Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Mit viel Schwung ins neue Vereinsjahr
Der Heppenheimer Geschichtsverein wählte einen neuen Vorstand

"Der Geschichtsverein hat im vergangenen Jahr gute Arbeit geleistet." Diese Feststellung konnte der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, Dr. Karl Härter, zufrieden treffen. Im Halben Mond begrüßte er zahlreiche Mitglieder, die zu der diesjährigen Mitgliederversammlung des Vereins gekommen waren. Nach dem öffentlichen Vortrag zur Geschichte der Bergstraße (siehe gesonderten Bericht) erstattete Dr. Härter seinen Rechenschaftsbericht. Zuvor gedachte die Versammlung dem verstorbenen Volker Scheller, der viele Jahre im Vorstand des Heppenheimer Geschichtsvereins tätig war.

Im zurückliegenden Jahr war der Verein sehr rührig. Die Zusammenarbeit mit den anderen, an Geschichte und Kultur interessierten Vereinen, auch in einigen Stadtteilen, bezeichnete Dr. Härter als gut und vertrauensvoll. So engagiert sich der Geschichtsverein in der Arbeitsgruppe Kurmainzer Amtshof um dieses historische Gebäude stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Besonders das Hauptgebäude, der Saalbau mit dem ehemaligen Winzerkeller und dem Kurfürstensaal - bedarf weiterhin einer gründlichen Sanierung. Auch soll die zukünftige kulturelle Nutzung nicht vergessen werden. Der Geschichtsverein hat sich gegen die umstrittene neue Marktplatzbeleuchtung ausgesprochen und die Umgestaltung der Ehrenmalanlage ("Stadtpark") durch einen Kinderspielplatz gebremst. Bei der Flurneuordnung am Schlossberg und der Erhaltung des Synagogenrests ist der Rat des Geschichtsvereins ebenfalls gefragt.

Bei einer Wanderung und bei Vorträgen konnte der Verein sein Anliegen, Geschichte erfahrbar zu machen, verdeutlichen. Das gilt auch für "Die Starkenburg", der heimatkundlichen Beilage des Starkenburger Echos, von welcher der Verein 2011 vier Ausgaben herausgab. Allerdings wünschte sich der Vorsitzende eine regere Mitarbeit der Vereinsmitglieder bzw. neue Autoren, um das erreichte Niveau halten zu können. Abschließend dankte Dr. Härter dem Vorstand und allen Mitgliedern für die geleistete Arbeit und die Unterstützung.

Der Bericht des Kassenverwalters Manfred Bräuer erfreute die Versammlung. Der Verein hatte 2011 gut gewirtschaftet und erhielt zahlreiche Geld- und Sachspenden. Die Kassenprüfung durch Winifred Hörst und Dr. Voelcker ergab dann auch keine Beanstandungen. Somit konnte die Mitgliederversammlung dem Vorstand Entlastung erteilen.

Die anschließenden Neuwahlen brachten keine Überraschungen. Dr. Karl Härter bleibt weiterhin Vorsitzender des Heppenheimer Geschichtsvereins und Dieter Schnabel sein Stellvertreter. Manfred Bräuer verwaltet weiterhin die Kasse und Hans Joachim Büge wurde als Schriftführer bestätigt. Andrea Falk, Lucia Frank und André Rittersberger bleiben dem Verein als Beisitzer erhalten. Neu im Vorstand sind Peter Frank von den Altstadtfreunden und Dr. Hermann Müller, die als Beisitzer mitwirken. Zu Kassenprüfern wurden erneut Winifred Hörst und Dr. Voelcker gewählt.

Im kommenden Jahr, so der neue alte Vorsitzende wird der Verein nicht untätig bleiben. Am 10. Juni findet eine Wanderung entlang der nördlichen Grenze des historischen Heppenheimer Kirchspiels statt. Auch am Sommerfest im Haus der Vereine (26. August) wird der Verein teilnehmen. Die Vorbereitungen für den Tag des offenen Denkmals am 9. September sind im vollen Gang; Gemeinsam mit den Altstadtfreunden wird eine Führung zum Thema "Holz und Fachwerk in der Heppenheimer Altstadt" stattfinden. In Zusammenarbeit mit dem Museum steht ein Vortrag von Dr. Emerich zum Heppenheimer Stadtwappen auf dem Programm. Auch einen Stammtisch "Heppenheimer Geschichte(n)" soll es wieder geben. Mit einem Ausblick auf die Aktivitäten im Jahr 2013 - mit Veranstaltungen zu Georg Büchner und dem 75-jährigen Jubliäum des Kreises Bergstraße - schloss Dr. Härter die diesjährige Mitgliederversammlung des Heppenheimer Geschichtsvereins.

Pressemitteilung (hjb), 25.4.2012

Vorstand 2012

Der Vorstand des Heppenheimer Geschichtsvereins 2012
v.l.: Dr. Hermann Müller, André Rittersberger, Hans Joachim Büge, Dr. Karl Härter, Andrea Falk, Lucia Frank, Dieter Schnabel, Manfred Bräuer, Peter Frank

Photo: Manfred Bräuer

"An den Bergen auserlesener Weinwuchs ..."
Die Bergstraße in zeitgenössischen Berichten und Bildern - Vortrag beim Heppenheimer Geschichtsverein.

