Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Familiengeschichte spiegelt Weltgeschichte
Geschichtsverein: Stammtisch offenbart interessante Parallelen zwischen der Westpfalz und der Bergstraße

Unter dem Motto "Familiengeschichtliche Forschung zur Kurpfalz: Die Wiederbesiedlung der Westpfalz nach dem Dreißigjährigen Krieg und die Bezüge zu Heppenheim" stand der Stammtisch Heppenheimer Geschichte(n), zu dem der Heppenheimer Geschichtsverein kürzlich eingeladen hatte. Vereinsmitglied Hermann Müller berichtete von seinen Bemühungen, die Geschichte seiner Familie und seiner Heimat zu erforschen.

Der in Ramstein bei Kaiserslautern geborene Elektroingenieur wurde als Schüler durch die "Chronik von Ramstein" zu seinen Forschungen angeregt. Er versteht unter der Familienforschung mehr als gemeinhin angenommen wird. Sie ist für Müller auch Heimat-, Sozial- und Wanderungsgeschichte.

Beispiel Westpfalz: Streng geografisch gibt es dieses Gebiet eigentlich nicht. Allgemein ist es, erklärte Müller, das Gebiet der Pfalz westlich von Kaiserslautern mit Teilen der Landkreise Kaiserslautern, Kusel und Südwestpfalz. Politisch war dieses Gebiet, wie die ganze Pfalz, bis zur Besetzung durch die Franzosen 1793/94 in viele Herrschaftsgebiete zerrissen. Große Teile gehörten zur Kurpfalz, aber auch die Herren von Sickingen, die Landgrafen von Hessen-Darmstadt und manch anderer Landesherr besaßen Territorien und machten ihren Einfluss geltend. Entsprechend schwer hat es der Familienforscher, die einzelnen Archive zu finden. Selbst im fernen Stockholm finden sich Unterlagen aus dem Gebiet der Westpfalz.

Auch kirchlich war das Gebiet in dem Müller seine Ahnen suchte, zerrissen. Bis zu vier verschiedene christliche Konfessionen fanden und finden sich in den einzelnen Orten. Dazu kommt, dass das Gebiet bis 1814 zu Frankreich gehörte und damals dort schon die Zivilehe, also das Standesamt, eingeführt wurde. Nach dem Ende der französischen Herrschaft blieb dieser Zustand erhalten. Ein Vorteil, denn die Familienforscher haben dadurch neben den Kirchenbüchern auch die Personenstandsakten für ihre Forschungen zur Verfügung. Im übrigen Deutschland wurden erst um 1875 die Standesämter eingeführt. Den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) hatten besonders in den Dörfern der Westpfalz nur wenige Menschen überlebt, einige Orte wurden für immer zerstört. Die Landesherren mussten neue Bewohner finden. Eine erste größere Bevölkerungsgruppe waren ab 1662 die Hugenotten, die ihres Glaubens wegen Frankreich verlassen mussten.

Aber auch aus anderen Gebieten kamen neue Siedler. Aus der Schweiz, aus Tirol, aus Luxemburg, Brabant, dem Allgäu und Oberschwaben zog es Neusiedler in die Westpfalz. Begehrte Fachkräfte waren unter ihnen, Steinhauer, Zimmerleute, Maurer. Hier konnten auch Parallelen zur Wiederbesiedlung des Odenwaldes aufgezeigt werden.

Diese zog sich über viele Jahrzehnte hin. Neben dem Bevölkerungsmangel in der Pfalz nannte Müller einen weiteren Grund für die Zuwanderung besonders aus dem Alpenraum: Dort herrschte damals die "kleine Eiszeit" mit kalten Wintern, nassen Sommern und schlechten Ernten. In der Zeit zwischen 1650 und 1700 wurde den Menschen in den Alpentälern mehr und mehr die Ernährungsgrundlage entzogen und der Druck zur Auswanderung stieg.

Kaum aber hatten sich in der Pfalz die Verhältnisse stabilisiert, kam es zur ersten Auswanderungswelle nach Nordamerika. Grund war der extrem kalte Winter von 1709. Weitere Auswanderungswellen nach Ungarn ab 1745 und ins Banat (Rumänien) ab 1765 folgten. Möglich wurde diese Auswanderung in den Südosten durch ein Abkommen der Landesherren mit dem Österreichischen Kaiser. So mancher Auswanderer machte sich aber heimlich von dannen. Da Auswanderer verheiratet sein mussten, gab es Massenhochzeiten, meist auf neutralem Gebiet (Mannheim). Für viele Auswanderungswillige war der Zug nach Ungarn die einzige Möglichkeit zu heiraten. Zu Hause wurde der Nachweis von Vermögen verlangt um den Bund der Ehe einzugehen.

Familienforschung ist kein leichtes Unterfangen. Trotzdem gelang es Müller, die Geschichte seiner Familie recht genau zu erforschen. Wer daran Interesse hat, kann dies auf seiner Homepage (www.mueller-heppenheim.de) im Internet nachlesen. Auch die Bedeutung der Familiennamen kam zur Sprache. Sehr häufig lassen sich diese auf Berufe zurückführen, es gibt aber auch andere Herleitungen. Interessant, dass der Name Fettel "alt" bedeutet. War doch einer der ersten Träger dieses Namens in Heppenheim, sein Vater kam aus dem thüringischen Eichsfeld, "Ältester des Dorfgerichts" in Kirschhausen. Also Vettelheim gleich Altenheim? Es darf spekuliert werden.

Starkenburger Echo, echo-online, hjb - 27.07.2011

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Zuletzt aktualisiert am 31.7.2011