Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Entdecker brauchen Karten
Geschichtsverein: Vortrag beschäftigt sich mit "Heppenheim und Umgebung in historischen Karten"

HEPPENHEIM. Wann taucht Heppenheim in den Kartenwerken auf? Dieser spannenden Frage gingen die beiden Vorstandsmitglieder des Heppenheimer Geschichtsvereins, Karl Härter und Manfred Bräuer in ihrem Vortrag "Heppenheim und Umgebung in historischen Karten" am Donnerstag nach. Dieses Thema hatte viele Besucher in das Nebenzimmer des Heppenheimer Hotels "Schlossberg" gelockt.

Den beiden Referenten gelang es, anhand von Beispielen, die an die Leinwand projiziert wurden, Geschichte und Kartografie gekonnt miteinander zu verbinden. Grundlage für die Produktion von Karten, so die Referenten, war die Notwendigkeit der Orientierung im Raum und die Möglichkeiten, die die Erfindung des Buchdrucks für die Vervielfältigung der Kartenwerke bot. Mit dem Beginn des Zeitalters der Entdeckungen wuchs der Bedarf an Karten sprunghaft an.

Am Anfang des Vortrages stand eine Karte von Erhard Etzlaub aus dem Jahre 1500, die für Rom-Pilger geschaffen wurde. Heppenheim war dort freilich noch nicht verzeichnet. Das geschah erstmals auf einer Karte von Sebastian Münster im Jahre 1536. Diese "Tafel inhaltend den Becirck umb Heidelberg", ist recht genau und detailreich, kein Wunder, war Sebastian Münster doch Professor in Heidelberg.

Ein Unikat stellte eine handgezeichnete Straßenkarte dar, die ein Darmstädter Kaufmann anfertigte, um sich in seiner Umgebung orientieren zu können. Als wichtiger Ort an einer wichtigen Handelsstraße war Heppenheim dort eingezeichnet.

Aus dem Jahre 1595 datierte eine Karte, die bereits eine dreidimensionale Projektion der Gemarkungen Elmshausen, Auerbach und Schönberg zeigt. Hier lässt sich auch ein Wandel in der Bedeutung von Karten darstellen. Neben Wegen und Bodenformen erscheinen die Grenzen der Herrschaftsgebiete auf ihnen. Dies wurde besonders auf den Karten aus dem Hause Mercator, einer Pfalzkarte (Palatinatus Rheni) aus dem Jahr 1600, deutlich. Gerhard Mercator schuf die Grundlagen der modernen Kartografie. Noch heute wird seine Darstellungsweise verwendet. Nun sind die Karten auch, wie allgemein üblich, genordet, das heißt auf der Karte ist Norden oben.

Nicht verwunderlich ist, dass Heppenheim auf einer Karte des Erzbistums Mainz aus der Zeit um 1610 fehlt, gehörte es doch noch zur Kurpfalz. Neu auf dieser Karte ist aber die Darstellung der Bergstraße als Allee. Dies entsprach sicher den Tatsachen. Allerdings waren wohl noch keine Linden, sondern Obst- und Nussbäume entlang der Handelsstraße zu finden.

Der Dreißigjährige Krieg hatte gezeigt, wie wichtig genaue Karten für das Militär ist. Entsprechend stieg während und nach diesem Krieg die Produktion von Karten erheblich an. Sie wurden genauer und detailreicher. Allerdings stimmte die Lage der Orte nicht immer mit der Wirklichkeit überein, wie eine Karte der Grafschaft Erbach des niederländischen Kartenmachers Blaeu aus dem Jahre 1628 zeigte. Erstmals sind aber hier auch kleine Dörfer zu finden.

Auf Verwunderung stieß bei den Zuhörern die Tatsache, dass die Karten aus früherer Zeit aus Holland stammen. Das war kein Wunder, denn Amsterdam war das Zentrum der Kartenproduktion in dieser Epoche. Beeindrucken waren die Ausschnitte aus den Karten des Nikolaus Visscher von 1652, die erstmals die beiden Weschnitzarme und den Landgraben zeigen, aber auch den Hinrichtungsplatz, Waldgebiete, den heute verschwundenen Lorscher See und kleine Orte.

Die von Hand gezeichnete Karte aus dem Jurisdiktionalbuch von 1668, geostet, zeigt genau die Grenzziehung in unserer Gegend, denn diese wurde immer wichtiger für die Herrschaft. Das ist auch auf der Karte von Nikolaus Person "Rheno superiorie" deutlich zusehen, die detailreich diese Gegend abbildet und kleine Dörfer nicht auslässt. Einige Beispiele aus Militärkarten des 18. Jahrhunderts rundeten das Bild, das die alten Karten von Heppenheim und Umgebung zeigen, ab. Besondere Aufmerksamkeit fand die Karte des Darmstädter Artillerieleutnants Haas aus dem Jahre 1801, die eine genaue kartografische Erfassung der Region darstellt. Sie ist der Durchbruch zur modernen Kartografie.