"Oh Germania, hier möchtest Du wie Italien sein!" war das Thema eines Vortrages, den der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, Dr. Karl Härter, auf der Jahresmitgliederversammlung des Vereins hielt. Diese aus dem 16. Jahrhundert stammende Lobpreisung der Bergstraße, die in ähnlicher Form Kaiser Joseph II. (1764) zugeschrieben wird, war der Anlass, sich einmal genauer der Geschichte der Bergstraße unter verschiedenen Gesichtspunkten zu nähern. Auch einen aktuellen Bezug gab es für den Vortrag. 1938 entstand der Kreis Bergstraße aus dem Kreis Heppenheim und Teilen des aufgelösten Kreises Bensheim. Im nächsten Jahr kann der Kreis sein 75-jähriges Bestehen feiern.

Bereits 795 wird die Bergstraße als strata publica im Lorscher Codex in der Beschreibung der Mark Heppenheim als befestigte Landstraße erwähnt. Im Laufe der Zeit übertrug sich der Name der Straße auch auf die Region, durch die sie führt. Die entsprechenden mittelalterlichen Urkunden verwenden dann auch allmählich die deutschsprachige Bezeichnung "Berstratia" bzw. Bergstraße, lassen sie aber in Bessungen bei Darmstadt beginnen und in Schriesheim enden. Ab dem 16. Jahrhundert finden sich in Landes- und Reisebeschreibungen neue Aspekte und charakteristische Attribute der Bergstraße. Sebastian Münster, der in Heidelberg lebte und wirkte, beschrieb sie als fruchtbare Landschaft und lobte den guten Wein und die Viehzucht, besonders die Ziegenzucht. In viele Sprachen übersetzt, war Münsters Buch ein wahrer Bestseller seiner Zeit und trug zur Verbreitung des positiven Images der Bergstraße bei. Besonders der Wein hatte es den meisten Autoren angetan. Immer wieder wird seine Güte erwähnt. Hauptsächlich wurde damals Gutedel und Elbling angebaut. Vom Riesling hielt man wenig. "Klebschwarz" hieß damals "der ordinaire rothe Wein".

Bereits um 1600 beschrieben die Heidelberger Humanisten G. Zanchi und M. Freher die Bergstraße als italienische Landschaft und verbreiteten den Spruch "Oh Germania, hier möchtest Du wie Italien sein!" Freher beschäftigte sich zudem ausführlich mit den einzelnen Orten und verwendete erstmals die Bezeichnung "Heppenheim an der Bergstraße". Diese Werke bildeten die Grundlage weiterer Werke, deren Titelblätter und Beschreibungen der Referent in seinem Vortrag zeigte. Natürlich durfte Matthäus Merian nicht fehlen, der die erste Stadtansicht Heppenheims, aber auch Bensheims und Weinheims schuf. Auf seinen in der Topographia Palatina publizierten Stichen zeigte er die Bergstraße, die er der Pfalz zuordnete, als baumbestandene Allee. Diese tauchte um diese Zeit auch in den Landkarten auf. 1648 regelte der Westfälische Frieden den Übergang des Oberamtes Starkenburg an Kurmainz, das diesen Landstrich an die Kurpfalz verpfändet hatte. Damit ging die Bergstraße auch als Bezeichnung in das Reichsrecht ein, blieb aber im Verständnis der Zeitgenossen noch lange "pfälzisch".

Ab dem späten 17. Jahrhundert häuften sich die Reiseberichte, die meist voll des Lobes über die Bergstraße sind. Ein englischer Bischof verglich sie mit der Lombardei. Andere referierten viele Einzelheiten über die landwirtschaftliche Nutzung, den Wein und die Bäume. So ist zu erfahren, dass im Winter 1709 viele Nussbäume erfroren. Die Stämme wurden nach Sachsen verkauft, wo sie zu Gewehrschäften verarbeitet wurden. Auch über den Anbau von Esskastanien finden sich Hinweise oder Vorschläge, beispielsweise zum Anbau von Mandeln. Daneben finden sich Erörterungen zu den Obstbäumen, die entlang der Landstraße angepflanzt waren, aber häufig nur eine mangelhafte Pflege erhielten. So dicht standen sie, dass die Reisenden Mühe hatten, etwas von der reizenden Landschaft zu sehen. Zwei Gemälde zeigen noch heute, wie stark die Gegenden an der Bergstraße durch Bäume und Alleen geprägt war. Schließlich erschienen Ende des 18. Jahrhunderts erste spezielle Bücher zur Bergstraße, die sich ausführlich mit ihrer Geschichte und Landschaft beschäftigten. Aus der Flut der Reiseliteratur und Reisführer des 19. Jahrhunderts stellte der Referent abschließend noch einige wenige, dafür aber wichtige Werke kurz vor. Auch sie referierten die charakteristischen Attribute der Bergstraße als historische Region und fruchtbare "italienische Landschaft" mit Wein, Nuß- und Obstbäumen, alten Burgen und Schlössern und der baumbestandenen Landstraße. Dieses Image der Bergstraße prägte auch das bekannte Gemälde von August Lucas aus dem Jahre 1858, das die Stadt Heppenheim zeigt und das den Abschluss des interessanten Vortrages bildete. Mit lang anhaltendem Beifall dankten die zahlreich erschienenen Gäste dem Referenten für seinen Vortrag, in dem sie viele Neuigkeiten über die historische Entwicklung der Bergstraße - wo Deutschland Italien sein möchte - erfahren hatten.

Pressemitteilung (hjb), 25.4.2012

Besucher

vollbesetztes Sitzungszimmer

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Vortragender

Dr. Karl Härter beim Vortrag

Photos: Manfred Bräuer

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Zuletzt aktualisiert am 25.4.2012