Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Patriotismus ohne Scheuklappen
Tag der Deutschen Einheit: Professor Härter erinnert an Traditionen, die Konsens fördern und Konflikte verhindern

GRASELLENBACH. "Es gibt keine konfliktfreie Dauereinheit. Wir müssen sie uns täglich neu erarbeiten", mit dieser Erkenntnis beendete Professor Karl Härter seinen Festvortrag zum Tag der Deutschen Einheit, zu der die führenden Repräsentanten des Kreises Bergstraße in die Nibelungenhalle nach Grasellenbach eingeladen hatten.

Härter ist Rechtshistoriker am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt und Vorsitzender des Heppenheimer Geschichtsvereins. Nach seiner Auffassung ist die deutsche Einheit mit dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vor genau 200 Jahren verloren gegangen und erst vor 16 Jahren wieder zurückgewonnen worden. Im Zeitraffer erläuterte der Wissenschaftler, warum er sowohl das 1871 auf Krieg und Gewalt gegründete deutsche Kaiserreich, als auch und vor allem das sogenannte Dritte Reich als absolut untaugliche Versuche ansieht, Deutschland zu einigen. Ein weltoffener Patriotismus, wie er seit der Wiedervereinigung zu spüren sei und wie er sich während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer gezeigt habe, hält Härter für die beste Voraussetzung, die Einheit zu bewahren.

Dass Deutschland nach innen föderalistisch verfasst ist und sich nach außen einbinden lässt in internationale Institutionen und vor allem in die Europäische Union, hält der Jurist für die sicherste Art, Einigkeit und Recht und Freiheit zu sichern. "Eingebettet in Europa" hätten sich die Deutschen schon vor 1806 wohl gefühlt. Dass gestern in der Nibelungenhalle die kurdische Tanzgruppe Govenda Jiyan das Festprogramm mitgestaltete und dass der Gesangverein Waldeslust Scharbach den Abba-Hit "Mich trägt mein Traum" wie ein Volkslied sang, machte die Einheitsfeier zu einer kulturellen Übersetzung dessen, was Professor Härter mit den Worten des Wissenschaftlers gesagt hatte. Auch Landrat Matthias Wilkes und Kreistagsvorsitzender Werner Breitwieser (beide CDU) demonstrierten in ihren Redebeiträgen, dass es im Kreis Bergstraße selbstverständlich ist, auf andere Kulturen zuzugehen. Beethovens "Lied an die Freude" und das gemeinsam gesungene Deutschlandlied rundeten die Feier ab.

Starkenburger Echo, BERND STERZELMAIER - 4.10.2006

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Zuletzt aktualisiert am 05.10.2006