Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Eine Reise in klappernde Vergangenheit
Verschönerungsverein: Manfred Bräuer zeigt Bilder der Mühlen im Erbacher Tal - Die meisten weichen dem Straßenbau

ERBACH. Der Vortrag unter dem Titel "Mühlen und Flurdenkmäler im Erbacher Tal" mit Manfred Bräuer lockte überraschend viele Besucher in den Saal des Gasthofs Jäger. Für den Veranstalter, den Erbacher Heimat- und Verschönerungsverein, begrüßte Gerlinde Bannert, Vorsitzende des Stadtteilvereins, die über 50 Gäste und den Referenten, der sich seit einigen Jahren mit der Geschichte seiner Erbacher Heimat befasst.

Aus seiner umfangreichen Bildsammlung hat Manfred Bräuer seinen Vortrag zusammengestellt. Einige der aus privaten Beständen stammenden Bilder wurden erstmals öffentlich präsentiert, und so entstand eine umfassende Bild-Chronik insbesondere über die fünf Mühlengebäude im Erbacher Tal.

Zum Einstieg seiner Bilderschau erläuterte Bräuer den ehemaligen Verlauf der von der Ludwigstraße nach Erbach führenden Straßen und Wege und die Standorte der Mühlen. Auf großes Interesse stießen die Aufnahmen der teilweise mehrere Jahrhunderte alten Mühlengebäude.

Die unterste Mühle wurde bereits 1768 als sogenannte Kellersmühle erwähnt. Später wurde die Mühle nach ihrem Besitzer auch als Lindheimersmühle bezeichnet. Sie hatte durch das geringe Wasser des Erbachs nur ein Rad zum Antrieb.

Das Mühlrad ist in einem von 1858 stammenden Gemälde von August Lucas abgebildet. Spätere Darstellungen zeigen die Mühle ohne das Mühlrad. Vor seinem Abbruch im Zuge des Straßenbaus im Jahr 1964 wurde das Anwesen von Bediensteten des psychiatrischen Krankenhauses bewohnt.

Ebenfalls 1964 wurde die "Kohlsmühle" Opfer des Abrissbaggers. Die ehemals "Untere Wamboltsmühle" stand östlich der über den Erbach führenden Brücke zum Mausnestweg. Auch die dritte Mühle war im Besitz der Freiherren Wambolt von Umstadt, bevor sie 1867 in die Hände der Familie Mang überging.

Diese Mühle hatte eine Besonderheit: das Mühlrad befand sich im Mühlengebäude. Der Gebäudekomplex der "Mangsmühle" verschloss fast den ganzen Talgrund. So blieb für die Straße nur ein enger Durchlass. Anlass genug, die Gebäude 1974 wie auch die der talaufwärts folgenden "Vockemühle" zu Gunsten einer besseren Straßenführung abzubrechen.

Die jüngste der Mühlen im Erbacher Tal wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts im sogenannten "Kühlen Grunde" errichtet. Sie wurde durch ihre romantische Lage Motiv zahlreicher Ansichtskarten.

Das später als "Lohsche Mühle" bezeichnete Gebäude wurde zum Gasthaus "Zur alten Mühle" und "Zum Mühlrad". Das Anwesen steht heute unter Denkmalschutz ebenso wie das in unmittelbarer Nähe am Eingang zur "Wolfsschlucht" stehende "Rote Kreuz".

Dieses Wegekreuz aus dem namensgebenden roten Sandstein wurde wie das "Fichtenkapellchen" im 18. Jahrhundert durch den Heppenheimer Ratsherren Johann Peter Werner und seiner Frau gestiftet.

Bilder weiterer Feldkreuze in der Erbacher Gemarkung rundeten den Vortrag ab. Mit einem Hinweis auf die im nächsten Frühjahr (26.4.) geplante Wanderung von der Erbachmündung bis nach Erbach beendete Manfred Bräuer seinen mit viel Interesse und dankbarem Beifall aufgenommen Bildervortrag.

Im Anschluss daran bestand noch Gelegenheit zu Fragen und zum Meinungsaustausch. Aus dem Publikum wurde vor allem auch Bedauern über den schlechten Zustand der im Erbacher Tal befindlichen touristischen Ziele geäußert.

Die im Jahr 1896 mit Unterstützung des Heppenheimer Verschönerungs-Vereins geschaffenen Plätze "Im Kühlen Grund" und "Louisenplatz", der über die "Wolfsschlucht" erreichbare "Philosophenplatz", der "Philosophenweg" zum "Liebigsplatz" sowie die "Annaruhe" könnten in einem besseren, touristisch aufgewerteten Zustand sein.

Starkenburger Echo, echo-online, e - 4.12.2008

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Zuletzt aktualisiert am 4.12.2008