Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Vortrag: Professor Karl Härter über "Räuber, Diebe und Ehebrecher"
Mit Daumenschrauben wurden Geständnisse erzwungen

"Von Räubern, Dieben und Ehebrechern: Verbrechen und Strafe im Raum Lorsch-Einhausen vor 1803", so lautete das Thema von Professor Dr. Karl Härter, der darüber in Einhausen referierte. Der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins schilderte auf Einladung des Einhäuser Vereins für Heimatgeschichte einige beispielhafte Kriminalfälle, die üblichen Strafen und die Funktionsweise der Rechtsprechung.

Zunächst erklärte Härter, warum gerade das Gebiet Lorsch-Einhausen für Diebe und Verbrecher so attraktiv war. Lorsch und Einhausen gehörten damals zu Mainz. Großhausen lag jedoch schon auf Darmstädter Gebiet. Auch die Grenze zur Pfalz lag nahe. Diebe und Vaganten konnten schnell über die Landesgrenzen fliehen und befanden sich damit nicht mehr im Zuständigkeitsgebiet derer, die sie gerade verfolgten.

Zeitweise gab es sogar ein Stück Land zwischen dem Gebiet Darmstadt und Mainz, von dem nicht ganz klar war, wozu es gehört. Dieses Niemandsland diente auch als Zufluchtsort für Verbrecher.

Ein Beispiel für die vielen Raubüberfälle, die damals stattfanden, ist ein Fall aus dem Jahr 1757.

17 Diebe überfielen ein Ehepaar und dessen Magd, wobei die Ehefrau ums Leben kam. Das Strafverfahren wurde eingeleitet, die Bande schließlich gefasst und dann in Untersuchungshaft genommen. Während des Prozesses wurden die Angeklagten gefoltert, um ihnen ein Geständnis abzuringen, das Diebesgut zu finden und sie dazu zu bringen, Kumpanen zu verraten.

Die gängigen Folterarten waren damals Daumenschrauben, der spanische Stiefel und die Streckbank. Danach wurde das Urteil gefällt: Fünf Männer wurden gehängt und drei Frauen geköpft. Es war durchaus üblich, die Menschen eine Zeit lang hängen zu lassen oder die Köpfe aufzuspießen.

Wenn es um Raubüberfälle, Mord oder ähnliche Verbrechen ging, waren die ersten Verdächtigen meist die umherreisenden Zigeuner und Vaganten. Wobei heute nicht ganz klar ist, ob die Menschen, die man damals Zigeuner nannte, wirklich zur Gruppe der Sinti und Roma gehörten, oder ob der Begriff als Überbegriff für Vagabunden gebraucht wurde.

Auch Ehebruch galt als Verbrechen. Ein Beispiel dafür ist der Fall des Bauers Koch und seiner Nichte Anna Maria Ofenloch, die gleichzeitig auch seine Magd war. Sie wurden des Ehebruchs und der Blutschande beschuldigt. Koch stritt dies jedoch ab. Die Magd war schwanger und hatte versucht, ihr Kind abzutreiben. Sie wurde wegen versuchten Kindsmordes verhört und erklärte, ein anderer Mann sei Vater ihres Kindes, nämlich ein Mann namens Teutsch. Dieser habe sie vergewaltigt. Teutsch leugnete dies jedoch und konnte außerdem einen guten Leumund vorweisen. Damit kam er davon.

Koch musste einen Eid schwören, dass er nicht der Vater war und wurde nicht bestraft. Die Magd wurde schließlich als einzige acht Tage in Haft genommen.

In solchen Fällen fielen die Strafen meist weniger hart aus, da die Untertanen wichtig waren. Der Staat wollte Geld einnehmen. Trotzdem musste in einem geistlichen Gebiet natürlich eine Tat wie Ehebruch irgendwie geahndet werden.

Bergsträßer Anzeiger - eli/l - 13/14.11.2007

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Zuletzt aktualisiert am 28.11.2007