Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Von Hirschen und Menschen
Umwelt: Michael Fettel gibt am Freitag (31.) Einblicke in die Jagdgeschichte des Lorscher Waldes: Rotwildbestand erholt sich in den Nachkriegsjahren von der Wilderei nicht mehr

HEPPENHEIM. Am 4. August 1959 wurde der letzte Hirsch im Lorscher Wald erlegt. Damit endete eine lange Jagdtradition in dem großen Waldgebiet. Fast 1400 Jahre war "der Wald" ein bevorzugtes Jagdgebiet von Äbten, Königen, Erzbischöfen, Kurfürsten Landgrafen und Großherzögen. "Hirsche und Menschen, Rotwildjagd im Lorscher Wald" lautet der Titel eines Vortrages, den der pensionierte Rektor Michael Fettel am Freitag (31.) um 19 Uhr im Heppenheimer Gasthaus "Zum Hirsch" hält. Dazu lädt der Heppenheimer Geschichtsverein ein.

Michael Fettel ist Jäger und hat über die Jagd auf den Hirsch im Ried ein geschichtliches Buch verfasst. Als Teil des ehemaligen Reichsforstes Forehahi umfasste der Lorscher Wald mit 6500 Hektar die Wälder von Lorsch, Bürstadt, Lampertheim und Viernheim. Hier gab es Lebensraum für viele Wildtiere. Der letze Wolf wurde bei Lampertheim erlegt. Neben Wildschweinen, Reh- und Damwild fühlte sich auch das Rotwild in den ausgedehnten Wäldern wohl.

Seit frühester Zeit galt die Jagd auf den Hirsch als Höhepunkt der Jägerei. Das hat Spuren hinterlassen. Sechs Jagdschlösser und mindestens zwei "Tiergärten" zur Jagdausübung sind nachweisbar. Die Hirsche des Lorscher Waldes waren begehrt. Früher waren sie Beute bei Hofjagden. Später, als Hege und Pflege im Mittelpunkt standen, lieferten sie Trophäen, die auf Jagdausstellungen Preise errangen. Die Darmstädter Großherzöge ließen an Stellen, wo sie Hirsche erlegt hatten, Erinnerungstafeln anbringen.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es noch zahlreiche Hirsche im Lorscher Wald. Von den Verlusten durch die Wilderei in der Nachkriegszeit erholte sich der Rotwildbestand jedoch nicht mehr. Der zunehmende Verkehr und die Ausdehnung der Städte forderten ihren Tribut. So kam schließlich das Ende des Rotwildes im Lorscher Wald im Jahre 1959. Im Neckartal hat sich bis heute ein Rotwild-Bestand erhalten.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 28.10.2008

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Zuletzt aktualisiert am 29.10.2008