Heppenheim als Knotenpunkt der Postlinien konnten die Besucher auf zwei Kartenausschnitten des 19. Jahrhunderts sehen. Etwa 1855 erschien eine Karte des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, die sehr genau die politische Gliederung und die Kreisgrenzen im Großherzogtum darstellt. Heppenheim aus touristischer Sicht zeigte eine Karte aus dem Jahr 1880. Darauf sind Wanderwege, das Krankenhaus und andere öffentliche Gebäude abgebildet.

Abschluss des interessanten Vortrages bildete ein Lageplan der Stadt Heppenheim aus dem Jahre 1898, der auf genauen Vermessungen beruht und zwischen Wohn- und Nebengebäuden wie Scheunen unterscheidet. Hier ließen sich interessante Vergleiche ziehen. Lang anhaltender Applaus und eine rege Diskussion über einzelne Fragen zeigten, dass der Vortrag bei den Zuhörern gut angekommen war, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Starkenburger Echo, e - 19.10.2005

Geschichtsverein mit Unterkunft unzufrieden

HEPPENHEIM. "Es waren arbeitsreiche, aber erfolgreiche Jahre, auf die ich zurück blicken kann." Dieter Schnabel, Vorsitzender des Heppenheimer Geschichtsvereins, fasste so die Arbeit des Vereins zusammen. Immerhin hatten sich in der Zeit, die seit der Wahl des Vorstandes vergangen war, einiges getan. So ist der Verein in das Stadthaus an der Gräffstraße umgezogen.

"Die Situation dort ist völlig unbefriedigend", führte Schnabel aus, "in den beiden winzigen Räumchen im Keller gerade mal Platz für die Archivalien des Vereins ist. An eine sinnvolle Arbeit dort kann nicht gedacht werden." Sitzungen des Vorstandes würden regelmäßig auf dem Flur abgehalten. Durchaus positiv hat sich der Heppenheimer Geschichtsverein in den vergangenen beiden Jahren dargestellt. Eine Exkursion führte zu den Mühlen im Kirschhäuser und Erbacher Tal. Geradezu überwältigend war der Zuspruch zu der Wanderung zu den Gerichtsstätten in Heppenheim, die dann bei Blitz, Donner und Regen an der alten Hinrichtungsstätte bei Bensheim endete. Daneben gab es Diavorträge und Stadtführungen.

Besonders hob Schnabel das Engagement des Vereins bei der Erstellung des Festbuches anlässlich der 1250-Jahr-Feier der Stadt Heppenheim hervor. Nach anfängliche Schwierigkeiten habe dann die Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Heimatverein gut geklappt, sodass ein sehr ansprechendes Festbuch entstanden ist. Schnabel dankte ausdrücklich dem Vorstandsmitglied Karl Härter für seine Tätigkeit bei diesem Projekt. Darüber hinaus hat Härter die Festvorträge beim Stadtjubiläum gehalten.

Dank sagte Dieter Schnabel Helmut Becker, Manfred Bräuer, Margit Schedel und Hans Joachim Büge für deren Arbeit an den Heppenheimer Sippenbüchern. Mittlerweile ist der dritte Band dieses Heppenheimer Familienbuches recht weit voran geschritten. In den Dank schloss Schnabel auch die Arbeit von Vorstandsmitglied Hans Rittersberger ein, der die heimatkundliche Beilage des Starkenburger Echo, "Die Starkenburg", im Auftrag des Heppenheimer Geschichtsvereins zusammenstellt und redigiert. Diese Beilage erscheint immerhin seit 1924. "Es gilt nun," so Dieter Schnabel weiter, "die begonnenen Aktivitäten weiterzuführen und der Arbeit des Vereins weiter Auftrieb zu geben."

Da der Rechner Georg Niedermayer kurzfristig erkrankt war, lag kein Kassenbericht vor, sodass auch keine Prüfung der Kasse erfolgen konnte. Dies soll so schnell wie möglich erfolgen. Somit konnte es auch keine Neuwahlen geben. Diese werden im nächsten Jahr nachgeholt.

Für das kommende Jahr ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Altstadtfreunden in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe geplant. Auch soll mit den Geschichtsvereinen in der Umgebung die Zusammenarbeit intensiviert werden. Es ist daran gedacht, gemeinsame Exkursionen zu unternehmen. Auch die Zusammenarbeit mit Museum und Archiv der Stadt soll wieder aktiviert werden. Ziel ist es, Arbeitsgruppen zu bilden. Dazu müssen aber zuerst die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Starkenburger Echo, e - 19.10.2005

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Zuletzt aktualisiert am 10.04.2007