Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Bensheim und Auerbach trennte einst eine Zollstation
MUSEUMSVEREIN: Professor Härter und Manfred Bräuer zeigten "Bensheim und Umgebung in historischen Karten"

Bensheim. "Wer Bensheim auf dieser Karte findet, gewinnt den Bensheimer Kartenpreis", begrüßte Professor Dr. Karl Härter am Mittwochabend die Zuhörer im Haus am Markt. Zusammen mit Diplom-Vermessungsingenieur Manfred Bräuer war er der Einladung des Museumsvereins Bensheim und dessen Vorsitzenden Siegfried Eschborn gefolgt, um rund 30 digitalisierte historische Karten aus dem Zeitraum zwischen 1500 und 1850 vorzustellen.

"Karten, die unserem modernen Verständnis entsprechen, gibt es in Mitteleuropa erst seit dem späten 15. Jahrhundert", erklärte Dr. Härter. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass letztlich keiner der Zuhörer auf dem als Intro genutzten Ausschnitt aus der Ebsdorfer Weltkarte von 1239 eine Stadt finden konnte, deren Namen auch nur annähernd an Bensheim erinnerte - es gab keine. Insel Mainau statt Bensheim

"Ganz in der Nähe von der Stelle, an der sich Bensheim befinden müsste, erkennt man auf dieser Karte die Insel Mainau. Man darf also bei Karten dieses Alters nicht auf Richtigkeit oder Vollständigkeit pochen - vielmehr wird eine Sichtweise abgebildet", erklärte Manfred Bräuer. Auch die Inhalte erheben noch weit bis ins 18. Jahrhundert hinein und teilweise sogar darüber hinaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

"Karten verfolgten damals unterschiedliche Zwecke," betonte Härter, der durch seine Tätigkeit als Rechtshistoriker und Professor für Neuere Geschichte auf die Vielfalt der Karthographie aufmerksam wurde. Abgebildet wurden in früheren Jahrhunderten Grenz- und Herrschaftsgebiete, Wasserläufe, Wald, Wege und Straßen, Gerichtsverfahren und rechtliche Festlegungen, militärische Operationen und Truppenstationierungen, Postverbindungen oder ab dem 19. Jahrhundert auch Touristik und Freizeitvergnügungen.

Um diese Vielfalt zu ordnen, untergliederten die Referenten ihren Vortrag thematisch. Zunächst gingen sie auf Karten ein, die Bensheim in seiner Eigenschaft als Kurmainzer Grenzstadt zwischen der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, der Grafschaft Erbach, der Kurpfalz und dem Fürstbistum Worms abbildeten. Auf der "Rheinlaufkarte" von Waldseemüller 1513 entstanden und damit die älteste bekannteste Karte der Region, sind Grenzen noch nicht deutlich erkennbar.

Auch die beliebten Karten von Sebastian Münster (1528/36), einem Heidelberger Universalgelehrten, der auch auf den 100-Mark-Scheinen zu sehen war, zeigten sich Grenzlinien nicht besonders deutlich. Erst eine handgezeichnete Straßenkarte von 1575 lässt erkennen, dass vielerorts an Handels- und Reisestraßen Zollstationen waren - wie etwa zwischen Bensheim und Auerbach.

Gerade der Standort im Grenzgebiet zu vielen anderen "Staaten" machte Bensheim oftmals zur Konfliktzone. Das verdeutlichen etwa Karten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dabei häufen sich in dieser Zeit militärische Karten, die die Herrschaftsverhältnisse vor dem Krieg oder Besatzungsgebiete in der Region zeigen (1620-1622).

Doch Kriege waren nicht die einzigen Schwierigkeiten, mit denen sich Bensheimer Bürger in vergangenen Jahrhunderten auseinandersetzen mussten. So ist der Ort, dessen Name vermutlich "niedrige Siedlung, die in einer Senke liegt" bedeutet, nicht sonderlich reich an Wäldern. Holz war jedoch überlebenswichtig - und so schloss sich die Stadt Waldgenossenschaften an, die sich etwa auf einer Jurisdiktionalkarte aus dem Jahr 1668 erkennen lassen.

Durch die recht weite Entfernung zur Stadt, mussten sich Bensheimer Bürger immer wieder mit Holzfreveln und den Gefahren, die das verlassen ihres "Staates" mit sich brachte, befassen. Schließlich gingen Manfred Bräuer und Dr. Karl Härter in ihren Ausführungen auch auf die Bachläufe der Umgebung ein, die auf manchen Karten so gar nicht der Realität entsprachen. "Auch hier geht es wieder um Sichtweisen - der Meerbach hatte aber einst tatsächlich zwei Arme und floss in die Lauter", betont Manfred Bräuer.

Die beiden Referenten schafften es, den Zuhörer mit ungewöhnlichen Medien einen Zugang zur Regionalgeschichte zu verschaffen.

Bergsträßer Anzeiger, www.morgenweb.de, cm - 23.03.2007

Bräuer/Härter

Photo: Oelsner

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Zuletzt aktualisiert am 19.11.2007