Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Freiheitsstatue für „Halben Mond“
Geschichtsverein: Erster Stammtisch „Heppenheimer Geschichte(n)“ macht Vorschlag – Denkmal und Infotafel

HEPPENHEIM. Der „Halbe Mond“ sollte im öffentlichen Bewusstsein noch stärker als ein historisches Denkmal ersten Ranges hervorgehoben werden. Darüber waren sich alle Teilnehmer des ersten Stammtisches des Heppenheimer Geschichtsvereins einig.

Dies gilt keineswegs nur für die vierhundertjährige Geschichte des Gasthauses und die bedeutenden historischen Ereignisse wie die Heppenheimer Versammlung von 1847, die sich darin abgespielt haben.

Auch die jüngste Geschichte der zur Zeit verwaisten Gaststätte belegt, dass der „Halbe Mond“ seit den fünfziger Jahren im Leben eines Heppenheimer Bürger irgendwann und irgendwie eine Rolle spielte: Ob man dort seinen ersten Tanzabend besuchte, vielleicht den ersten Kuss wagte, von der reichhaltigen Theke „naschte“, auf der so manches übrig blieb.

Die in den Jahren 1956/57 angebaute Kongresshalle wurde rasch ein kulturelles und auch sportliches Zentrum. Die Bottschloren feierten dort ihre Fastnacht, der Hessische Rundfunk war zu Gast; regelmäßig gab es Tanzveranstaltungen und als Handballfeld wurde die Halle auch genutzt. Zudem gab es noch zwei Kegelbahnen. Am südlichen Ende (wo heute der Festsaal steht) entstand Heppenheims drittes und damals modernstes Kino, das Park-Theater. Auch die „Blaue Grotte“, Heppenheims erste Disco, entstand.

Von zahlreichen solcher kleinen und großen Geschichten wussten die Teilnehmer des Stammtisches zu berichten: Da waren die Hohlblocksteine, mit denen eine Zeitlang der Eintritt bezahlt werden konnte, der Münzautomat, in den während einer Veranstaltung Geld geworfen werden musste, damit der Film weiterlief oder die Musikkapelle wieder Strom bekam.

Die Kreisstadt hatte es mit „ihrer gude Stubb“ und den wechselnden Pächtern, gerade in jüngster Zeit, sicher nicht immer leicht, wie der ehemalige Bürgermeister Ulrich Obermayr aus eigener Erfahrung zu berichten wusste. Dennoch war und blieb der „Halbe Mond“ ein gesellschaftliches und kulturelles Zentrum Heppenheims.

Zu diesem hatten es bereits die Wirte seit Louis Franck, der das Gasthaus 1827 zum stolzen Preis von 9700 Gulden erworben hatte, ausgebaut. Auf zahlreichen der mitgebrachten Bilder aus dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert konnte man die ehemals eindrucksvolle Anlage der Gaststätte mit ihren großen, bis zur heutigen Karlstraße reichenden Gärten bewundern: auch heute noch der ideale Biergarten, wie ein Gast spontan ausrief. Der „Halbe Mond“ war jedenfalls über Jahrhunderte ein überregional bekanntes „Aushängeschild“ Heppenheims, das zahlreiche Gäste von nah und fern anlockte.

Auch hessische Landespolitiker wussten um die zentrale Lage. Häufig war politische Prominenz zu Gast im Hotel. Sie schätzte seine gute Verkehrsanbindung. Nicht zuletzt war dies ja auch ein Grund dafür, dass sich im Oktober 1847 mehrere Liberale, Demokraten und bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Karl Theodor Welcker oder Heinrich von Gagern im „Halben Mond“ versammelten und das Heppenheimer Programm verabschiedeten. Es enthielt zentrale demokratische Forderungen und Prinzipien, die in der Revolution von 1848 vom ersten frei gewählten Parlament in die erste demokratische Verfassung Deutschlands aufgenommen wurden. Warum also nicht – so der spontan in der Runde geborene Vorschlag von Lucia Frank – ein Denkmal Heinrich von Gagerns mit dem Heppenheimer Programm in der Hand vor dem „Halben Mond“ aufstellen: eine Freiheitsstatue für den „Halben Mond“.

Auch eine historische Infotafel wurde vorgeschlagen oder ein Benefizkonzert, um die historische, kulturelle und soziale Bedeutung des „Halben Mondes“ wieder stärker in das allgemeine Geschichtsbewusstsein zu heben – gerade weil nun Sanierung und Renovierung anstehen.

Die am Stammtisch des Geschichtsvereins ausgetauschten Heppenheimer Geschichte(n) – darin war man sich ebenfalls einig – brachten nicht nur Interessanten, Lustiges und Kurioses ans Tageslicht, sondern entfalteten in der geselligen historischen Runde eine produktive Wirkung.

Weitere Stammtische sollen folgen – ist doch Heppenheim reich an Geschichte und Geschichten.

Starkenburger Echo, e - 12.5.2006

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Zuletzt aktualisiert am 17.05.2006