Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Langer Marsch rund um Hambach
Grenzgang: Interessante Anekdoten und Brot mit Wildkräutern begeistern 60 Teilnehmer - Fortsetzung in diesem Jahr

HAMBACH. Nachdem der Termin des ersten Hambacher Grenzgangs im März 2008 buchstäblich "vom Winde verweht" worden war, unternahm der Ortsbeirat am Sonntag einen erneuten Versuch. Ortsvorsteherin Renate Netzer war überrascht und freute sich darüber, dass fast 60 interessierte Ortsbürger und Gäste sowie Bürgermeister Gerhard Herbert der Einladung zur Wanderung rund um den nordwestlichen Teil der Gemarkung gefolgt waren. Auch die Sonne stand über dem Hambachtal. Ortsvorsteherin Netzer begrüßte besonders Manfred Bräuer vom Geschichtsverein Heppenheim sowie den Urhambacher Helmut Jakobi, der die Leitung der Tour übernahm. Sie dankte Rudi Unger, der sich anbot, diejenigen mit dem Traktor und überdachtem Anhänger zu fahren, denen das Laufen schwer fällt.

Nach den ersten Erläuterungen Jakobis zur "Scholze-Brück" und dem "Kreuz" an der Abzweigung Wasserschöpp ging es das Biengärtel hinauf, dem Grenzverlauf Starkenburg-Steinkopf entlang, bis zu dem neu geschaffenen markanten Punkt des Erlebnispfads Wein und Stein. Dazwischen machte Jakobi auf alte Grenzsteine aufmerksam, die er zum Teil vor dem Grenzgang freigelegt hatte.

Interessant waren auch die Ausführungen Bräuers über die geschichtlichen Hintergründe zu Grenzziehungen, -markierungen und Grenzgängen. Die Umgänge entlang der Gemarkungsgrenze dienten dazu, die Vollständigkeit und Ordnungsmäßigkeit der Markierungen festzustellen. Außerdem sollte das Wissen um die Grenzverläufe erhalten bleiben.

Oft musste die männliche Jugend teilnehmen, um sich die Lage der Grenzmarken einzuprägen. Dazu wurden besondere Handlungen vorgenommen. Beispielweise warf man an einem Grenzstein Geldstücke in die Luft. Die Knaben, die die Münzen aufsammelten, wurden dann mit (vermutlich kaltem) Wasser übergossen, damit sie sich den Grenzpunkt merkten. Häufig wurden sie unsanft auf die Grenzsteine gesetzt oder erhielten zur Erinnerung eine Ohrfeige. Heute, so Bräuer, dienen die Grenzgänge eher der Heimatpflege und der Information über aktuelle Themen als den ursprünglichen Zwecken.

Ortslandwirt Franz Schuster wies auf ein Problem hin, das sicher nicht nur Hambach hat und von dem sich jeder vor Ort überzeugen konnte: Grundstücke, die früher einmal bewirtschaftet wurden und jetzt brach liegen, wachsen langsam mit Gestrüpp und jungen Bäumen zu. Diese bilden dann einen idealen Unterschlupf für Wildschweine und anderes Wild, das immer wieder in den umliegenden Weinbergen erheblichen Schaden verursacht. An dieser Hanglage über dem Hambacher Tal waren früher vorwiegend Wingerte angelegt. Es stimmte die Teilnehmer schon ein wenig traurig, dass Grundstücke nicht nur in dieser herrlichen Lage aus unterschiedlichen und teilweise nachvollziehbaren Gründen so vernachlässigt würden.

Am Steinkopf angekommen peitschte ein eiskalter Wind und ein heftiger Regenguss den Wanderern ins Gesicht. Dieses tat der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch und so ging es weiter entlang der Gemarkungsgrenze Hambach-Heppenheim hinauf zum Herdweg. Von dort fiel der Blick zurück auf die Krück, einem Hügel, wo der Erzählung nach die in der alten Hambacher Kapelle gefundenen Krücken von Pilgern verbrannt wurden. Diese Kapelle befand sich dort, wo heute die Pfarr- und Wallfahrtskirche Sankt Michael steht.

Am Heilig-Jahr-Kreuz dann eine erste Überraschung: Vorbereitet und erläutert von Mechthild Ludwig wartete auf jeden Teilnehmer eine Brotschnitte belegt mit heimischen Wildkräutern, die sie bereits am Wegesrand zeigte und erläuterte. Besondere Beachtung fanden dabei Gänseblümchen, die nicht nur hübsch aussahen, sondern durchaus auch gut schmeckten. Auch ein Glas Wein stärkte ebenfalls für den weiteren Weg hinunter in Richtung Klingen und wieder hinauf zum Zeller Eck.

Für viele Teilnehmer war es neu und erstaunlich, wie groß die Hambacher Gemarkung ist und wie nahe sie dem Hemsberg kommt. Ein weiterer interessanter Halt war dann am Grenzstein Attigäcker, von wo es entlang des Vorderwalds hinauf zum Zollstock ging. Hier endete der erste Teil des Grenzgangs rund um die Gemarkung Hambach. Noch in diesem Jahr soll dort der zweite Teil des Grenzgangs beginnen, der dann über den Eselsberg rund um Ober-Hambach führen wird.

Am Ende der Wanderung wartete bei Mechthild Ludwig ein wunderbarer Eintopf und ein gutes Gläschen Wein auf die Teilnehmer. Rudi Unger nutzte die Gelegenheit, über die Hambacher Mühlen und eine Landbewegung in den zwanziger Jahren zu berichten, die in Hambach ihren Ursprung hatte.

Als Ortsvorsteherin Renate Netzer allen, vor allem Mechthild Ludwig, dankte, die zur Gestaltung des ersten Teils des Hambacher Grenzganges beitrugen, gab es erneut eine Überraschung: Jeder bekam eine von Walter Kuhn gestaltete und auf seinen Namen ausgestellte Teilnehmerurkunde sowie eine von Mechthild Ludwig zusammengestellte Kräuterfibel mit nach Hause.

Erst gegen Abend löste sich die muntere Runde auf - nicht ohne bereits jetzt von der Ortsvorsteherin zum zweiten Teil des Grenzgangs nach Ober Hambach eingeladen zu werden.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 17.4.2008

Start

Begrüßung durch Ortsvorsteherin Renate Netzer

Unterwegs

Helmut Jakobi bei seinen Erläuterungen

Stein

Markierung der Gemarkungsgrenze zwischen Heppenheim und Hambach

Webweiser

Wegweiserstein nach Unter-Hambach

Photos: Manfred Bräuer

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Zuletzt aktualisiert am 19.04.2008