Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Heppenheimer Geschichte in historischen Karten
NABU-Vortragsveranstaltung mit Manfred Bräuer und Prof. Dr. Härter

Unerwartet groß war das Interesse der Heppenheimer Bevölkerung am Vortrag über die Historie Heppenheims, der umgebenden Kulturlandschaft und des Schlossbergs, die Manfred Bräuer, Geodät beim Amt für Bodenmanagement, und Prof. Dr. Karl Härter, beide Vorstandsmitglieder des Geschichtsvereins Heppenheims, anhand historischer Karten darstellten.

Der NABU Heppenheim hatte im Rahmen seiner jährlichen Wintervortragsreihe dazu in die Tagesstätte des DRK eingeladen. In seiner Begrüßung erläuterte der NABU-Vorsitzende Günther Hagemeister die Beweggründe, das historische Thema in die Vortragsreihe der Naturschutzorganisation aufzunehmen.

Ausschlaggebend war eine Exkursion für den NABU von Prof. Dr. Härter am Schlossberg, der den Naturschützern auf ihren Pflegegrundstücken und rund um die Burg die historischen Gegebenheiten erläuterte. Diese interessanten und wertvollen Informationen wollte der NABU auch einem größeren Publikum zukommen lassen.

Wenn man beim NABU geahnt hätte, auf welch großes Interesse dieses Vortragsthema bei der Bevölkerung stößt, hätte man eine größere Räumlichkeit für die Veranstaltung gewählt. So mussten leider einige Besucher stehend den Ausführungen der Referenten folgen, viele Interessierte fanden aber gar keinen Platz mehr und konnten leider nicht teilnehmen.

Die beiden Vortragenden zeigten die Entwicklung unserer Kulturlandschaft anhand des historischen Kartenmaterials, das bis ins 16. Jahrhundert zurückreichte.Wichtig für die Interpretation der alten Karten war, die Beweggründe der damaligen Kartographen zu kennen. Die Darstellung lässt heute noch auf die jeweilige Interessenslage des Kartographen oder dessen Auftraggebers schließen. Politische, militärische, wirtschaftliche oder herrschaftliche Interessen sind deutlich auszumachen.

Die erste präsentierte Karte stammte von Martin Waldseemüller aus dem Jahre 1513, die neben der überragenden Bedeutung des Rheins vor allem die Flüsse Neckar und Main, größere bedeutende Orte und wichtige Landschaften zeigt. Der "Ottenwald" ist als Struktur kleiner "Maulwurfshügel" dargestellt. In dieser Karte findet man die bisher älteste Darstellung Heppenheims. Eine Karte von Sebastian Münster, der als Professor in Heidelberg wirkte, zeigt schon im Jahre 1536 genauere Details der Mittelgebirgslandschaft und des Riedes. Hier wird die fruchtbare Landschaft bei Heidelberg hinab mit ihrem Weinbau, Getreide, Obst und anderen Früchten als Bergstraße genannt.

In den zahlreichen Karten, die im Laufe des Vortrages gezeigt wurde, war die Bergstraße immer als eine Baum bestandene Allee dargestellt. Den Älteren unter den Zuhörern ist die Bergstraße, mit ihren dicken Linden, ja noch gut in Erinnerung. Leider sind diese dicken Bäume heute nur noch in Restbeständen außerhalb der Städte und Ortschaften vorhanden. Die Karten zeigten auch immer wieder die wechselnden Grenzverläufe in unserem Großraum.

Karten aus dem dreißigjährigen Krieg zeigen schon die Starkenburg und die Filialdörfer Kirschhausen, Sonderbach, Unter- u. Ober-Hambach. Die beiden Weschnitzläufe, der Landgraben bei Lorsch und der Lorscher See, sowie die aus dem Odenwald fließenden Bäche sind klar zu erkennen. Die befestigten Städte Heppenheim, Bensheim und Zwingenberg, sowie die Sumpflandschaft des Rieds sind aufgrund des militärischen Interesses exakt dargestellt. Weniger genau zuordnen lassen sich die Lagen der unbedeutenden Ortschaften. In Anspielung auf eines der Schwerpunkte des NABU, nämlich den Vogelschutz, bemerkte Prof. Härter, dass auf all den Karten nur ein Vogel, nämlich der Galgenvogel zu sehen sei. Tatsächlich ist auf den meisten Karten zw. Heppenheim und Bensheim ein Galgensymbol zu erkennen, auf einer Karte war noch einer der Delinquenten zu sehen, die, wie Härter erwähnte, oft zwei Jahre dort hängen blieben.

