Das Schulglöckchen bleibt stummDie äußeren Voraussetzungen hätten nicht idealer sein können, als am frühen Samstagnachmittag vom sogenannten "Pannekucheeck" aus die Teilnehmer zum dritten Erbacher Grenzgang seit 2007 aufbrachen. Nach den hochsommerlichen Temperaturen in der ersten Hälfte voriger Woche und sich anschließenden Regenschauern am Donnerstag und Freitag wurde ihnen bei maximal 22 Grad Celsius ein Wetterchen beschert, das zum Wandern geradezu einlud. Das Wichtigste: Petrus hielt die Schleusen geschlossen und sorgte somit für ein von "nassen Grüßen" ungestörtes Vergnügen, bei dem neben dem Bewegung in frischer Luft gleichzeitig viel Neues über Erbachs Nordgemarkung in Erfahrung gebracht wurde. Um im Bild zu bleiben: Für Nässe war nur insofern gesorgt, als die Gruppe bei einer Zwischenrast auf halber Strecke mit einem Erfrischungstrunk überrascht wurde. Grund zum Anstoßen hatten die Marschierer später noch einmal, und zwar beim Abschluss auf dem Dorfplatz, wo Helfer neben einem in Erbacher Wingerten gelesenen Tropfen eine Brotzeit auftischten. Die Hoffnung darauf, dass passend zum Schmaus das viele Jahrzehnte verstummte Schulglöckchen läuten würde, wurde allerdings enttäuscht. Weil freitagnachmittags auch im Rathaus der "Hammer fällt", konnte das durchaus bereits funktionsfähige Geläut nicht in Gang gesetzt werden. Dieter Hammann, der Vorsitzende des Fördervereins Erbach, hofft nun darauf, dass die Inbetriebnahme in den nächsten Tagen nachgeholt werden kann. Begrüßt wurden die Grenzgänger von Ortsvorsteher Markus Bauer, der sich besonders über die Solidarität seiner Stadtteilkollegen freute. Ihre Wanderschuhe geschnürt hatten Susanne Benyr (Ober-Laudenbach), Anton Gölz (Sonderbach) und Jürgen Held (Kirschhausen). In die Reihe der Marschierer ordnete sich außerdem Professor Karl Härter ein. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins hatte bestimmt seine Freude an der kompetenten Führung durch Manfred Bräuer und Robert Reimann, die den dreistündigen Exkurs über Berghöhen und durch Täler mit vielen Informationen würzten. Erstmals vermessen wurde die Erbacher Gemarkung 1811, nachdem 1803 die Vogtei als Verwaltungsorgan der ehemaligen Marktgenossenschaft Heppenheim aufgelöst wurde. Neben der Amtsstadt bildeten seinerzeit die Hubendörfer Unter- und Ober-Hambach, Kirschhausen, Sonderbach, Wald-Erlenbach und Erbach diesen Verbund, der nach Bräuers Angaben bereits um das zehnte Jahrhundert entstanden war. 1821 erlangten die sechs Orte ihre Selbstständigkeit - um dann 150 Jahre später wieder als Stadtteile in Heppenheim eingemeindet zu werden. Im Jahr 1835 wurden, wie Bräuer und Reimann erläuterten, die Gemarkungsgrenzen festgelegt, an denen sich seitdem - von geringfügigen Abweichungen abgesehen - bis heute kaum etwas verändert hat. Korrekturen in der jüngeren Zeit mussten lediglich mittels einer Begradigung am Biebersroth (1992) sowie durch eine Anpassung beim Neubau der Röhrig-Werkstraße vorgenommen werden. Diese Örtlichkeit wurde beim Grenzgang ebenso tangiert wie der "Dreimärker" an der Grenze zu Heppenheim und der Hambacher Grund sowie die Wilhelmhöhe, von der es auf direktem Wege dann zum Dorfplatz ging. Gefragt waren eine "gute Puste" und festes Schuhwerk. Für Bummler bot die topografische Beschaffenheit des Geländes mit ihren teils unbefestigten Wegen wenig Anreize. Wer die Strapazen dennoch auf sich nahm, lernte - quasi nebenher - ein herrliches Stück Natur kennen. Den Schoppen bei der Schlussrast hatten sich die Teilnehmer dann redlich verdient. Starkenburger Echo, echo-online, fk - 30.5.2011 |
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Auf zur Grenze
Bergab zur Sonderbacher Grenze
Diskussion um Mobilfunk-Senderstandort
Bergauf im Hölzelsholz
Zwischenrast "Auf der Höhe"
Erläuterungen zur Feldbrennerei
Vesper auf dem Dorfplatz Fotos: Manfred Bräuer |
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Zuletzt aktualisiert am 30.5.2011