Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Von der Mündung bis zur Quelle
Wanderung: Heimat- und Verschönerungsverein folgt dem Lauf des Erbachs - Ein Überblick über die Geschichte

Zu einer Wanderung von der Erbachmündung bis zur Erbachquelle hatte der Heimat- und Verschönerungsverein Erbach eingeladen. Trotz Brennnesselkerb und Autorennen mit Heppenheimer Beteiligung durfte sich die Vorsitzende des Vereins, Gerlinde Bannert, über eine stattliche Schar Interessierter freuen. Manfred Bräuer hatte es übernommen, die Teilnehmer zu führen und einen Überblick über die Geschichte des Erbachlaufs und der fünf Mühlen zu geben, die der Bach einst antrieb. Heppenheimer Mühlen übrigens, denn in Erbach selbst gab es keine.

"Ein Bächlein, die Erbach, kommt von Erbach fangt sich in selbigem Thal, gehet auch in die Weschnitz, hat kein Fisch darinn." So lautet die älteste bekannte Beschreibung des Bächleins im Jurisdiktionalbuch des Oberamtes Starkenburg von 1668. Auf alten Karten mündet der Erbach noch in die Weschnitz; später erfolgte seine Einleitung zusammen mit dem Schwarzen Graben in den Stadtbach. Erst in der in den dreißiger Jahren vorgenommenen Feldbereinigung wurde die heutige Erbachmündung nahe der Tuchbleiche angelegt.

Nach der kurzen Einführung ging es los. Dort, wo der Erbach seinen alten Lauf verlässt, am Erbachbogen, befindet sich heute eine Überlaufschwelle, die das Hochwasser des Gewässers, wenn der Stadtbach es nicht mehr aufnehmen kann, in den Bruch ableitet.

Bei der weiteren Wanderung wurde sichtbar, dass der Bachlauf eine Säuberung gut vertragen könnte. Müll und Äste hemmen sichtbar den Abfluss des Wassers.

Nächster Halt war die Kreuzung des Bachlaufs mit der Ludwigstraße. Wo einst der Erbach malerisch dahin plätscherte, wurde 1964 mit dem Ausbau der Landesstraße nach Mörlenbach begonnen. Dies veränderte die Landschaft.

Der Bachlauf verschwand unter der Erde und die Gebäude der Lindheimersmühle fielen dem Ausbau zum Opfer. Als Kellers-mühle taucht sie bereits um 1700 in den Akten auf. Ihren Namen verdankte sie dem Frankfurter Johann Justus Lindheimer, der sie 1798 erwarb.

Weiter führte der Weg zu den Plätzen, auf denen einst die beiden Mühlen der Freiherrn von Wambolt standen. Die Freiherrn hatten ein Mühlenimperium von über 50 Mühlen im gesamten Odenwald aufgebaut. Die beiden Heppenheimer Mühlen sind unter den Namen Kohlsmühle und Mangsmühle bekannt. An dem Platz, an dem einst die Mangsmühle stand, konnten sich die Wanderer stärken und einen erfrischenden Trank zu sich nehmen. Bei dem strahlenden Sonnenschein eine willkommene Abwechslung.Versteckt konnte im Erbachlauf ein kleiner Wasserfall entdeckt werden.

Bei so viel Wasser tauchte natürlich auch die Frage der Wasserversorgung der Kreisstadt auf. Schon in alten Zeiten erhielt der Marktbrunnen sein Wasser aus dem Erbacher Tal. Eine Wasserleitung aus Holzrohren versorgte den Brunnen. Später wurde überlegt, im Brandfall Wasser des Erbachs in die Heppenheimer Wasserleitung einzuspeisen. Die Vorrichtung wurde aber vom Großherzoglichen Gesundheitsamt verboten und musste wieder entfernt werden.

Allerdings bezog und bezieht die Kreisstadt einen Teil ihres Trinkwassers aus den Quellen in der Gemarkung Erbach. Bereits 1926 wurde dieses zwischen der selbstständigen Gemeinde Erbach und der Stadt Heppenheim vertraglich geregelt.

Auch von der 1811 erstmals erwähnten Vockemühl ist nichts mehr zu sehen. Sie wurde im Zuge des Straßenausbaus 1974 abgebrochen. Zu eng war es hier. Weiter führte der Weg zu dem einzigen noch erhaltenen Mühlengebäude, der Lohschen Mühle, benannt nach einem ehemaligen Besitzer. Der Name "Zum Kühlen Grund" für die hier ab 1908 konzessionierte Gast- und Gartenwirtschaft war nicht von ungefähr gewählt ist hier doch einer der kältesten Orte im Erbacher Tal. Trotzdem war das Haus eine beliebte Pension. Heute ist das unter verschiedenen Namen wie "Zur Alten Mühle" oder "Zum Mühlrad" betriebene Gasthaus geschlossen.

Das riesige Mühlrad von einst ließ der Besitzer durch ein kleineres ersetzen. Dafür sprach ihm 1909 der Heppenheimer Verschönerungsverein, der Vorläufer des Verkehrs- und Heimatvereins, seinen Dank aus. Förderte doch das Rad die Romantik des Platzes und die Herstellung einer Vielzahl von Ansichtskarten, die das idyllisch gelegene Gebäude abbildeten. Eines hatte dieses Mühlrad mit seinem Nachfolger von 1964 gemein: Beide dienten der Verschönerung des Gebäudes, trieben aber kein Mühlwerk mehr an. Im Gelände vor der Wolfsschlucht sind noch Spuren der ehemaligen Zuleitung zum Mühlrad zu erkennen. Entlang des nun frei fließenden Erbachs ging es zur Einmündung der Geißwiese. Hier kommt ein kleiner Zulauf aus dem Seitental in den Bach. Am Fichtenkapellchen und dem Löwenbrunnen vorbei ging es nach Erbach. Auch hier gab es Interessantes zu berichten.

Unter anderem erfuhren die Teilnehmer, dass in alten Zeiten die Aufgabe das Bachbett zu säubern, am Kerwemontag öffentlich versteigert wurde. Da die Zeit schon fortgeschritten war, wurde beschlossen, den Besuch des Quellgebietes des Erbachs auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.

Auf dem gegenüber der alten Schule gelegenen Dorfplatz, unweit des offenen Bachlaufs, konnten sich die Teilnehmer der überaus interessanten Wanderung am Erbach entlang mit kühlen Getränken und deftigen Speisen stärken. Der Erbacher Heimat- und Verschönerungsverein hatte dazu eingeladen.

Starkenburger Echo, echo-online, hjb - 9.5.2009

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Zuletzt aktualisiert am 9.5.2009