Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Wie ein Kriminalist forschen
Helmut Becker, Archivar der katholischen Gemeinde Sankt Peter, mit der Martinus-Medaille ausgezeichnet

Er klopft sich nicht selbst auf die Schultern. In seiner Stimme schwingt auch keine Eitelkeit mit. Wer genau hinhört, hört bestenfalls einen leichten Unterton der Zufriedenheit. Und dazu gibt es allen Anlass. Helmut Becker, Jahrgang 1924, hat das Archiv von Heppenheims katholischer Kernstadtgemeinde Sankt Peter zu einer reich angefüllten und wohlgeordneten Schatzkammer gemacht. Wenn er durch sein Reich in direkter Nachbarschaft zum Dom der Bergstraße führt, öffnen sich Türen in frühere Jahrhunderte, und es spannt sich der Bogen in die Gegenwart. Kirchengeschichte, Stadtgeschichte, regionale Historie, alles findet sich bestens sortiert. Auch menschliches Glück und Leid sind, weil in alten Kirchenbüchern niedergeschrieben, dokumentiert.

Jetzt ist der Kirchenarchivar ausgezeichnet worden. Damit wird er, wenn er es nicht sogar schon ist, selbst ein Stück der Geschichte, die in seinem Archiv festgehalten ist. Text und Bild über seine Würdigung werden wohl feinsäuberlich kopiert und einsortiert. So jedenfalls macht es Becker mit allem, was er in Zeitungen über die Gemeinde Sankt Peter findet. Er selbst hat die Martinus-Medaille bekommen. Die höchste Würdigung, die das Bistum Mainz für ehrenamtliche Arbeit kennt. Unterzeichner der zugehörigen Urkunde ist Bischof Karl Kardinal Lehmann persönlich. Übergeben hat Medaille und Urkunde Generalvikar Dietmar Giebelmann am Wochenende im Beisein von Pfarrer Hermann-Josef Herd bei einem Gottesdienst. Anschließend gab es einen Empfang für Helmut Becker im Pfarrgarten. Auch das ist eine Besonderheit.

"Mir war das eigentlich ein bisschen zu viel. Ich bin ein stiller Schaffer", kommentiert Becker die Ehrung seiner Person und seines Tuns. Über sich will der Mann mit den weißen Haaren eigentlich gar nicht sonderlich viel sprechen. Über seine Arbeit schon. Und darüber, dass seine Frau das durchaus zeitintensive ehrenamtliche Wirken voll und ganz unterstützt. Helmut Becker hat auf einem der Stühle des Archivs Platz genommen. Das Mobiliar ist nicht modern. Bestenfalls ist es praktisch. Er blickt um sich und sagt, dass er fast täglich am Arbeiten ist: "Auch samstags bin ich hier. Nur sonntags habe ich Ruhetag." Morgens ist er normalerweise von zehn Uhr bis Viertel nach zwölf im Archiv, mittags wieder von sechzehn Uhr bis Viertel nach sieben. Nicht selten kommt er früher, oft bleibt er länger. Wenn Becker gerade Ahnenforschung betreibt, bricht er nicht gerne ab. Anfragen kommen nicht nur aus Heppenheim. Vielfach wollen auch Menschen aus Amerika, Nachkommen von Auswanderern, um ihre Wurzeln an der Bergstraße wissen.

Akribisch arbeitet Helmut Becker dann die Familiengeschichte auf. Er dringt in die Tiefe seines Archivs vor, spricht mit alten Heppenheimern, nutzt Kontakte zu Ämtern. Am Ende dokumentieren Familienblätter, Stammtafeln oder Stammbäume Verwandtschaften.

Becker erzählt über seine Arbeit. Kurzärmliges Hemd, kurze Hose hat er an. Irgendwo an einem Regal hängt ein grauer Kittel an einem Kleiderbügel. Mitten im Erzählen springt er auf, holt ein altes Buch, blättert und belegt mit Geschriebenem das Gesagte. Er trägt Sportschuhe, gerade richtig für die Kurzstrecke zu einem der Stahlschränke im Raum oder einem der großen, bis an die hohen Decken reichenden Regale in zwei der drei anderen Zimmer. Im dritten Raum steht ein großer alter Schreibtisch, ein Schrank mit Plänen der Kirche Sankt Peter, Engelskulpturen finden sich dort, und und und ... Helmut Becker hat vieles zusammengetragen. Dokumente aus dem Pfarrhaus und Bücher, die Pfarrer zurückgelassen haben, hat er feinsäuberlich geordnet.

Etliches aus längst vergangenen Jahrhunderten ist noch original gebunden. Wenn notwendig hat der Archivar Bücher aber auch restaurieren lassen, damit nicht Schimmel historische Schriften vernichtet. Vieles bleibt so der Nachwelt erhalten.

Zentraler Teil des Pfarrarchivs sind die Kirchenbücher. Taufen, Trauungen, Sterbefälle von Jahrhunderten sind dort dokumentiert. Helmut Becker hat inzwischen alles im Computer erfasst, ausgedruckt und in neue Bücher binden lassen, die die Recherche erleichtern.

Und dennoch ist es in der Ahnenforschung manchmal äußerst schwierig, Lebenswege nachzuzeichnen. Namen sind früher oft notiert worden wie sie gesprochen wurden. Oder sie haben sich umgangssprachlich verändert, aus Elisabeth wurde im Laufe eines Lebens Lisbeth.

Becker stellt sich der Herausforderung und arbeitet wenn notwendig viele Stunden an einem Stammbaum. Er sagt: "Man muss wie ein Kriminalist forschen, um Zusammenhänge zu bekommen." Ähnlich genau geht er alte Dokumente an. In Sütterlinschrift gehaltene Originale macht er für jüngere Generation lesbar.

Es gibt viel Arbeit im Pfarrarchiv. Helmut Becker geht darin auf. Auf die Frage, was ihn daran reizt, gibt er eine äußerst knappe, aber viel sagende Antwort: "Das Alte".

Um zu ergänzen, dass er sich schon in der Schule für Geschichte interessiert hat. Vor einigen Jahrzehnten wollte er dann die Familiengeschichte seiner Frau aufarbeiten. Sein Weg führte ihn in das Archiv von Sankt Peter. Dort traf er auf den damaligen Archivar Paul Eisenhauer und bot diesem seine Hilfe an. Das war 1987. Sechs Jahre später starb Eisenhauer.

"Und dann war ich allein", kommentiert Becker seine Verantwortung. Heute gehört die Dokumentation zu den bedeutendsten Archiven im Bistum Mainz und die darin enthaltene Pfarramtsbibliothek ist die mit Abstand größte in der Diözese - dank Helmut Becker.

Starkenburger Echo, echo-online, zet - 21.09.2010

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Zuletzt aktualisiert am 28.9.2010