Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Geschichtsverein im Aufwind
Hauptversammlung: Positive Entwicklung - Karl Härter bleibt Vorsitzender - Interessanter Vortrag zum Einstieg

HEPPENHEIM. Niclas Dörsam hat sich in den Jahren vor 1800 teils unter Androhung, teils mit tatsächlicher Gewalt fünfmal bereichert und damit eine Grenze überschritten, die nach damals gängiger Gesetzesauslegung nur eine Antwort finden konnte: Todesstrafe! Der zur Unterschicht gehörende Sünder schritt mit Vorliebe sonntagmorgens zur Tat, wenn die Objekte seiner Begierde von den in der Kirche weilenden Männern verlassen waren. Gegen Bauersfrauen und Mägde hatte er leichtes Spiel.

Der in Hambach aufgewachsene, lange Zeit im Elsass lebende und dann wieder an die Bergstraße zurückgekehrte Dörsam war 30 Jahre alt, als er nach dem am Landberg gefällten Richterspruch auf dem weiter nördlich gelegenen Galgenplatz nahe Bensheim per Strang hingerichtet wurde. Ungezählte Menschen waren dabei, als Johann Rooß am 6. Dezember 1799 das Urteil vollstreckte. Ironie: Den Strick um den Hals legte er dem in allen Punkten schuldig gesprochenen Dörsam an dessen dem heiligen Nikolaus gewidmeten Namenstag.

Vorausgegangen war eine 197 Tage währende Untersuchungshaft in dem als Kerker dienenden "Rotturm" in Heppenheim, wo der Sünder bei Wasser und Brot zur Einsicht gelangt war und bei Verhören seine Schuld eingestanden hatte. Die Tränen, die er dabei laut Protokollen vergoss, kamen allerdings zu spät. Dörsam wurde aufgeknüpft. Seine Leiche blieb, quasi als Abschreckung, noch sieben Monate am Galgen hängen, um dann am 16. Juli 1800 in Höhe der heutigen Kleingartenanlage Bensheim verscharrt zu werden.

Über Leben, Verbrechen und Hinrichtung von Niclas Dörsam berichtete am Freitag Karl Härter im "Stadtgraben". Sein mit handschriftlichen Aufzeichnungen und historischen Zeichnungen anschaulich ins Bild gesetzter Vortrag "Der letzte Delinquent des Starkenburger Centgerichts" zog die Zuhörer umso mehr in Bann, als es der Referent einmal mehr verstanden hatte, komplizierte Sachverhalte auch für den Laien plausibel darzustellen. So wird Geschichte ohne jeden Anflug von Effekthascherei spannend und nachvollziehbar: Anhaltender Beifall dafür.

Der Exkurs in die Vergangenheit bot den rechten Einstieg in die Hauptversammlung des von Karl Härter geführten Geschichtsvereins. Dass der Historiker als Vorsitzender bestätigt wurde, war reine Formsache. Ihm zur Seite stellten die Mitglieder bewährte Mitstreiter: Dieter Schnabel (Stellvertreter), Rolf Geiger (Kassenverwalter), Hans-Joachim Büge (Schriftführer). In den Beirat gewählt wurden Lucia Frank, Andrea Falk, Volker Scheller, Manfred Bräuer und Hans de Raadt.

Der Geschichtsverein ist aus dem zum 1200. Stadtjubiläum 1955 konstituierten Arbeitskreis zur Erforschung der Heimatgeschichte hervorgegangen. 2009 kann er auf sein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Das schönste Geschenk zum runden Geburtstag hat sich der Vorstand vorab selbst bereitet: Bekannten sich im März 2006 nur 44 Mitglieder zu seinen Zielen, so sind es zwei Jahre später immerhin 61, unter ihnen die Ehrenmitglieder Karl Busch und Hans Rittersberger.

Die Zunahme lässt Rückschlüsse auf gesteigerte Aktivitäten zu, die nicht selten im Schulterschluss mit Heppenheims Altstadtfreunden und dem Museum angeboten werden. Vortragsveranstaltungen, Exkursionen, Grenzwanderungen, Stadtführungen und nicht zuletzt die bestens angenommene Stammtischrunde "Heppenheimer Geschichte(n)" verfehlten ihre Außenwirkung nicht. Obwohl nicht mit Reichtümern gesegnet, beteiligte sich der Verein an den Kosten zur Restaurierung des Friedensengels in der Ehrenmalanlage und brachte eine wahre Sisyphusarbeit den dritten Band des Sippenbuches heraus. Karl Härter bemühte den Begriff "starke Forschungsleistung" und bedankte sich besonders bei Kirchenarchivar Helmut Becker, der für das Werk Zahlen, Daten, Fakten lieferte. Um das Buch machten sich außerdem Hans-Joachim Büge und weitere Mitarbeiter verdient. Nahziele: Band II soll neu aufgelegt, die Arbeit für Band IV fortgeführt werden.

Starkenburger Echo, echo-online, fk - 18.3.2008

Mitgliederversammlung

Zahlreiche Zuhörer beim einleitenden Vortrag

Photo: Manfred Bräuer

Wichtiges Bindeglied zu den Bürgern
Geschichtsverein: Vorsitzender Karl Härter würdigt Beilage "Die Starkenburg"

HEPPENHEIM. Karl Härter, der im Amt bestätigte Vorsitzende des Geschichtsvereins Heppenheim (das ECHO berichtete), hat auf der Jahreshauptversammlung Stellung bezogen zu den vom Vorstand initiierten Veröffentlichungen. Eine herausragende Rolle maß er der ECHO-Beilage "Die Starkenburg" bei.

Die seit Mai 1924 regelmäßig erscheinenden Blätter zur Erforschung der Heimatgeschichte seien zwischen Verein und Bevölkerung das wichtigste Bindeglied, sagte Härter. Nach behutsamen Veränderungen am Layout kommen sie noch leserfreundlicher daher. Für die redaktionelle Bearbeitung ist neben dem Vorsitzenden Schriftführer Hans-Joachim Büge verantwortlich. Das Duo liefert druckfertige Vorlagen und erleichtert so die Zusammenarbeit zwischen Verein und Redaktion.

Härter kam bei der Hauptversammlung noch einmal auf den geplanten Einbau des Winzerkeller-Fahrstuhls zu sprechen. Aus Gründen der baulichen Substanzbewahrung plädiert der Geschichtsverein für einen Außenlift an der rückwärtigen Seite (Mühlgasse) des historisch weniger bedeutenden "Zwickels". Gemeint ist der erst 1950 errichtete und 1972 mit einem Fachwerkaufbau versehene Gebäudeteil zwischen Amtshof und altem Marstall auf der östlichen Seite des Ensembles.

Worte des Danks richtete Härter an Familie Röhrig aus Sonderbach. In dem von ihr bereitgestellten Haus der Vereine treffe der Geschichtsverein gute Bedingungen an. Fürs neue Jahr kündigte der Vorsitzende mehrere Veranstaltungen an, darunter Vorträge mit den Referenten Monika Schmatz und Michael Fettel.

Starkenburger Echo, echo-online, fk - 19.3.2008

Der neue Vorstand 2008

Der Vorstand des Heppenheimer Geschichtsvereins
v.l.: Rolf Geiger, Lucia Frank, Dieter Schnabel, Dr. Karl Härter, Hans Joachim Büge, Manfred Bräuer, Hans de Raadt, Andrea Falk (es fehlt Volker Scheller)

Photo: Manfred Bräuer

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Zuletzt aktualisiert am 21.03.2008