die Feuerschutzjacke wird bis oben verschlossen, damit eine starke Hitzeentwicklung oder ätzende Luft möglichst lange ferngehalten werden kann. Zusammen mit hitzebeständigen Handschuhen und Trägerhose ist der AG (zusammen mit Gurtel, Leine sowie Lampe) für den speziellen Einsatz optimal ausgestattet.

 

Vor allem die Druckluftflasche, die noch gewöhnlicherweise aus Stahl hergestellt wird und die unter Druck stehende Luft liegen sehr schwer auf dem Rücken der Einsatzperson. Der Einsatz unter solchen Bedingungen ist kraftraubend und begrenzt, weil die saubere Luft aus der Flasche innerhalb von 30 bis 60 Minuten schon verbraucht sein kann. Wenn der Druck 50 Bar erreicht ertönt ein Pfeifton aus dem Ventil, damit der Atemschutzgeräteträger gewarnt wird, dass es höchste Zeit ist die ungiftige, frische Luft zu suchen. Außerdem wird am Feuerwehrauto beim Anziehen des Atemgeräts notiert, wer ab wann und mit welchem Druck die Druckflasche benutzt hat. Diese Informationen behält der Trupp-/Staffelführer stets im Auge.

 


Atemschutzstrecke

Damit diese Einsatzpersonen nicht gefährdet werden, werden die Tauglichkeit und der Gesundheitszustand stetig überprüft. Jährlich wird jede dieser Personen zur Atemschutzstrecke gerufen und in die Mangel genommen.

Foto: Glover

Feuerwehrstützpunkt in Bürstadt
Im Keller befindet sich die Atemschutzstrecke für den Kreis Bergstrasse


Foto: Glover
Dort wird in voller Montur 30 Meter Leitersteigen (siehe Bild links) und 50x Hammerziehen absolviert, sowie hinterher 200 m Laufband bei einer Steigung von 5% gelaufen. Dazwischen geht der AG mit mindestens einem Kollegen in einen speziell vorbereiteten, aufgeheizten dunklen Raum, der als Labyrinth auf zwei Ebenenen aus Gittern und Verengungen sowie anderen Hindernissen aufgebaut ist. Auf allen Vierern müssen die AG sich hindurch ziehen oder schieben, bleiben manchmal mit der Flasche hängen oder kommen in einem Moment nicht weiter. Der Raum ist stickig und von lauten Geräuschen erfüllt. Es soll eine möglichst realitätsnahe Situation entstehen.

Aber auch hier wird auf Sicherheit geachtet und im Leitstand (siehe Bild rechts) wird über Nachtsichtkameras und Monitore jede Bewegung der AGs beobachtet. Sollte jemand wirklich klemmen oder in Panik geraten, werden Sofortmaßnahmen ergriffen, Licht eingeschaltet  und die betroffene Person "gerettet".

Foto: Glover

Beim erfolgreichen Beenden dieser Übung darf der AG seine roten Punkte auf dem Helm behalten.

Allerdings gibt es eine Voraussetzung für die Teilnahme an der "Strecke" in Form einer vom Arzt durchgeführte Gesundheitsprüfung (G26), die u.a eine Belastungs-EKG und einer Atem- und Hörtest beinhaltet und jedes Jahr erneuert werden muss. Außerdem muss der AG jedes dritte Jahr (ab Alter von 50J jedes Jahr) eine Röntgenaufnahme der Lungen, die vom Arzt begutachtet wird, machen lassen.

Ein Atemschutzgeräteträger muss viel leisten und sich immer in einer guten gesundheitlichen Verfassung befinden. Ab dem Alter von 60 Jahren darf die Einsatzperson nicht mehr mit Atemschützgerät arbeiten und ist dann von diesem besonderen Dienst  befreit.