Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Nur die "Lohsche Mühle" hat überlebt
Geschichtsverein: Manfred Bräuer referiert über eine untergegangene Welt

Zu Beginn der diesjährigen Mitgliederversammlung des Heppenheimer Geschichtsvereins (wir haben berichtet) stand, wie immer, ein heimatgeschichtlicher Vortrag auf dem Programm. Dieses Jahr führte Vorstandsmitglied Manfred Bräuer zu den Mühlen des Erbacher Tales. In mühevoller Kleinarbeit hat er die schriftlichen und bildlichen Quellen ausgeschöpft und in seinem Beitrag verarbeitet.

Bräuer begann mit der Darstellung der größten Mühle im Erbacher Tal, der "Lindheimersmühle", benannt nach einem früheren Besitzer. Sie war auch die älteste Mühle im Erbacher Tal. Erstmals findet sie sich 1768 in den Akten, war aber vermutlich älter. Nachdem der Mühlenbetrieb eingestellt worden war, diente sie als Wohnung für Pflegekräfte des Psychiatrischen Krankenhauses. Als 1964 die Straße nach Erbach ausgebaut wurde, fiel sie der Spitzhacke zum Opfer.

Die Freiherren von Wambolt, zu deren Besitzungen auch Birkenau gehörte, hatten sich ein wahres Mühlenimperium aufgebaut. 40 bis 50 Mühlen befanden sich in ihrem Besitz. Auch im Erbacher Tal betrieben sie zwei; die untere, als "Kohlsmühle" bekannt, wurde erstmals 1768 erwähnt. Nach häufigem Besitzwechsel ging sie schließlich in den Besitz von Jean Wegmann über. Auch sie fiel 1964 dem Straßenausbau zum Opfer. Die "Mangsmühle" wurde 1716 als Obere Wamboltsmühle erwähnt. Als Besonderheit galt hier, dass das Mühlrad innerhalb des Mühlgebäudes untergebracht war. Nach zahlreichem Besitzerwechsel wurde auch diese Mühle 1974 beim Staßenausbau abgebrochen.

Die vierte Mühle im Tal war die "Vockemühle" gegenüber der Einmündung des Katzenpfades auf die Straße nach Erbach. Der Pfad war zugleich der Weg der Erbacher Kirchgänger nach Heppenheim. Die mächtigen Gebäude der um 1811 erbauten Mühle fielen 1974 im Zuge der Straßen- und Wasserbauarbeiten im Erbacher Tal dem Abbruchbagger zum Opfer.

Das einzige Mühlgebäude, das die Zeitläufte überlebte, ist die "Lohsche Mühle". 1807 als Mahlmühle erstmals erwähnt wandelte sie ihr Besitzer in eine Gaststätte um. Unter dem Namen "Zum Kühlen Grund" und "Zur Alten Mühle" wurde sie bekannt. So mancher Gast aus deutschen Landen verbrachte hier seinen Urlaub. Bei dem heutigen starken Verkehr auf der Landesstraße nach Erbach nicht mehr vorzustellen. 1909 sprach der Heppenheimer Verschönerungsverein, der Vorläufer des heutigen Verkehrs- und Heimatvereins, dem damaligen Besitzer Reinhold Pathe Dank und Anerkennung aus, dass er das Mühlrad wieder erneuert hatte. Es diente lediglich der Illusion und hatte keine Funktion mehr. Übrigen baute das Heppenheimer Technische Hilfswerk 1964 ein neues Mühlrad, das aber nicht recht funktionieren wollte. Heute ist es verschwunden.

Die Lohsche Mühle ist, so Manfred Bräuer, eines der am häufigsten vertretenen Motive auf Heppenheimer Bildpostkarten. Die Zuschauer konnten sich davon überzeugen. Außerdem konnten viele Bilder aus Privatbesitz gesichert werden. Eine Auswahl davon zeigte Manfred Bräuer den interessierten Zuhörern und Zuschauern. Denn es war kein "trockener" Vortrag. Viele Bilder aus alter Zeit und Dokumente zur Geschichte der Mühlen lockerten ihn auf.

Da der Erbach auch in alten Zeiten nicht viel Wasser geführt hat, war die Produktion der Mühlen sehr eingeschränkt. Dazu kam, dass die Erbacher Bauern in Trockenzeiten das Wasser des Erbachs auf ihre Wiesen leiteten um sie zu bewässern. Ein Brauch, der zu zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen führte, die aber immer von den Erbachern gewonnen wurden. Ein Wasserrecht wie bei anderen Bächen, das den Müllern das alleinige Recht der Wassernutzung zugestand, existierte nicht.

Neben der Geschichte der Mühlen schnitt Manfred Bräuer noch zahlreiche andere interessante Aspekte an: So die Versorgung des Marktbrunnens mit Erbacher Wasser und den Versuch, bei Feuer Wasser des Erbaches zu nutzen, indem man Bachwasser in die Wasserleitungen der Kreisstadt einspeiste. Dieses Unterfangen wurde allerdings vom Großherzoglichen Gesundheitsamt verboten.

Lang anhaltender Beifall belohnte den Referenten für seinen gelungenen Vortrag.

Starkenburger Echo, echo-online, hjb - 7.5.2009

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Zuletzt aktualisiert am 9.5.2009