Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Erste Poststation entsteht 1580
Geschichtsverein: Stammtisch beschäftigt sich mit der Pionierzeit der Briefbeförderung - Postmeister bestimmt Tarif

HEPPENHEIM. "Heppenheimer Postgeschichte" war das Thema des jüngsten Stammtisches "Heppenheimer Geschichte(n)" des Heppenheimer Geschichtsvereins. Der Vorsitzende Karl Härter begrüßte zahlreiche Zuhörer im Boosenhof. Heppenheim hatte, dank der günstigen Lage an der wichtigen Handelsstraße von Italien über Frankfurt in die Niederlande, bereits früh eine wichtige Rolle im historisch langsam entstehenden Kommunikationsnetz.

Boten des Klosters Lorsch waren vermutlich die ersten in der Region, die Briefe beförderten. Für Kaiser Maximilian I. richtete die Familie Taxis die ersten Postlinien ein. Franz von Taxis schuf als Postmeister die erste Verbindung von Innsbruck nach Mecheln und erhielt schließlich ein kaiserliches Monopol auf die Einrichtung von Postlinien.

Daneben unterhielten aber auch Landesfürsten und Städte eigene Botendienste, die auch von Privatleuten in Anspruch genommen werden konnten. Natürlich war damals die Beförderung von Nachrichten und Briefen auf einen engen Kreis von Benutzern - Adlige, Geistlichkeit und Handelsbürgertum - eingegrenzt. Im Jahr 1580 wurde ein Postlinie eingerichtet, die von Rheinhausen über Heidelberg und Darmstadt nach Frankfurt führte. Damals entstand wohl auch die erste Poststation in Heppenheim.

Der älteste Teil des Thurn und Taxisíschen Posthofs an der Ecke Friedrich/Darmstädter Straße, der vor Jahren abgebrochen wurde, stammte aus dem Jahre 1594. Die Bedeutung der Posthalterei in Heppenheim ließ sich unschwer an dem großen Gebäudekomplex ablesen, dessen Hauptaufgabe es war, Pferde für Boten und später für die Postkutschen, die Personen beförderten, bereit zu halten. Der Stammtisch konnte beim Gespräch viel aus der Geschichte der Heppenheimer Posthalterei schöpfen, die Ferdinand Koob in "900 Jahre Starkenburg" ausführlich dargestellt hatte. Zusätzlich stellten einige Teilnehmer weitere Bücher und Karten zur Postgeschichte vor.

Die Postmeister spielten eine wichtige Rolle im Heppenheimer Stadtgeschehen und haben viele Spuren hinterlassen. Besonders die Familie Werle ist zu nennen. Denn Postmeister zu sein war ein einträgliches Geschäft. Er setzte nämlich, bevor es eine Gebührenordnung gab, das Porto für die Beförderung fest. Mit der Einführung von verbindlichen Portosätzen 1780 wurden die Briefe mit Stempeln versehen. Diesbezüglich hat Heppenheim Postgeschichte geschrieben, denn der erste Poststempel hatte ein seitenverkehrtes "N" und ist deshalb in Sammlerkreisen heiß begehrt.

Überhaupt ist das Sammeln von Briefen aus den Zeiten der Thurn und Taxisíschen Post ein reizvolles Gebiet: Verschiedene Stempel und Vermerke zierten die Briefe und auch das Porto war nicht gerade niedrig. So überstiegen die Portokosten eines Briefes von Fürth nach Wien aus dem Jahre 1820 die in ihm angekündigte Erbschaft, da er wieder zurückgeschickt wurde. Karlheinz Wahlig aus Lorsch, ein großer Kenner der eng mit Heppenheim verbundenen Lorscher Postgeschichte, hatte eine interessante Sammlung von alten Briefen mitgebracht. Von ihm erfuhren die Besucher viel Wissenswertes über die Heppenheimer Post und konnten die mitgebrachten seltenen Stücke bewundern.

Im März 1845 endete die Geschichte der Heppenheimer Posthalterei. Posthalter aus Bickenbach und Weinheim sorgten nun dafür, dass Pferde in Heppenheim bereit standen. 1867 verkaufte die Familie von Thurn und Taxis ihr Postmonopol an Preußen. Damit wurde auch die Heppenheimer Post preußisch.

Nach kurzer Zeit entstand der Norddeutsche Postbezirk, der mit der Gründung des Deutschen Reiches und der Reichspost aufhörte zu bestehen. Geschichte, die auf Briefen aus Heppenheim dokumentiert sind.

Weitere Beiträge beschäftigten sich mit den Überfällen auf Kutschen an der Bergstraße durch den Hölzerlips und andere Räuber. Deren Steckbriefe sind noch heute überliefert, wovon sich die Teilnehmer anhand der mitgebrachten Stücke überzeugen konnten. Auch das Gewann "Zum Trompeter" erinnert ebenso wie die Postbrücke über die Neue Weschnitz noch an die Heppenheimer Postgeschichte.

Eins allerdings konnte bei dem Stammtisch nicht geklärt werden: Wo befand sich die Heppenheimer Post nach dem Verkauf des Postmonopols und dem Einzug in das neue Gebäude am Postknoten? Eine Lücke von 45 Jahren gilt es zu schließen.

Starkenburger Echo, e - 4.5.2007

nach oben
Pressespiegel
Veranstaltungen
Home

Zuletzt aktualisiert am 5.5.2007