Mosaiksteine regionaler Historie Jubiläum: Heppenheimer Geschichtsverein besteht seit 50 Jahren - Feier im Kurfürstensaal - Hinweis auf ältere Wurzeln
HEPPENHEIM. Sie verstehen ihre Arbeit als Klammer zwischen historischer Forschung und populärem Geschichtsinteresse. Dazu knüpfen Geschichtsvereine an regionalen Gegebenheiten an, sammeln Quellen als Alltagszeugnisse, erforschen die eigene Stadtgeschichte und publizieren für ein Publikum vor Ort. In Heppenheim besteht ein solcher Geschichtsverein, der am Freitagabend im Kurfürstensaal sein 50. Jubiläum feierte, seit dem Jahr 1959.
Der Vorsitzende des Vereins, Professor Karl Härter, der zugleich Festredner bei der Jubiläumsveranstaltung am Freitag war, verwies jedoch auf die älteren Wurzeln des Heppenheimer Geschichtsvereins. Von der Initiative insbesondere des in Darmstadt tätigen Archivars Ferdinand Koob getragen, gab es bereits vor 1959 Bemühungen, die Regionalgeschichte in den Mittelpunkt der Heppenheimer Öffentlichkeit zu stellen.
"Im Grunde kann bereits die Gründung des Verschönerungsvereins 1866, der später zum Verkehrs- und Heimatverein wurde, als Weg in diese Richtung verstanden werden", betonte Härter. Ihm folgte 1910 der Museumsverein, der sich ebenfalls mit lokalgeschichtlichen Belangen der Stadt und der Region beschäftigte. 1924 entstand auf dieser Grundlage die historische Beilage "Die Starkenburg", die Ergebnisse der heimatgeschichtlichen Forschungen in der Regionalzeitung publizierte.
Den ersten zaghaften Versuchen, die von der akademischen Wissenschaft lange vernachlässigte und fast abschätzig behandelte Lokalgeschichte in Heppenheim zu intensivieren, folgte deren Niedergang im Nationalsozialismus. "Dort war kein Platz für die lokale Stadtgeschichte, die den Nationalsozialisten nicht ins Konzept passte", berichtete Härter. Für das Jahr 1936 seien die letzten Aktivitäten des Museumsvereins nachzuweisen, danach verschwanden die Lokalhistoriker zunächst von der Bildfläche.
"Doch nach dem Krieg hatte sich Heppenheim eine Geschichtskultur bewahrt und war auch äußerlich vom Nationalsozialismus verschont geblieben", sagte Härter in seinem Festvortrag.
Damit seien die Voraussetzungen für eine Anknüpfung an die Bemühungen 1949 "geradezu ideal" gewesen. Realisiert wurde die Neubelebung der Forscheraktivitäten zunächst durch die Wiederaufnahme der Beilage "Die Starkenburg".
Institutionell war die Heimatforschung jedoch noch nicht aufgestellt. Einen der prominentesten Vertreter der regionalgeschichtlichen Forschung im südhessischen Raum stellte der gebürtige Mainzer Heinrich Winter dar. Doch Winter verfolgte bei der Auseinandersetzung mit der Lokalgeschichte einen über Heppenheim hinaus gerichteten Ansatz. "Schaut man sich die Einladungen zur Arbeitsgruppe von Winter an, so sind kaum Heppenheimer Namen zu finden", erklärte Härter. Das machte die Aktivitäten für Heppenheimer wenig attraktiv.
"Winters Konzeption war nur bedingt zu realisieren", schlussfolgerte Härter. Kaum hatte die Arbeitsgruppe mit der Arbeit begonnen, war das Projekt schon wieder vorbei. 1957 zog Archivar Ferdinand Koob seine Lehren und rief den Arbeitskreis zur Erforschung der Geschichte der Stadt Heppenheim ins Leben. "Im Grunde war das eine Art städtische Gründung", sagte Härter. Daraus entwickelte sich im Februar 1959 der Geschichtsverein, dessen erster und bis zu seinem Tod 1972 prägender Vorsitzender Ferdinand Koob wurde.
Dass es sich beim Geschichtsverein um eine männliche Domäne gehandelt habe, wies Härter am Freitag zurück. "Unter den 48 Gründungsmitgliedern waren 11 Frauen", betonte der Vorsitzende des Vereins. Die prägenden Gestalten des Geschichtsvereins, die intensiv das Feld der Lokalgeschichte beforschten, waren indes doch die männlichen Vertreter des Vereins, darunter Koob, Willy Lizalek, Rudolf Kunz oder Heinrich Heß. Zumeist engagierten sich Archivare oder Lehrer, die über das nötige historische Fachwissen verfügten.
Doch im Blick hatten die Lokalhistoriker nicht die akademische Fachöffentlichkeit, sondern die Bürgerinnen und Bürger aus Heppenheim und der Umgebung. Dass dort das historische Erbe groß ist, betonten auch die Gratulanten und Gastredner am Freitagabend, darunter Landrat Matthias Wilkes, Bürgermeister Gerhard Herbert und Stadtverordnetenvorsteher Philipp-Otto Vock. Wilkes machte deutlich, dass die Forschungen "im Kleinen" letztlich dazu beitragen, einem Mosaik gleich ein Gesamtbild der regionalen Geschichte zu erhalten.
Starkenburger Echo, echo-online, lev - 2.3.2009
|