Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Engel für den Frieden
Ehrenmalanlage: Altstadtfreunde und Geschichtsverein übergeben eine Spende an die Stadt Heppenheim

HEPPENHEIM. Die Ehrenmalanlage zwischen südlichem Graben und Gräffstraße in Heppenheim soll als bedeutende historische Stätte mehr als bisher in Altstadtführungen einbezogen werden. Darauf haben gestern Professor Karl Härter vom Geschichtsverein und Volker Scheller von den Altstadtfreunden hingewiesen. Anlass war eine Scheckübergabe an Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD). Beide Vereine hatten die Hälfte der Kosten für die Renovierung des durch Witterungseinflüsse und Vandalismus ramponierten Siegesengels auf dem Gedenkstein für die im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) gefallenen und vermissten Heppenheimer Soldaten aufgebracht.

Härter, Scheller und Herbert würdigten die vom Steinmetzmeister Michael Schmitt (Heppenheim) sowohl mit handwerklichem als auch künstlerischem Geschick ausgeführte Restaurierung. Mehrere Teile, darunter der rechte Flügel und die Fußpartie, mussten neu modelliert und eingepasst werden. Unberücksichtigt blieben Lorbeerkranz und Siegespalme, die der vom einstigen "Kriegerverein" gestiftete Originalengel aus dem Jahr 1904 früher in Händen hielt. Beide Elemente waren wiederholt Ziele offenbar nächtlicher Wurfübungen und brachen, an statisch empfindlicher Stelle angebracht, immer wieder ab.

Mit der Renovierung des Siegesengels haben Altstadtfreunde und Geschichtsverein ihre Bemühungen um einen würdevollen Zustand der nur jeweils am Volkstrauertag in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückenden Ehrenmalanlage fortgesetzt. Erst im vergangenen Jahr hatten sie die unleserlich gewordene Schrift auf den Granitblöcken für die am 30. Mai 1849 bei einer Schießerei mit Freischärlern gefallenen hessischen Soldaten erneuern lassen. Die Aufständischen hatten für demokratische Rechte gekämpft.

In der Ehrenmalanlage Platz gefunden haben neben anderen die Kopie des so genannten Schlangensteins in Erinnerung an den 1460 im Kampf gegen die Kurpfalz tödlich verletzten Burggrafen Ulrich von Kronberg, ein Gedenkstein der Heimatvertriebenen sowie die bogenförmige Denkmalwand für die 176 Heppenheimer Männer, die nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) zurückkehrten. Noch größer war der Blutzoll, den der Zweite Weltkrieg forderte. Die aus Muschelkalk gearbeitete Figur einer Trauernden erinnert an 769 Bürger, die direkt oder indirekt diesen von Hitler entfachten Krieg mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Die Heppenheimer Ehrenmalanlage gilt ihrer Geschlossenheit wegen regionalweit als einmalig. Hier ist Geschichte spürbar - eine Geschichte, die sich hoffentlich nicht mehr wiederholt. Härter und Scheller legen Wert darauf, dass die Renovierung vor allem das Ziel verfolge, sich kritisch mit Gewalt als politischem Mittel auseinanderzusetzen. "Es handelt sich für uns um Mahnmale für den Frieden", sagte Härter. Der Platz sei aus historischer Sicht ein ebenso wichtiger wie sensibler Ort und gleichfalls eine Stätte von bedeutender Erinnerungskultur. Aber nicht nur deshalb sollen weitere Maßnahmen folgen. Am Herzen liegt beiden Vereinen eine optische Aufwertung von Resten der alten Stadtbefestigung, die - nur wenige Schritte von den Gedenksteinen entfernt - ebenfalls Teil der Anlage ist.

Starkenburger Echo, fk - 3.5.2007

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Zuletzt aktualisiert am 5.5.2007