Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Spital, Krankenhaus, Landesirrenanstalt
Tag des offenen Denkmals: Führung am 11. September beleuchtet Bedeutung der Hospitäler für Heppenheim

Am Tag des offenen Denkmals am 11. September (Sonntag) laden Heppenheimer Geschichtsverein und Heppenheimer Altstadtfreunde alle Interessierten zu der zweistündigen Führung "Spital, Krankenhaus, Landesirrenanstalt: Die Bedeutung der Krankenhäuser für die Entwicklung Heppenheims im 19. Jahrhundert" ein, die um 14 Uhr auf dem Marktplatz beginnt. Das Motto des Tags des offenen Denkmals ist diesmal "Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert".

Bei der von Professor Karl Härter geleiteten Führung werden die drei im 19. Jahrhundert entstandenen Krankenhäuser Heppenheims besichtigt: das 1829 in der Schloss-Schule eingerichtete Armenhaus/Hospital, das 1881 gegründete städtische Krankenhaus (jetzt Seniorenzentrum Haus Johannes) und zum Abschluss die 1866 eröffnete Großherzogliche Landesirrenanstalt, die jetzige Vitos-Klinik, die ebenfalls bald den Standort wechseln wird.

Bei der Führung sollen die Funktionsweisen dieser drei Krankenhäuser deutlich gemacht und erläutert werden, wie sich Heppenheim sozial und wirtschaftlich im 19. Jahrhundert veränderte. Denn im 19. Jahrhundert schien Heppenheim kaum Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung gewinnen zu können. Die 1803 an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt gefallene, landwirtschaftlich geprägte, katholische Amtsstadt wuchs nur langsam und nahm an der Industrialisierung kaum Teil. Dies sollte sich erst durch die Großherzogliche Landesirrenanstalt ändern, die von 1861 bis 1866 im Süden Heppenheims als weitläufiger Gebäudekomplex erbaut wurde.

Der Initiator und langjährige Direktor Georg Ludwig (1826-1910) richtete damit ein nach den damaligen Maßstäben modernes, vorbildliches Krankenhaus ein, dessen Architektur er ebenfalls beeinflusste. Die ursprünglich nicht miteinander verbundenen Gebäude bildeten ein nach Westen ausgerichteten "E", mit dem Verwaltungsgebäude im Mittelpunkt und dem Frauen- beziehungsweise Männertrakt im Norden und Süden.

Die Gebäudeteile wurden bis 1890 durch ein Korridorsystem verbunden, die Geschosse erhöht und das Krankenhaus insgesamt von 250 auf 450 Betten ausgebaut. Für das wachsende Pflegepersonal und die Ärzte kamen weitere Häuser hinzu. Die fortschrittliche Psychiatrie Ludwigs führte auch zur Anlage von Gärten, Höfen und sonstigen Wirtschaftseinrichtungen, die der Beschäftigung und der Therapie dienten.

Noch heute ist die gesamte Anlage im Wesentlichen erhalten und bietet einen einmaligen Einblick in die Psychiatriegeschichte und die Bedeutung, die das "Krankenhauswesen" im 19. Jahrhundert gewann. Die Landesirrenanstalt wurde zu einem wesentlichen Faktor für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Heppenheims und von ihr gingen neben der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Zuzug von Protestanten vielfältige Impulse für den Ausbau der städtischen Infrastruktur aus. So wurde 1881 das nicht weit entfernt das erste allgemeine städtische Krankenhaus Heppenheims in Betrieb genommen. Es löste das 1829 in dem Erweiterungsbau des ehemaligen von Hee’schen Adelshofs (der heutigen Schloss-Schule) eingerichtete Armenhaus/Spital ab. Bei der Führung wird ein Teil der Räume dieser "Multifunktionsanstalt" besichtigt, an denen man sich ein gutes Bild davon machen, wie Arme, Kranke, Alte und Waisen auf engstem Raum und zusammen mit einer Schule untergebracht waren. Auch das 1881 am damaligen Stadtrand eröffnete (und 1982 geschlossene) städtische Krankenhaus war zunächst eine Anstalt für Kranke, Waisen und alte Menschen (so genannte Pfründner) und verfügte von der Kapelle, in der viele Heppenheimer getauft wurden, über eine Nähschule bis zu Ställen über eine Vielzahl von Einrichtungen, die heute weitgehend aus Krankenhäusern verschwunden sind.

Die im 19. Jahrhundert entstanden Krankenhäuser - die in der Führung besichtigt und vorgestellt werden - waren folglich wirtschaftlich, sozial und städtebaulich von großer Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Heppenheim und repräsentieren gleichermaßen Fortschritt und Romantik des 19. Jahrhunderts.

Starkenburger Echo, echo-online - 01.09.2011

Worms

Heppenheims Entwicklung vorangebracht: Die Landesheil- und Pflegeanstalt (die heutige Vitos-Klinik) nach ihrer Umbenennung im Jahr 1911 auf einer alten Postkarte von Osten aus gesehen.

Foto: Geschichtsverein

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Zuletzt aktualisiert am 11.9.2011