Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Kloster hatte einst einen eigenen Hafen
Vortrag: Heimatforscher präsentierten noch kaum bekannte historische Karten von Lorsch

LORSCH. Beim Heimat- und Kulturverein haben Manfred Bräuer und Dr. Karl Härter vom Geschichtsverein Heppenheim unter dem Titel „Lorsch und Umgebung in historischen Karten“ noch nahezu unbekannte Erkenntnisse vorgestellt, die sie aus dem Studium alter Landkarten gewonnen haben. Historische Landkarten sehen anders aus als die heute bekannten; sie spiegeln die Sichtweise der Menschen ihrer Zeit wider. Beispielsweise waren sie kunstvoll gestaltet – ohne jedoch die Tatsachen zu verfälschen, wie die beiden Referenten betonten. Landkarten dienten der Orientierung im Gelände, hatten aber vorwiegend militärischen Nutzen. Außerdem sollten sie Besitzrechte in bestimmten Gebieten dokumentieren.

Die älteste bekannte Karte aus der Umgebung stammt von 1528 und zeigt die Umgebung von Heidelberg. Markant an ihr ist, dass sie nach Süden ausgerichtet ist – im Gegensatz zu heutigen Karten, die alle eingenordet sind.

Die meisten alten Karten sind handgezeichnet. Später verwendete man die Technik des Holzschnitts oder des Kupferstichs. Diese Techniken hatten allerdings den Nachteil, dass man nur etwa achtzig Drucke herstellen konnte, danach war die Vorlage unbrauchbar und eine neue musste gefertigt werden. Dies hatte zur Folge, dass Karten, die aus derselben Quelle stammten, oft unterschiedliche Details darstellen, weil die neue Vorlage von jemand anderem hergestellt wurde.

Der erste bekannte Kartograf war der Universalgelehrte Sebastian Münster, vielen Menschen bekannt durch seine Darstellung auf dem ehemaligen 100-Mark-Schein.

Die beiden Referenten zeigten Karten aus der Lorscher Umgebung, auf denen zu sehen war, dass Lorsch in der Hochblüte des Klosters über einen eigenen Hafen verfügte, der in dem Ort Stein bei Worms lag und bereits im Jahre 806 von den Mönchen genutzt wurde. 846 ging der Hafen als Schenkung ganz an das Kloster.

Auf allen alten Karten fließt die Weschnitz südlich von Lorsch. Sie hatte mehrere Flussarme. Einer davon wurde abgeleitet und bildete den Lorscher See, der bereits 774 im Lorscher Codex erwähnt ist. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde eine Landwehr errichtet, die ebenfalls aus dem Wasser der Weschnitz gespeist wurde. Eine Karte von 1621 zeigt, dass der Lorscher See in dieser Zeit von mehreren Weschnitzarmen sein Wasser erhielt und für Hochwasser-Zeiten auch zwei Abflüsse hatte, von denen einer durch den Lorscher Wald floss. Zwischen 1705 und 1718 wurde der See trockengelegt, um ein Dorf zu errichten, und man nutzte das Areal von nun an für die Landwirtschaft.

Aus den vielen Signaturen und Bezeichnungen der alten Karten kann man auch die Entstehung von Flurnamen nachvollziehen. So hat das Lagerfeld seinen Namen der Tatsache zu verdanken, dass an dieser Stelle – es wurde dafür eigens der Wald gerodet – im Spanischen Erbfolgekrieg die kaiserlichen Truppen ein ihr Lager bezogen hatten.

echo-online, güf - 05.01.2007

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Zuletzt aktualisiert am 12.01.2007