Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Fenster in die Vergangenheit
Geschichte: Professor Härter erinnert in der Heilig-Geist-Kirche an die Bedeutung des Schwedenkönigs Gustav Adolf für evangelische Christen an der Bergstraße

König Gustav Adolf von Schweden, den es während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) nach Süddeutschland verschlagen hatte, galt Protestanten im 19. Jahrhundert als Retter des evangelischen Bekenntnisses auf deutschem Boden. Kein Wunder also, dass Gustav Adolf in der Heppenheimer Heilig-Geist-Kirche als Medaillon in einem Fenster zu finden ist. Anlässlich seines 375. Todestages am 16. November sprach Professor Karl Härter "Über Gustav Adolf in Heilig-Geist und die Bedeutung Schwedens für den Dreißigjährigen Krieg und die Lösung des Religionskonfliktes im Westfälischen Frieden".

Härter, der in Bensheim geboren ist, nach Lehramtsstudium, Promotion und Habilitation am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt arbeitet und seit 2007 als außerplanmäßiger Professor an der TU Darmstadt lehrt, ging in seinem historischen Vortrag der Frage nach, welche Bezüge sich zwischen Schwedenkönig Gustav Adolf, der Bergstraße und dem evangelischen Glauben herstellen lassen. Das 17. Jahrhundert sei in dieser Hinsicht ein sehr "zwiespältiges" gewesen, dass von Leid und Elend des Dreißigjährigen Krieges ebenso geprägt wurde wie vom weitreichenden "Westfälischen Frieden" 1648.

Begonnen hatte der Dreißigjährige Krieg als ständisch-religiöse Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Anhängern des evangelischen Glaubens in Böhmen, bevor der Krieg nahezu das gesamte Deutsche Reich erfasste. 1630 erschien Gustav Adolf mit einem schwedischen Heer in Deutschland. Es gelang ihm rasch, die kaiserlich-habsburgischen Truppen zurückzudrängen und ihren Feldherrn Johann Tserclaes Tilly vernichtend zu schlagen. Für die Protestanten im Reich, zu deren Rettung der Schwedenkönig gegen den Katholizismus und die kaiserlichen Truppen angetreten war, ergaben sich neue religiöse Freiräume.

In den Jahren 1631 bis 1636 stand auch die Bergstraße unter schwedischer Vorherrschaft. Die evangelischen Gläubigen hatten damit die Möglichkeit, wieder evangelische Gottesdienste lutherischer und calvinistischer Prägung in der Heppenheimer Pfarrkirche Sankt Peter zu feiern.

Daher rührt auch die Verehrung, die Gustav Adolf beim Bau der Heilig-Geist-Kirche 1888 zuteil wurde und von der noch heute das Medaillon des Schwedenkönigs im rechten Seitenfenster des Chores zeugt. In Eintracht mit dem zentralen, hinter dem Altar gelegenen Christusfenster und gegenüber von Martin Luther, dem großen Reformator, thront Gustav Adolf. Gebaut wurde das Gotteshaus seinerzeit mit finanzieller Hilfe des deutschen Gustav-Adolf-Vereins.

Gustav Adolf, der in protestantischen Landstrichen in den Wirren und Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges vielfach als Befreier begrüßt wurde und auch bei seinen Truppen hohes Ansehen als Protestant und Feldherr genoss, fiel im Verlauf des Krieges am 16. November 1632 in Lützen, einer Stadt im heutigen Sachsen-Anhalt. Im Kampf gegen die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein musste der Schwedenkönig sein Leben lassen. Strittig ist allerdings die Datierung des Todestages, da sich durch die Einführung des gregorianischen Kalenders Veränderungen im Vergleich zum julianischen Kalender ergeben haben. Bisweilen wird daher der 6. November 1632 als Todestag angenommen.

Der gregorianischen Zählweise folgend hatte sich Pfarrer Dirk Römer von der Heilig-Geist-Gemeinde in Heppenheim allerdings dafür entschieden, den prominenten Kopf im Chorraum der evangelischen Kirche am Vorabend des 16. Novembers zu ehren. Eingerahmt wurde der Vortrag Härters, der neben seiner Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und der TU Darmstadt Vorsitzender des Heppenheimer Geschichtsvereins ist, von festlicher Orgelmusik.

Pfarrer Dirk Römer verwies am Ende darauf, dass es stets wichtig sei, sich mit Geschichte zu beschäftigen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse weiter zu geben. Das wünschte er sich auch von der Veranstaltung am Donnerstagabend zum Andenken Gustav Adolfs.

Starkenburger Echo, echo-online - lev - 19.11.2007

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Zuletzt aktualisiert am 13.12.2007