Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Die Raser sind fort aus dem Ort
Ausstellung: "25 Jahre Ortsumgehung Erbach" - Hervorragender Besuch zum Auftakt - Viel Lob für Manfred Bräuer

ERBACH. Zur Feier des Tages wurden in Erbacher Lagen gelesene und im Rothermelshof gekelterte Weine in den hessischen Landesfarben rot und weiß kredenzt. Ausgeschenkt wurde er aus Flaschen mit dem Etikettenaufdruck "25 Jahre Ortsumgehung".

Grund zum Anstoßen hatte die Festgesellschaft am Donnerstagabend mehr als genug. Zugeprostet wurde dabei insbesondere Manfred Bräuer. Die Auftaktveranstaltung zu der von ihm initiierten sowie von Ortsbeirat, Verschönerungsverein und Förderverein unterstützten Ausstellung hätte kaum besser laufen können atmosphärisch locker und dennoch auf höchstem Niveau.

"Langsam gehen uns hier die Gläser aus", brachte stellvertretende Ortsvorsteherin Ulla Hammann (CDU) das Interesse auf einen zahlenmäßig griffigen Punkt. Mit 80 Gästen, die zur Eröffnung in den Multifunktionsraum der Mehrzweckhalle gekommen waren, hatten selbst größte Optimisten nicht gerechnet.

Ortsvorsteher Markus Bauer (CDU) sah in dem Interesse ein gutes Omen fürs Wochenende und ermunterte noch Unentschlossene dazu, den Premierebesuchern zu folgen. "Wer sich diese Ausstellung entgehen lässt, versäumt etwas und ist selbst dran Schuld", sagte er in seinem Willkommensgruß. Das größte Lob zollte der Redner Manfred Bräuer: "Ein Glücksfall für unser Erbach."

An den von ihm zusammengetragenen Exponaten, 250 an der Zahl, lässt sich bis zurück in die fünfziger Jahre eine Entwicklung nachvollziehen, die weit über Erbach hinaus Bedeutung hat und mit der Heppenheims Funktion als Kreisstadt nachhaltig gestärkt wurde.

Dass ein "Tatzelwurm", hinter dem sich der Legende nach ein ziemlich bösartiges Biest verbirgt, auch Gutes bewirken kann, werden die Erbacher gerne bestätigen.

Manfred Bräuer ließ mittels Powerpoint-Präsentation die einzelnen Stationen bis zur Verkehrsfreigabe Revue passieren und rückte dabei auch vorausgegangene Maßnahmen ins rechte Licht, so die Fortführung der vorher am Heppenheimer Friedhof endenden Talstraße bis zur B 3, den Abriss vier ehemaliger Mühlengebäude, die Beseitigung von Engpässen und schließlich den Planfeststellungsbeschluss (1975), dem bis zur Erlangung seiner Rechtskraft allerdings noch zahlreiche Einsprüche folgen sollten. Es war ein langer und beschwerlicher Weg, bis alle Hürden genommen werden konnten. Die ersten Bagger rückten in den Bereichen Hasenberg und Geißwiese ("Gaaßewiss") an. Am 24. September 1984, mithin vor 25 Jahren, dann der große Tag: Einweihung.

Dass der Übergabefeier nur "Promis" beiwohnten und die Öffentlichkeit ausgeschlossen war, führten Naturschützer und Heimatpresse unisono auf das "schlechte Gewissen" von Politikern und Behördenvertretern zurück. Zu radikal und zu massiv seien die Eingriffe ins Landschaftsbild: "Ein teurer und zu hoher Preis."

Die hochschlagenden Wogen der Erregung hatten sich allerdings bald gelegt. Manfred Bräuer erinnerte in diesem Kontext an die Erbacher Fastnacht 1985, bei der Karl Bangert nur wenige Monate nach der Einweihung den Stimmungsumschwung in närrische Zeilen goss: "Ringsum um unseren schönen Ort hält sie (die Umgehung) uns fremde Raser fort. So hat der Wurm doch seinen Wert, macht uns das Leben lebenswert."

Lebenswerter ist inzwischen auch das Leben im benachbarten Sonderbach geworden. Mörlenbachs Ehrenbürgermeister Ludwig Marquart (CDU) erinnerte in seinem Grußwort daran, dass erst mit der Umgehung Voraussetzungen für den Bau der Röhrig-Werkstraße geschaffen wurden: "Das Letzte wäre ohne das Erste nicht möglich gewesen."

In seinem Rückblick würdigte Marquart besonders Erbachs ehemaligen Ortsvorsteher Georg Umhauer und den Heppenheimer Bürgermeister Wilhelm Metzendorf: "Sie sind die wahren Väter dieser Umgehung, mit der man das Tor zum Odenwald weit geöffnet hat."

Ein Wegbegleiter der beiden, der 90 Jahre alte Ehrenstadtverordnete Ernst Lulay, weilte ebenfalls unter den Gästen und bereichert die Ausstellung mit Aquarellbildern aus dem Erbacher Tal. Glückwünsche zur Dokumentation eines wichtigen Stücks Zeitgeschichte übermittelten außerdem Stadtrat Helmut Bechtel (SPD) namens des Magistrats, Klaus Schaab (Ober-Laudenbach) in seiner Eigenschaft als Chef des seinerzeit mit den Bauarbeiten beauftragten Unternehmens, Kreisbeigeordneter Gunther Bistritschan (CDU) für den Landrat sowie Gerhard Benner, damals Leiter des Straßenbauamtes in Bensheim.

Benners Nachfolger Andreas Moritz komplettierte die Rednerliste und nutzte diese Gelegenheit zu einem rhetorischen Schlenker auf die "Endlosgeschichte" um die B 38 bei Mörlenbach: "Die Menschen dort wären froh, wenn man sie wie die Erbacher endlich entlasten würde."

Starkenburger Echo, echo-online, fk - 26.9.2009

Ausstellung L3120

Blick in die Ausstellung

Starkenburger Echo, Foto: Lutz Igiel (www.lugfoto.de)

nach oben
Pressespiegel
Veranstaltungen
Home

Zuletzt aktualisiert am 26.9.2009