Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Historisches Erbe am Schlossberg in der Diskussion

Der Heppenheimer Geschichtsverein hat sich bei einer Ortsbegehung am Schlossberg mit der derzeit laufenden Flurbereinigung beschäftigt. Der Vereinsvorsitzende, der Historiker Professor Karl Härter, sprach im Zusammenhang mit dem Schlossberg von einem "dynamischen historischen Kulturraum", der schon immer Veränderungen unterworfen war. Gegen die Flurbereinigung ist man im Geschichtsverein denn auch nicht, will die zuständigen Behörden aber "sensibilisieren" und zu einem pfleglichen Umgang mit dem historischen Erbe am Schlossberg bewegen. Bedenken bestehen insbesondere gegenüber der geplanten Verbreiterung des "Eisernen Pfades". Hier, so die Befürchtung, werde auch die Gedenkstätte für die 1938 zerstörte Synagoge in Mitleidenschaft gezogen.

Starkenburger Echo, echo-online, jr - 29.7.2008

Verein will sensibilisieren

Werden neue Grenzen gezogen, Befestigungen angelegt oder Erdmassen bewegt, entstehen Konflikte bei Anliegern und zuständigen Instanzen. Dies war in der Geschichte des Schlossbergs immer so. Als "historisches Ensemble" unter Denkmalschutz gestellt, gilt dies jedoch nicht für alle seine Bestandteile. Daher kann auch der ehemalige Aufgang zur Synagoge verändert werden, für den der Heppenheimer Geschichtsverein allerdings nun Denkmalschutz beantragt hat.

Selbst wenn der Vorsitzende des Geschichtsvereins optimistisch ist, da eine Alternativplanung zumindest im Bereich des Eisenpfades zugesichert worden sei, gäbe es einige Bereiche, in denen die Flurneuordnung am Schlossberg "strittig" oder die Streckenführung zumindest "noch nicht im Klaren" sei. Dafür wolle man die entsprechenden Stellen und die Bürger "sensibilisieren".

Eine der offenen "Wunden" am Schlossberg ist auch das "Fünf-Minuten-Pfädel", das derzeit im Nichts endet. Hier ist eine neue Streckenführung im Bereich der Kreuzung mit dem Kirchenweg vorgesehen. Dennoch klagen Anlieger, dass Bauarbeiten der Flurneuordnung alten Baumbestand und Mauern beschädigt hätten und einseitig den Interessen der Großanlieger gerecht geworden sei.

Starkenburger Echo, echo-online, lev - 30.7.2008

"Dynamischer Kulturraum"
Flurbereinigung: Geschichtsverein macht sich Bild von Arbeiten am Schlossberg - Bedenken wegen Synagogen-Denkmal

"Historisch gesehen war der Schlossberg nie ein konfliktfreier Raum", betonte der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, Professor Karl Härter, bei der Begehung des Schlossbergs am Sonntagnachmittag. Anlass für die öffentliche Begehung ist die Flurneuordnung, die wiederholt zum Konfliktgegenstand unterschiedlicher Interessen geworden war.

"Wir lehnen die Flurneuordnung nicht völlig ab, wollen aber die historisch-kulturelle Bedeutung des Schlossbergs entsprechend berücksichtigt sehen", sagt Härter. Darum habe man sich gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde und der Stadt Heppenheim beim Amt für Bodenmanagement bemüht, das für die Flurneuordnung zuständig ist. "Ich bin optimistisch, dass unsere Einwände Berücksichtigung finden", erklärt Härter.

Falsch sei es dennoch, an nur einem historisch geprägten Bild des Schlossbergs festzuhalten, der im übrigen nicht der Heppenheimer "Hausberg", sondern der "Berg der Herrschaft" sei, auf dem die Burg und damit auch die Repräsentanten des Burgherren residierten. "Der Schlossberg hat sein Gesicht ständig verändert und ist ein sehr dynamischer historischer Kulturraum", stellt Härter klar. Historisch wertvolle Spuren dieser Veränderungen müssten jedoch erhalten werden.

