Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Vom "Totenweg" zum Eselsberg
Grenzgang: Fünfzig Hambacher und Gäste aus Erbach nehmen an zweiter Etappe teil - Rügelisten für Holzdiebstahl

HAMBACH. Mehr als 50 interessierte Hambacher und Gäste aus Erbach nahmen kürzlich am zweiten Abschnitt des Hambacher Grenzganges teil. Bei wunderschönem Herbstwetter begrüßte Ortsvorsteherin Renate Netzer die Teilnehmer. Vor dem Start konnten sich die Wanderer mit einem von Mechthild Ludwig vorbereiteten Imbiss stärken. Der Ortsbeirat war froh darüber, dass der früher in Hambach wohnende Förster Hans-Peter Winterfeldt bereit war, die Wanderung zu leiten und auch Manfred Bräuer vom Geschichtsverein Heppenheim dazu stieß, um geschichtliche Hintergründe zu erläutern.

Der Grenzgang führte fast ausschließlich durch den Wald: Zunächst ging es vom Ausgangspunkt "Am Zollstock" zur Grenze zwischen den Gemarkungen Unter-Hambach und Zell, danach über den "Weg in den Eselsberg" zur Grenze zwischen Unter-Hambach und Gronau. Bei einem kurzen Stop am "Totenweg" wurde erläutert, dass die evangelischen Christen in Ober-Hambach nach ihrem Tod auf diesem Weg zur Beisetzung auf dem Gronauer Friedhof gebracht wurden.

Außerdem informierte der Förster über die Forstbezirke. Demnach hatte die Gemeinde Hambach 1972 vor ihrer Eingemeindung nach Heppenheim 205 Hektar eigenen Wald und 35 Hektar Privatwald - und zwar vor allem am Eselsberg, Billacker, Helfertsloch, Lindenstein, Wüsterrechen, Sommerrain und Gebüschel. Diese Bezeichnungen waren auch einigen Teilnehmern fremd.

Interessant war, dass bereits im 18. Jahrhundert in Hessen im Sinne der Nachhaltigkeit nur so viel Holz eingeschlagen werden sollte, wie nachwächst. Allerdings hielten sich nicht alle Waldeigentümer daran. So bekam Heppenheim 1807 einen Oberförster, um den "völlig ruinierten Wald wieder in eine bessere Verfassung zu bringen" und zwei Aufseher, "um das stark eingerissene Freveln zu verhindern". Zum Schmunzeln waren Winterfeldts Kostproben aus einer ehemaligen "Rügeliste": "Holzdiebstahl bei starkem Schneefall mit Hilfe eines Beiles 3 Douglasienstangen der Klasse 2a. Schaden für die Gemeinde DM 6".

Bräuer ging auf die geschichtlichen Hintergründe zu Grenzziehungen, Grenzmarkierungen und den Grenzgängen ein. Damit sollte vor allem das Wissen um die Grenzverläufe und Grenzmarken erhalten bleiben. Oft musste die männliche Jugend teilnehmen, um sich die Lage der Grenzmarken einzuprägen. Beispielsweise warf man an einem Grenzstein Geldstücke in die Luft. Die Münzen einsammelnden Knaben wurden dann mit kaltem Wasser übergossen, damit sie sich den Grenzpunkt merkten.

Beim Grenzgang musste sich zur Demonstration dieser Bräuche der kleine Simon über einen der älteren Grenzsteine beugen und der ehemalige Ortsvorsteher Jacobi deutete mit einem Stock eine der Handlungen an, die der Jugend in Erinnerung bleiben sollten. Weiter berichtete Bräuer, dass die Grenzen und ihre Markierungen als unantastbar galten und zum Beispiel auf Versetzen oder Beseitigen von Grenzsteinen drakonische Strafen standen.

Bei einer kurzen Rast an einem reichlich gedeckten Tisch am Waldrand über Ober-Hambach ging Bräuer auf eine Besonderheit der seit Beginn des 19. Jahrhunderts bestehenden Gemeinde Hambach ein: Das Gemeindegebiet setzte sich aus zwei getrennten Gemarkungen zusammen. Unter-Hambach mit 496 Hektar und Ober-Hambach mit 106 Hektar Gemarkungsfläche waren wie die anderen "Heppenheim zugewandten Dörfer" aus der Groß-Gemarkung Heppenheims herausgetrennt worden. Nach einem steilen Aufstieg erreichte die Gruppe schließlich die Eselbergshöhe.

Der bewaldete Berggipfel liegt mehr als 440 Meter über dem Meeresspiegel, betonte der Förster. Dort gefundene Kennzeichnungen eines Trigonometrischen Punktes dienten früher als Grundlage zu Landesvermessungen. Und so war es nicht verwunderlich, dass auch die Gemarkungsgrenze über diesen Bergrücken führt.

Es war schon Nachmittag, als die verwirrende Grenzführung die Wanderer um Ober-Hambach herumleitete, vorbei am Goldbrunnen, der auf Heppenheimer Gemarkung liegt, und weiter am Waldrand entlang mit herrlichem Blick auf Ober-Hambach bis hin zur Odenwaldschule. Dort waren die erschöpften Wanderer zu Gast in der Aula der Schule.

Raimund Kissel und Renate Netzer hatten dort eine Vesper vorbereitet. In gemütlicher Runde wurde erzählt und allgemein festgestellt, dass es sich gelohnt hatte, an der zweiten Etappe des Hambacher Grenzgangs teilzunehmen.

Mit einem Dank des Ortsbeirates vor allem an Manfred Bräuer, Hans-Peter Winterfeldt und Rudi Unger, der für die ganze Strecke mit seinem Traktor eine Möglichkeit bot, sich ein Stück weit fahren zu lassen, wurden die Wanderer ins Tal hinunter nach Hambach verabschiedet.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 30.10.2008

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Zuletzt aktualisiert am 30.10.2008