Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Wie die Bergstraße wurde, was sie heute ist

Der Heppenheimer Geschichtsverein lädt für Freitag (20.) um 20 Uhr in den Halben Mond (Tagungsraum) zu einem öffentlichen Vortrag ein. Der Titel lautet "Oh Germania, hier möchtest Du wie Italien sein". Die Jahresversammlung des Vereins schließt sich dem Vortrag an.

Darin zeichnet der Vorsitzende Professor Karl Härter anhand alter Landschaftsbeschreibungen, Lexika und Landkarten nach, wie die Bergstraße seit dem 16. Jahrhundert mit spezifischen Eigenschaften verbunden wurde und sich allmählich als feststehender landschaftlicher, verwaltungspolitischer und touristischer Begriff ausformte.

Mit der Bergstraße verbinden sich spezifische Merkmale wie: mildes, warmes Klima, eine blühende, fruchtbare Landschaft mit Wein-, Nuss- und Obstbäumen, eine als Allee ausgebildete überregionale Straße, romantische kleine Städte und Ortschaften und viele Burgen.

Die "blühende Bergstraße" ist ein feststehender kultureller Begriff, der meist auch mit entsprechenden historischen Belegen in Verbindung gebracht wird. So soll Kaiser Joseph II. auf der Rückreise von der Kaiserwahl in Frankfurt 1764 gesagt haben, hier fange Deutschland an, Italien zu werden. Tatsächlich ist diese Charakterisierung jedoch viel älter, denn bereits im 16. Jahrhundert beginnt die positive Beschreibung der strata montana als "italienische" Landschaft. In nahezu allen alten Lexika und Topografien finden sich Beschreibungen mit den spezifischen Attributen der Bergstraße, 1528 taucht sie erstmals in einer Landkarte auf, ab dem 17. Jahrhundert wird sie meist als dicht mit Bäumen bepflanzte Allee dargestellt und 1772 erschien das erste Büchlein, das ausschließlich der strata montana gewidmet war. Auch diese bisher völlig unbekannte Quelle wird im Vortrag präsentiert.

Gleichzeitig wurde die Bergstraße aber allmählich auch zu einem verwaltungspolitischen Begriff. Bereits im Mittelalter war in einigen Urkunden von der strata montana die Rede, und spätestens mit dem Westfälischen Frieden von 1648, der einen eigenen Paragrafen zur strata montana enthält, fungierte sie als verwaltungspolitische Bezeichnung.

1938 wurde der Kreis Heppenheim in "Bergstraße" umbenannt, nachdem er große Teile des Kreises Bensheim aufgenommen hatte. Man entschied sich für diese Landschaftsbezeichnung, obwohl die Bergstraße nur einen kleinen Teil des gesamten Kreisgebietes ausmacht, das vor allem Gebiete im Ried und im Odenwald umfasst.

Quelle: Pressemitteilung, echo-online - e, 14. April 2012

Karte

Die Bergstraße anno dazumal: Diese nach 1610 publizierte Karte des Kurmainzischen Gebiets (Nova et Accurata Moguntini Archiepiscopatus delineatio) zeigt die Bergstraße zwischen Frankfurt und Heidelberg (rechter Bildrand, Mitte) als dicht mit Bäumen bestandene Allee. Im Vortrag "Oh Germania, hier möchtest Du wie Italien sein: Die Bergstraße in alten Landesbeschreibungen, Lexika und Karten" vermittelt der Geschichtsverein die Bedeutung und Entwicklung des Begriffs "Bergstraße". Die öffentliche Veranstaltung beginnt am Freitag (20.) um 20 Uhr im Tagungsraum des Halben Mondes. Foto: Karl Härter

Quelle: Karl Härter

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Zuletzt aktualisiert am 17.4.2012