Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Den Rittern mangelte es am Wasser
Geschichte: Stammtisch klärt Fragen rund um die Starkenburg - Ein Garten wird nach historischem Vorbild neu angelegt

HEPPENHEIM. Wem gehört eigentlich die Starkenburg? Dies war nur eine der vielen Fragen, die bei dem zweiten Stammtisch „Heppenheimer Geschichte(n)“ des Heppenheimer Geschichtsvereins gestellt wurde.

Das Hessische Immobilienmanagement ist Besitzer des Heppenheimer Wahrzeichens. „Die Starkenburg, unsere starke Burg“ war das Leitthema dieses Stammtisches, zu dem sich eine stattliche Anzahl von Bürgern auf der Starkenburg getroffen haben. Der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, Karl Härter, konnte unter ihnen kompetente Gesprächspartner begrüßen: Beate Weis vom Umweltamt des Kreises, Herbert Steinebrunner vom Amt für Bodenmanagement und Peter Hartnagel vom Hessischen Baumanagement, besser als Staatsbauamt bekannt.

Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick durch Karl Härter stellte Beate Weis, die sich im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens am Schlossberg um die Gestaltung der Gartenanlagen der Burg kümmert, ihr Konzept vor.

Seit 1520 gibt es am Fuße der Burg Gartenanlagen, die auch auf den alten Plänen verzeichnet sind. Es sind dies der Kommandantengarten und der Konstablergarten. Beide befinden sich auf der West- beziehungsweise Nordseite der Burg. Sie wurden im 19. Jahrhundert aufgeforstet, da niemand sie mehr nutzen wollte. Das kleine Stück an der Nordseite eignet sich recht gut, um zu zeigen, wie diese Gärten einst angelegt waren.

Es waren keine Ziergärten, sondern sie dienten dazu, den Speisezettel der Burgbesatzung aufzubessern. Es soll also ein Nutzgarten entstehen, aber es bedarf neben der gärtnerischen Gestaltung auch historischer Vorarbeiten: Wie war der Garten vor Dieben und besonders vor dem Wild geschützt? Aus welchem Material bestand die historisch verbürgte Umzäunung?

Ein weiteres Problem ist die Wasserversorgung. Heute steht auf der Starkenburg genug Wasser zur Verfügung. In früheren Zeiten war das anders. Der Burgbrunnen, obwohl vermutlich einst 190 Meter tief, lieferte wohl kein Wasser und diente nur als „Sammelbecken“. Regenwasser wurde daher in Zisternen gesammelt und wenn das nicht mehr reichte mussten Hambacher Bauern mit zwei Eseln täglich zwei Fass Wasser auf die Burg bringen.

Die Neuanlage soll also im historischen Kontext stehen und eine pädagogische Aufgabe erfüllen. Schulkassen, die die Jugendherberge nutzen, aber auch Klassen aus Heppenheim und Umgebung könnten so erfahren, wie einst die Nutzgärten unserer Vorfahren aussahen. Auch an die Pflege ist gedacht. Sie soll vom Zentrum für Soziale Psychiatrie übernommen werden.

Peter Hartnagel vom Hessischen Baumanagement stellte die Arbeit seiner Behörde auf der Starkenburg vor. Es gibt für die Burg ein Gesamtkonzept, das Schritt für Schritt verwirklicht werden soll. Dabei arbeitet auch die Staatliche Verwaltung der Burgen uns Schlösser mit. Es gilt aber zunächst die Burg in ihrer Substanz zu erhalten. Wünschenswert ist die Öffnung und Beleuchtung des Brunnen und die Kenntlichmachung des Standorts des alten Bergfrieds in der Mitte des Burghofes. Allerdings fehlen hierzu oft die notwendigen Mittel.

Besuchern der Burg sind sicher die Ausgrabungen an der Südwestecke der Starkenburg aufgefallen. Bei Bauarbeiten stieß man zufällig auf ein altes Burgtor. Es soll in seinem Bestand erhalten werden und sichtbar bleiben. Eine weitere Attraktion für die Burg.

Wenn die Arbeiten dort abgeschlossen sind, soll auch der Rundweg um die Burg endlich fertig gestellt werden. Dann ist es endlich möglich, die imposante Burganlage von allen Seiten zu bewundern.

Die Teilnehmer des Stammtisches ließen es sich nicht nehmen der Theorie die Praxis folgen zu lassen. Ein Rundgang zu der Ausgrabungsstätte und dem gegenüber liegenden Spanischen Friedhof schloss sich an. Hilfreich waren dabei die Pläne und Zeichnungen, die Peter Hartnagel mitgebracht hatte. Die Ausgrabungen können jedoch wegen fehlender Mittel nicht weitergeführt werden.

Auch die ehemaligen Gärten wurden besucht. Ihre Anlage ist noch gut im Gelände zu erkennen. Sie liegen am Fuß imposanter Erdschanzen, die der Sicherung der Burg dienten. An der Nordseite konnten die Teilnehmer den Platz sehen, an dem die Rekonstruktion der Gartenanlage vorgenommen werden soll. An ihn schließt sich der Burggraben an, der weitgehend erhalten ist.

Zurück an der Burgschänke gab es weitere Diskussionen. Bemängelt wurde, dass an der Autobahn noch immer kein Schild aufgestellt wurde, das auf die Burg hinweist. Die Finanzierung sei laut Altbürgermeister Ulrich Obermayr bereits zum Hessentag gesichert gewesen.

Starkenburger Echo, e - 19.7.2006

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Zuletzt aktualisiert am 13.08.2006