Tag des offenen Denkmals: Führung zu christlichen Denkmälern und sakralen Gebäuden in HeppenheimDer Heppenheimer Geschichtsverein bot am Tag des offenen Denkmals in Zusammenarbeit mit dem Museum der Kreisstadt Heppenheim eine Führung zu christlichen Denkmälern und sakralen Gebäuden an. An dem Treffpunkt, dem Heppenheimer Markplatz, hatte sich eine stattliche Schar interessierter Bürgerinnen und Bürger, unter ihnen der ehemalige Bundestagsabgeordnete Dr. Karl Otto Lenz, zusammengefunden, die sich gemeinsam mit Lucia Frank vom Museum und Dr. Karl Härter vom Geschichtsverein auf den Weg machten. Angesteuert wurden Kapellen, Standbilder, Marienstatuen, Bildstöcke und die evangelische Heilig-Geist-Kirche, wobei ein 1914 entstandener "Lageplan der christlichen Denkmäler auf den Strassen in der Stadt Heppenheim" zugrunde gelegt wurde. Zuerst gab es auf dem Marktplatz eine Einführung in das Thema und die religions- und kulturhistorische Hintergründe der gerade in Heppenheim zahlreichen sakralen Denkmäler, die Ausdruck der religiösen Alltags- und Volkskultur vergangener Zeiten waren und sind. Besonders stark niedergeschlagen hat sich die Verehrung Marias als Mittlerin zu Gott und Beschützerin der Menschen, deren Leben in vergangenen Zeiten durch Seuchen, Hungersnöte, Kriege und Unfälle vielfach gefährdet war. Schutz und Hilfe bildeten dann auch wesentliche Gründe für die Stiftung von Kapellen und Standbildern. So wurde auch die Madonna über dem Marktbrunnen 1729 oder 1755 von einem Heppenheimer Bürger zum Dank dafür gestiftet, dass seine Frau von einer schweren Krankheit genas. Gleichzeitig sollte Maria aber auch die zentrale Wasserversorgung der Heppenheimer schützen. Die Statue auf dem Marktbrunnen ist eine besonders gelungene Darstellung der Madonna im Strahlenkranz bzw. der Mondsichermadonna: Als Maria Immaculata, die auf einer Weltkugel stehend die Schlange und den Halbmond zertritt, symbolisiert sie sowohl die unbefleckte Empfängnis als auch die Freiheit Marias von der Erbsünde. Nächste Station war die Kapelle am Haus Johannes, dem ehemaligen städtischen Krankenhaus, ebenfalls eine Stiftung. Bis 1895 stand die Kapelle, die der "Kappel" ihren Namen gab, weiter nördlich (Laudenbacher Tor - Merianstraße), unmittelbar vor der Brücke über den Graben und dem Eingang zur Stadt. Im Heppenheimer Stadtgebiet standen bzw. stehen noch weitere Kapellen, darunter die beiden ältesten auf der Starkenburg (längst zerstört) und im Kurmainzer Amtshof. Gerade letztere wird nur noch profan als Abstellraum genutzt und müsste als religions- und kulturhistorisches Denkmal - immerhin beteten hier Kurfürsten und womöglich künftige Kaiser - wieder besser präsentiert werden. Die im neugotischen Stil nach 1895 errichtete Kapelle am Haus Johannes wird dagegen noch heute sorgsam gepflegt und beherbergt eine schöne Pietà, die schmerzhafte Mutter Gottes. Sie soll den bedrängten Menschen Schutz spenden, wie die von Dr. Lenz übersetzte lateinische Inschrift noch immer bekundet. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Marienverehrung ist auch die Madonna auf dem Portal zum ehemaligen Gasthaus "Zur Sonne", das nach dem Abbruch des Gebäudes an den Eingang zum Stadtpark versetzt wurde. Das Original der Sandsteinstatue, die sich eng an die Strahlenkranz-Madonna des Marktbrunnens anlehnt und wohl zur gleichen Zeit entstand, befindet sich nun im Heppenheimer Museum. Das trifft auch für die Madonnenstatue auf dem Bildstock am neuen Kleinen Markt zu. Auch sie wurde von ihrem ursprünglichen Standort, dem alten Kleinen Markt an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsstraßen (Bergstraße und Worms-Würzburg), umgesetzt. Einst trafen sich hier die Gläubigen, die an der Wallfahrt nach Walldürn teilnahmen. Eine Darstellungen auf dem Säulenschaft zeigt noch das Walldürner Blutbild. Charakteristisch für die Marienstatue war aber auch der Schutz für den Marktplatz und den ehemals dort befindlichen Brunnen. Weiter ging der Weg zu dem Bildstock am Aufgang zur Starkenburg, neben dem Platz auf dem einst die Heppenheimer Synagoge stand. Auch dieser Bildstock mit Marienbildnis ist eine private Stiftung an einem Platz, an dem sich wichtige Wege (auf die Burg, nach Bensheim und in die Weingärten) kreuzten. Etwas weiter im Bensheimer Weg befindet sich am Hang des Burgbergs die größte und jüngste der Heppenheimer Kapellen. Sie verdankt ihre Entstehung Pfarrer Höhn, der 1872 nach Nordamerika ausgewandert war und nach seiner Rückkehr den schönen Sandsteinbau stiftete, der 1932 eingeweiht wurde. Beeindruckt waren die Teilnehmer von den schönen Glasfenstern mit Heiligendarstellungen, dem neugotischen Altar und den aufgestellten älteren Heiligenfiguren. Etwas weiter an der Einmündung des Bensheimer Weges in die Darmstädter Straße wurde dann die Maria-Hilf-Kapelle besichtigt, vor der ein mächtiges Kreuz aus rotem Sandstein steht. Ursprünglich soll hier 1643 ein Holzkreuz errichtet worden sein, das an die Ermordung eines gläubigen Katholiken durch hessische Soldaten erinnerte. Johann Werle und seine Bensheimer Frau Anna Bitton stifteten 1738 das Kreuz, das wohl nicht zufällig in Richtung Bensheim blickt (die Familie Werle saß in Heppenheim und Bensheim im Stadtrat). Die schlichte Kapelle dahinter wurde 1707 nach einer Dürre und Hungersnot in Erfüllung eines Gelübdes von Heppenheimer Bürgern gestiftet. Kapelle und Kreuz waren ebenfalls in die Heppenheimer Prozessionen eingebunden und dienten auch als Übergabepunkt bei jüdischen Leichenbegräbnissen, die auf dem Alsbacher Judenfriedhof vorgenommen wurden. Den Abschluss des Rundgangs bildete der Besuch der evangelischen Heilig-Geist bzw. früher Gustav-Adolf-Kirche. Einen großen Teil der Baukosten der 1886 begonnenen und 1888 geweihten Kirche trug das Gustav-Adolf-Werk. In den Glasfenstern des Chores sind dann auch Christus, Luther und der Schwedenkönig abgebildet. Die in roten Backsteinen im neugotischen Stil mit schönem Turm und spitzbogigem Portal ausgeführte Kirche stellt folglich Bezüge zur evangelischen Vergangenheit Heppenheims her, dessen Bürger 1556 bis 1623 unter der Kurpfalz und dann 1631-1635 während der schwedischen Besetzung lutherisch bzw. reformierten Glaubens waren. Für die 1901 wieder gegründete evangelische Gemeinde mit ihrem Pfarrer Johannes Guyot, dem Begründer des hessischen Diakonievereins, bildete die in ihrer Ausführung für unsere Gegend einmalige "Backsteinkirche" den unverzichtbaren Mittelpunkt. Die Teilnehmer waren insgesamt beeindruckt von der Vielfalt der sakralen Kunst und Denkmäler in Heppenheim, die unterschiedliche historische Zugänge und Verständnisse des christlichen Glaubens repräsentieren und mit alltäglichen Geschichten von Leid und Hoffnung verknüpft sind. Zahlreiche Fragen und aktive Beiträge zu Hintergründen und Geschichte der besichtigten Denkmäler zeigten, dass hier ein Interesse geweckt wurde, das es weiter zu pflegen gilt, nicht nur am Tag des offenen Denkmals: Als religiöse und historische Zeugnisse bedürfen auch die christlichen Denkmäler und Sakralbauten unserer dauerhaften Aufmerksamkeit und Pflege - darüber waren sich alle Teilnehmer einig.
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Zuletzt aktualisiert am 27.9.2007