Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Gedenken an namenlose Demokraten
Feierstunde: Tafel für die Opfer des "Heppenheimer Gefechts" 1849 enthüllt

Seit Pfingstsamstag erinnert eine Gedenktafel in der Ehrenmalanlage am Graben an Angehörige der badisch-pfälzischen Revolutionsarmee, die ihr Eintreten für Freiheit und ihre Forderung nach einer demokratischen Verfassung für ein Deutschland in Einheit beim "Heppenheimer Gefecht" vom 30. Mai 1849 mit dem Leben bezahlen mussten.

Über dem tragischen Ereignis dieses Tages lag viel zu lange der Schleier der Geschichte. Dass der nun auf den Tag genau 160 Jahre später sowohl in übertragenem als auch in praktischem Sinne gelüftet wurde, ist dem Geschichtsverein und den Altstadtfreunden zu verdanken. Neben deren Vorsitzenden Professor Karl Härter und Volker Scheller nahmen Landrat Matthias Wilkes (CDU) und Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) den symbolischen Akt der Enthüllung vor.

Auf der vom Granit- und Syenitwerk Josef Schmitt gestalteten Tafel ist in Stein gemeißelt nachzulesen, was die Männer der Revolutionärsarmee antrieb: "Für Freiheit, Einheit, Demokratie und Verfassung Deutschlands." Darüber steht: "Zum Gedenken an das Heppenheimer Gefecht vom 30. Mai 1849." Über die sich vom alten Zollhaus bis Hemsbach ziehende Kampfhandlung und die politischen Hintergründe hat Karl Härter ebenso ausführlich im ECHO berichtet wie über die enge Verflechtung des Geschehens mit der Heppenheimer Versammlung im "Halben Mond" (Oktober 1847) und mit der in Frankfurt zusammengetretenen Nationalversammlung.

Zur Erinnerung: Das so genannte "Paulskirchenparlament" hatte im März 1849 die erste freiheitlich-demokratische Verfassung Deutschlands auf den Weg gebracht, die in ihrer Umsetzung dann aber doch scheiterte. Die Herren des Adels hielten unbeirrt an der Kleinstaaterei fest; mit der Folge, dass das Volk auf die Barrikaden stieg. Das "Heppenheimer Gefecht" steht beispielhaft dafür.

Reaktionen auf Karl Härters Zeitungsbeitrag lassen den Schluss zu, dass viele Leser bis dato zwar ganz gut übers Ober-Laudenbacher, aber wenn überhaupt nur bruchstückhaft übers "Heppenheimer Gefecht" Bescheid wussten. Die Volksversammlung im Stadtteil, bei der nur eine Woche zuvor (24. Mai) neben dem Provinzialcommissär Christian Prinz 13 Freischärler aus dem Odenwald umkamen, nimmt in Chroniken viel breiteren Raum ein, lieferte sogar Stoff für ein komplettes Buch.

Möglicherweise hängt die weit verbreitete Unkenntnis damit zusammen, dass es sich bei den 5000 von Mannheim nach Frankfurt aufgebrochenen und in Heppenheim gestoppten Freiheitskämpfern überwiegend um nichthessische "Ausländer" handelte und die namentlich unbekannten Opfer aus ihren Reihen keine "Landeskinder" aus dem Darmstädter Großherzogtum waren. Zeitgenössischen Angaben zufolge fanden, wie Härter erläuterte, mindestens 17, möglicherweise sogar 52 Revolutionäre vor Heppenheims Toren den Tod.

Dass man im Landratsamtsgarten für die elf beim gleichen Gefecht gefallenen Angehörigen hessischer Regierungstruppen schon bald nach dem 30. Mai 1849 vier Gedenksteine errichtete, das Schicksal der Aufständischen aber negierte, entsprach obrigkeitsstaatlichem Handeln. Der Großherzog dachte nicht im Entferntesten daran, den als Volksaufwieglern gescholtenen Vorkämpfern der Demokratie eine Opferrolle zuzubilligen. Umso bemerkenswerter ist es, dass die neue Tafel genau zwischen den Granitblöcken einen Platz gefunden hat, mit denen der Soldaten gedacht wird. Mit der Zuordnung werde, so Härter, ganz bewusst die seinerzeitige "Zerrissenheit Deutschlands symbolisch deutlich gemacht".

Die Ideen, für die in Heppenheim namenlose Demokraten starben, lebten ungeachtet dessen weiter. Der Vorsitzende schlug einen zeitlichen Bogen: "Es dauerte allerdings bis 1949, um eine beständige demokratische Verfassung und bis 1989, um die Einheit Deutschlands zu verwirklichen." Auch in diesem Sinne, sagte Härter, verstehe er die Gedenktafel als ein wichtiges Zeichen demokratischer Erinnerungskultur.

Starkenburger Echo, echo-online, Fritz Kuhn - 2.6.2009

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Zuletzt aktualisiert am 26.9.2009