Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Viele Erinnerungen wachgerufen
Vortrag: Andrang bei "Historischer Bilderreise" durch Erbach
Manfred Bräuer berichtet von Entwicklung des Stadtteils

ERBACH. Auf Einladung des Erbacher Pfarrausschusses zeigte Manfred Bräuer, Mitglied des Heppenheimer Geschichtsvereins, am Freitagabend eine "Eine historische Bilderreise vom Erbacher Tal zur Erbacher Schule". Im Namen des Pfarrausschusses konnte Marga Bräuer über 80 Besucher, nicht nur Erbacher, im vollbesetzten, vor fünf Jahren eingeweihten, Haus Emmaus begrüßen. Mit Hilfe von Ausschnitten aus historischen Karten verdeutlichte Manfred Bräuer die bauliche Entwicklung Erbachs. 1803 wohnten in zwölf Anwesen etwa 150 Personen. Zwischen 1900 (37 Wohnhäuser mit 270 Einwohnern) und 1950, wurden nur zwei Häuser errichtet, die Bevölkerungszahl wuchs auf 307.

Die Bilderreise begann im Erbacher Tal mit einer um 1900 entstandenen Ansichtskarte. Bereits hier zeigte sich deutlich die Veränderung der Landschaft im Laufe der letzten einhundert Jahre. Die Ansichtskarte zeigte noch den unverbauten Erbachlauf, die über das Gewässer führende Brücke zum Mausnestweg und die ehemalige "Untere Wamboltsmühle", besser bekannt unter der Bezeichnung "Kohlsmühl". Namensgeber war Philipp Kohl, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie das ehemalige Mühlengebäude bewohnte. Die nachfolgenden Bilder zeigten das Gebäude kurz vor dem 1964 im Rahmen des Straßenbaus erfolgten Abbruchs. Bei älteren Zuhörern wurden hier Erinnerungen an die ehemalige, in einer scharfen Kurve entlang der Friedhofsmauer führenden, Straße wach. Manch ein unachtsamer Schlittenfahrer machte mit der Einfriedigung des 1912 erweiterten Friedhofs unliebsame Bekanntschaft.

Auch ein schwer beladener Lastkraftwagen habe zu Beginn der 1960er Jahre die Friedhofsmauer durchbrochen, ergänzte ein aufmerksamer Zuhörer. Die zweite Mühle der Freiherren Wambolt von Umstadt, ab 1867 im Besitz der Familie Mang, prägte bis 1974 das untere Erbacher Tal. Wenig oberhalb befand sich das Gasthaus "Im kühlen Grunde" von Emil Guthier. Bilder der dem Straßenbau gewichenen "Vockemühl" und dem gegenüber beginnenden "Katzenpfad" riefen Erinnerungen an die früher üblichen Fußmärsche der Erbacher zum Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Peter wach. Die talaufwärts folgende Lohsche Mühle, das heutige Gasthaus "Mühlrad", war ein Motiv für zahlreiche Ansichtskarten.

Auf der Bilderreise nach Erbach wurden auch die am Wegesrand stehenden Flurdenkmäler, das 1758 vom Heppenheimer Ratsherr Johann Peter Werner errichtete Wegekreuz vor der Wolfsschlucht und der 1780 gestiftete Bildstock, im Volksmund "Fichtenkapellchen" genannt, nicht vergessen. Kurz vor Erbach befindet sich das von der Familie Schork im späten 19. Jahrhundert errichtete, heute ebenfalls denkmalgeschützte, Kapellchen.

Viele Erinnerungen riefen die Bilder der vor 1950 bestehenden Erbacher Häuser und deren Bewohner wach. Beginnend am unteren Dorfende mit den Anwesen Bauer und Helfert sowie dem Hof Helmling, in dem Franz Röhrig im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts eine "Wirtschaft" betrieb, wurde Haus für Haus bis hinauf zur Erbacher Schule vorgestellt. Erstaunen verursachte die Tatsache, dass es in Erbach, wenn auch nicht zeitgleich, mehrere Wirtshäuser gab. Die auf den Rothermelshof folgende "Wirtschaft von Nicolaus Jäger" (später "Saalbau", heute "Gasthof Jäger") wurde ebenfalls auf vielen Ansichtskarten und Bildern dargestellt. Einige eindrucksvolle Details konnten gezeigt werden. So wies beispielsweise ein Schild auf den im Haus Jäger befindlichen öffentlichen Fernsprecher hin. Auch im oberhalb liegenden Hof wurde durch Johann und Nikolaus Antes von etwa 1860 bis 1921 eine Gastwirtschaft mit Tanzsaal unter dem Namen "Zum Erbacher Tal" betrieben.

Zum Abschluss der Präsentation im Haus Emmaus zeigte Manfred Bräuer Bilder des 1905 eingeweihten Schulgebäudes und seines 1786 errichteten Vorgängerbauses. Mit der Ankündigung, im nächsten Winter die Bilderreise im Erbacher "Oberdorf" fortzusetzen, beendete der Referent seinen Vortrag. Franz Schäfer, Mitglied des Verwaltungsrates der Pfarrei Sankt Peter, bedankte sich bei Manfred Bräuer für dessen umfangreiche Ausführungen und seine Aufbereitung der Erbacher Geschichte.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 28.2.2007

Ansichtskarte Erbacher Tal

Das Erbacher Tal in einer frühen Ansichtskarte
Repro: Manfred Bräuer

Referent Manfred Bräuer

Experte für Erbachs Entwicklung: Referent Manfred Bräuer

Interessiertes Publikum in Erbach

Interessiertes Publikum: Wie sah es einmal aus in Erbach ...?

Starkenburger Echo, Foto: Lutz Igiel (www.lugfoto.de) - 28.02.2007

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Zuletzt aktualisiert am 18.04.2007