Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Brückenschlag vom Einst ins Jetzt
Neuerscheinung: Publikation zum 50. Jubiläum des Geschichtsvereins - Auf 116 Seiten geballte Heppenheimer Geschichte

Ansprechend gestaltet, inhaltlich aufschlussreich und auch für den historisch weniger versierten Leser verständlich geschrieben ist das Festbuch, das der Geschichtsverein Heppenheim zu seinem fünfzigsten Geburtstag herausgegeben hat. Dafür, dass die Schrift nach dem Jubiläum 2009 mit einjähriger Verspätung erschienen ist, gibt es eine ebenso einfache wie einleuchtende Erklärung: dem Vorstand war daran gelegen, auch noch den Verlauf der Festveranstaltungen aufzunehmen.

Niederschlag fand das Bemühen in zwei Beiträgen. Dokumentiert wird die "akademische Feierstunde" im Kurfürstensaal und die vom Vorsitzenden Karl Härter gehaltene Festrede, in der für sich allein genommen alle für Heppenheims wechselvolle Geschichte relevanten Zahlen, Daten, Fakten zusammengefasst sind - ein Brückenschlag vom Einst ins Jetzt.

Herausgeber, Autoren und Layouter haben gut daran getan, auf übermäßigen grafischen Schnickschnack zu verzichten und stattdessen die Information in den Vordergrund zu stellen. Einen "Bleifriedhof", unter dem in Anlehnung an frühere Produktionstechniken die Aneinanderkettung reiner Textseiten zu verstehen ist, haben sie dennoch vermieden. Über 80 zum Teil im Vierfarbdruck reproduzierte Fotos, zahlreiche Zeitungs- und Protokollausschnitte sowie historisches Kartenmaterial lockern die Beiträge auf.

Insgesamt 156 Abbildungen setzen Anreizpunkte zum Weiterlesen und tragen dazu bei, die Komplexität der Themen besser erfassen zu können. Gemessen am Umfang von 116 Seiten, ist dies eine außerordentlich hohe Quote. "Bescheidenheit ist eine Zier", sagt der Volksmund, fügt im Nachsatz aber gleich hinzu: "Doch weiter kommt man ohne ihr." Dass der Geschichtsverein nur von einer Broschüre spricht, ist eine glatte Untertreibung, auch wenn seiner Veröffentlichung ein fester Einband fehlen mag - was natürlich eine Kostenfrage ist. Andererseits macht ein Umschlag in Leinen oder gar Leder allein noch lange kein "richtiges Buch" aus. Es kommt immer noch auf die Inhalte an.

So betrachtet, verbietet sich der Begriff Broschüre, weil mit ihm gedanklich immer eine Nähe zu Katalogen und anderen Werbeschriften verbunden wird. Reklame im Sinne des Wortes macht der Geschichtsverein lediglich für sein Hauptanliegen, der Aufarbeitung historischer Hintergründe.

In den einleitenden Grußworten, fünf an der Zahl, trifft Landrat Matthias Wilkes den Kern: "Wer die Wurzeln kennt, kann bewusst in der Gegenwart leben und auch die Zukunft gestalten."

Das Zitat war mit Sicherheit auch Ausgangspunkt für die Überlegungen des Herausgebers. So erläutert er im zweiten Teil seiner "Broschüre", dass er schon in der Vergangenheit die Verästelungen dieses von Wilkes beschriebenen Wurzelwerks sichtbar gemacht hat. Hans-Joachim Büge erinnert dabei an die schon seit 1924 erscheinende Zeitungsbeilage "Die Starkenburg" sowie an die ebenfalls federführend vom Geschichtsverein bearbeiteten Publikationen "900 Jahre Starkenburg", "1200 Jahre Mark Heppenheim" und an seine mit ungeheuer viel Recherchearbeit zusammengestellten "Sippenbücher". Maßgeblich beteiligt war der Jubilar außerdem am Festbuch "1250 Jahre Heppenheim" (2005), für dessen Herausgabe allerdings der Verkehrs- und Heimatverein verantwortlich zeichnete.

Gewürdigt werden in der Festschrift auch Persönlichkeiten, die sich um die Aufhellung der Heppenheimer Geschichte große Verdienste erworben haben. Dass dabei auch per Foto an die Veteranen erinnert wird, ist eine schöne Geste. Der Bogen spannt sich von Karl Freisens und Heinrich Winter bis hin zu Ferdinand Koob und Wilhelm Metzendorf.

Letzterer hatte anlässlich der 1200-Jahrfeier 1955 den Anstoß für die Gründung eines Arbeitskreises zur Erforschung der Heimgeschichte gegeben, aus dem 1959 dann der Geschichtsverein erwuchs.

Die fünfzig Jahre seines Bestehens dokumentiert der Geschichtsverein mit einer fotografischen Zeitreise, in der Dieter Schnabel mit gewohnter Akribie die Veränderungen des Stadtbildes zwischen 1959 und 2009 dokumentiert. Neben ihm, Härter und Büge haben außerdem Manfred Bräuer und Rolf Geiger zum Gelingen des Festbuches beigetragen.

Die letzte Abhandlung befasst sich nicht ganz zufällig mit Heppenheims demokratischer Geschichtskultur und erinnert an Opfer, die ihr Eintreten für Recht und Freiheit schon vor 160 Jahren mit dem Leben bezahlen mussten. Wenn auch unter veränderten Vorzeichen, bedarf der Kampf um diese Werte ständiger Erneuerung. Indirekt bedroht werden Recht und Freiheit nicht mehr von staatlicher Obrigkeit, sondern von Entwicklungen, die der Politik mehr und mehr das Primat des Handelns streitig machen.

Starkenburger Echo, echo-online - Von Fritz Kuhn, 12.5.2010

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Zuletzt aktualisiert am 2.6.2010