Interessant waren die Ausführungen der Historiker zu den Befestigungsanlagen, die nicht nur aus den Stadtmauern und Wehrtürmen bestanden, sondern auch schon weit ab in der Gemarkung als so genannte Landwehren in Form von Gräben, Hecken oder Palisaden bestanden. Die auf einer Karte deutlich dargestellte Schnorhecke, südlich von Heppenheim nahe der Landesgrenze zu Baden-Württemberg, ist heute noch in Restbeständen als kleines Wäldchen entlang der Bahnlinie an der Kleintierzüchteranlage zu erkennen. Im sumpfigen Grenzland sollte sie ein schwer durchdringliches Hindernis für fremde Truppen darstellen.

Je weiter die Karten sich der heutigen Zeit näherten, desto detaillierten wurden diese, mehr und mehr verbesserte sich die Darstellungstechnik.Jetzt konnten die Teilnehmer an der Veranstaltung schon viele noch heute vorhandene Gegebenheiten erkennen. Wegeführungen, Straßen, Bach- und Flussläufe sind leichter erkennbar und zuzuordnen.

Die Starkenburg, mit ihren zahlreichen kartographischen Darstellungen, wurde von Bräuer und Härter detailliert erläutert. Der Spanische Friedhof, die Gärten des Kommandanten und der Konstabler, die Sternschanzen und landwirtschaftliche Nutzflächen sind heute noch teilweise im Gelände um die Burg zu erkennen. Die Burgmannschaften waren zumeist Selbstversorger, auch im Burghof wurde Landwirtschaft betrieben. Die Grenze zwischen Burggut und den privaten Gütern verlief im Bereich des - nach der Flurneuordnung wieder begehbaren- Kirchenpfades im Westen des Schlossberges und ist durch alte Mauerreste erkennbar. Die Wege zur Burg bestehen zumeist noch heute. Der Drosselbergweg, so wurde erklärt, hat nichts mit den Drosselvögeln in den Weinbergen zu tun, sondern diente dem Tross der Ritter als Zufahrt zur Burg. Die jüngsten Katasterkarten, die präsentiert wurden, stellten Wohn- und Wirtschaftsgebäude farblich unterschieden dar, öffentliche Gebäude und Straßen waren benamt und auch die Flurnamen sind angegeben. Den Anwesenden fiel so eine Orientierung sehr leicht und die Veränderungen in der Stadt und Flurgestaltung wurden lebhaft diskutiert.

Manfred Bräuer und Prof. Dr. Härter wurden mit großem Applaus der Zuhörer für den interessanten und kurzweiligen "Geschichtsunterricht" bedacht. Der NABU-Vorsitzende, Günther Hagemeister bedankte sich bei den Referenten für den methodisch und didaktisch toll aufbereiteten Vortrag und merkte an, dass er es in der Schulzeit nie erlebt hätte, dass zum Geschichtsunterricht ein so großer Andrang herrschte, dass der Platz nicht reichte und Schüler wieder gehen mussten, dass er es auch nie erlebt hätte, dass je ein Geschichtslehrer mit großen Applaus verabschiedet wurde. Die Zuhörer stimmten dem nickend zu. Wie der NABU sich um die Erhaltung einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt in Heppenheim einsetzt und für zukünftige Generationen erhalten will, so sorgt der Geschichtsverein und die beiden Referenten dafür, dass unsere Vergangenheit auch eine Zukunft hat, resümierte Hagemeister in seinem Schlusswort.

Text: Günther Hagemeister, Vorsitzender NABU Heppenheim e.V.

Zuschauer

Groß war der Andrang in der Tagesstätte des Deutschen Roten Kreuzes bei der NABU Veranstaltung mit dem Vortrag "Heppenheim, die umgebende Kulturlandschaft und der Schlossberg in historischen Karten" von Manfred Bräuer und Prof. Dr. Karl Härter vom Geschichtsverein Heppenheim

Vortragende

Bilder: Günther Hagemeister, Vorsitzender NABU Heppenheim e.V.

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Zuletzt aktualisiert am 14.3.2011