Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Verborgene Mauern, verschwundene Türme
Tag des offenen Denkmals: Altstadtfreunde und Geschichtsverein informieren am 14. September über Heppenheims Stadtbefestigung - Laudenbacher Tor an Bensheimer verkauft

HEPPENHEIM. Am Sonntag (14.) ist der Tag des offenen Denkmals. Aus diesem Anlass laden die Heppenheimer Altstadtfreunde und der Heppenheimer Geschichtsverein alle Interessierten zu einer Altstadtführung der besonderen Art ein. Sie beginnt um 14 Uhr auf dem Kirchenplatz vor St. Peter. Unter dem Motto "Verborgene Mauern, verschwundene Türme: Heppenheims Stadtbefestigung" werden Karl Härter und Volker Scheller zu den Überresten und ehemaligen Standorten der Mauern, Türme, Tore und Gräben der historischen Heppenheimer Altstadt führen. Dabei werden auch Türen in alte verborgene Gewölbe geöffnet und hinter Häuser und Mauern geblickt. Es ist ja der Tag des "offenen Denkmals". Außerdem erhalten die Teilnehmer ein reich illustriertes Informationsblatt und anhand alter Bilder, Pläne und Quellen werden Aussehen und Funktion auch längst verschwundener Teile der Stadtbefestigung an den ehemaligen Plätzen anschaulich gemacht.

Einst war die Stadtbefestigung das Symbol für die Wehrhaftigkeit und den Reichtum einer Stadt und die besondere Stadtfreiheit, die ihre Bürger genossen. Aus alten Quellen konnten neue Erkenntnisse über die Standorte, die Größe und das Aussehen der Stadttürme gewonnen werden: So stand der Mönchsturm nicht zwischen Bogen- und Marktgasse, sondern an der nördlichen Stadtmauer und schützte das dortige Wehr, mit dem der Stadtbach auf den Graben geleitet wurde. Der Mönchsturm, der "Rote Hut" und andere Türme wurden als Gefängnisse oder sogar Wohnungen genutzt; Mauern dienten als Stütze für ein neues Haus oder sparten gar dessen Rückwand ein.

Nach Stadtbränden und bedingt durch das Wachstum der Bevölkerung mussten mehrfach neue Mauern und Türme gebaut werden. Die Stadtbefestigung entwickelte sich folglich dynamisch über viele Jahrhunderte und prägte wesentlich das "Gesicht" der Heppenheimer Altstadt. Noch heute sind Reste der Stadtmauer, Turmstümpfe und Gewölbekeller Bestandteile von Häusern. Gassen und Durchgänge richten sich nach Mauern aus, die längst verschwunden sind. Denn seit dem 18. Jahrhundert kam es vermehrt zu Streitigkeiten zwischen Bürgern und dem Rat der Stadt um die Stadtbefestigung: Mauern wurden zurückgebaut, Durchbrüche entstanden, 1823 fielen Odenwälder und Bensheimer Tor mitsamt den mächtigen Türmen. Das Laudenbacher Tor verkaufte die Stadt gar 1827 an einen Bensheimer, der es umgehend abriss.

Die etwa zweistündige Führung wird auch auf das langsame Verschwinden der Stadtbefestigung eingehen und auf das noch Vorhandene hinweisen, damit das einstige Wahrzeichen der Stadt nicht gänzlich verschwindet. Zum Abschluss wird dann ein alter Gewölbekeller an der Stadtmauer aufgesucht, wo bei einem Glas Wein Eindrücke und Erkenntnisse vertieft werden können.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 5.9.2008

nach oben
Pressespiegel
Veranstaltungen
Home

Zuletzt aktualisiert am 5.9.2008