Begonnen hatte die Begehung, die unter großem Interesse der Heppenheimer Bevölkerung stattfand, am Denkmal für die ehemalige Heppenheimer Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 vernichtet wurde. Bis auf wenige Treppenstufen verschwand das von Heinrich Metzendorf geplante Ensemble, auf das eine Tafel am Eingang des Starkenburgwegs verweist. Direkt neben dem Aufgang präsentiert sich am Eisenpfad ein Bildstock aus dem Jahre 1746

Derzeit zeigt sich der schmale Pfad, der um 1479/80 zum ersten Mal erwähnt wurde und wahrscheinlich als Umdeutung des mundartlich gesprochenen "äußeren Pfades" zum "eisernen Pfad" wurde, noch unverändert schmal und urtümlich. "Im Rahmen der Flurneuordnung soll er allerdings auf 3,50 bis 4 Meter verbreitert werden", erklärte Karl Härter. Damit verschwänden jedoch auch die Reste des Aufgangs zur ehemaligen Synagoge. Zudem müsste der Bildstock versetzt werden.

Die einzig verbliebenen Reste der ehemaligen Synagoge zu zerstören, scheint aus Sicht des Historikers Härter problematisch. "Besonders die erhaltenen Konsolensteine spiegeln die Lage der Synagoge am Burgberg wieder, die Metzendorf hier bewusst in die Architektur aufgenommen hat", so Härter am Sonntag.

Bereits der Jude Wilhelm Mainzer aus der Heppenheimer Kaufmannsfamilie Mainzer hatte bemerkt, dass es auch "ein Sakrileg" gewesen sei, beim Bau des jüdischen Gotteshauses den Bildstock mit der Madonna zu entfernen. Zwar werde das bei der Flurneuordnung nicht geschehen, doch der historisch bedeutsame Platz in direkter Nachbarschaft zur Synagoge gehe verloren. "Dieser zeigt doch, dass Christen und Juden in Heppenheim friedlich zusammen lebten und das immerhin fast 600 Jahre", betont Härter.

Entlang der anderen historischen Pfade wanderte die Gruppe am Sonntagnachmittag rund um den Schlossberg. Viele der Wege sind bereits auf dem Merian-Stich des Berges von 1620 zu erkennen, darunter der Drosselbergweg und der Kirchenpfad.

Der Drosselbergweg könnte seinen Namen dadurch erhalten haben, dass manches "Tross" an Rittern ihn hinauf zog. Er wurde 1440 als "Trosselbergkweg" zum ersten Mal erwähnt, was diese These stützt.

Der Kirchenpfad, der häufig auch Kirschenpfad genannt wird, verlief entlang der Besitzungen der Kirche, die durch die Zugehörigkeit der Burg zum Kloster Lorsch über ausgedehnte Besitzungen verfügte. Lediglich der Kanonenweg gehört zu den späteren Eingriffen in den Schlossberg, da er zu Beginn des Deutschen Kaiserreichs zum Abfeuern von Festkanonen eingerichtet wurde.

Dieser Kanonenweg wurde durch die Flurneuordnung bereits verbreitert und präsentiert sich nun als breite, im Eingangsbereich an den Wänden kaum begrünte Schneise gegenüber des "Gräff"-Tempels, den Kreisrat Gräff hatte um 1870 errichten lassen.

Härter plädiert dafür, an dieser Stelle wieder etwas von der Romantik auferstehen zu lassen, die sich hier im Kaiserreich verbreitete. Massiver allerdings noch bewertet der Geschichtsverein die Eingriffe in den Kirchenpfad am Schlossberg. Zwar sei dieser jetzt problemlos bis zum eigentlichen Burgweg (Starkenburgweg) begehbar, doch verfälsche die neue Streckenführung "die historische Grenze zwischen Burggut und Besitz der Bürger", wie Härter betont.

Gerade jene Stelle, an der die Einflussbereiche von Stadtbürger und Burgherren und damit auch unterschiedliche Interessen aufeinander trafen, bildete in der Geschichte den Anlass für Streitigkeiten um den Schlossberg, wie sie auch die Flurneuordnung nach sich zieht. Wichtig sei jedoch, die Interessen der beteiligten Partner unter einen Hut zu bringen. "Die fast einmalige Kombination aus Weinbau, Sozialgeschichte und Natur muss erhalten bleiben", sagt Härter.

Starkenburger Echo, echo-online, lev - 30.7.2008

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Zuletzt aktualisiert am 8.8.2008