Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Immer an der Grenze entlang
Heppenheims Geschichtsverein auf den historischen Spuren des Kirchspiels

"Die Grenze des Heppenheimer Kirchspiels gehört zu den ältesten genauer markierten, urkundlich nachgewiesenen Grenzen in Deutschland." Mit dieser Feststellung begrüßte der Vorsitzende des Heppenheimer Geschichtsvereins, Professor Karl Härter, die Schar interessierter Wanderer, die auf Einladung des Vereins "vom Galgen zum Kesselberg" wandern wollten. Unterstützt von Manfred Bräuer vermittelte Härter bei diesem Grenzgang einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte Heppenheims.

Die Beschreibung der Grenzen des Heppenheimer Kirchspiels datiert auf das Jahr 805, unterzeichnet von Karl dem Großen. Eine Abschrift der Urkunde findet sich, in Stein gehauen, im alten Kirchturm von Sankt Peter. Experten datieren diese Steinurkunde ins zwölfte Jahrhundert. Die Grenze legte einst fest, wer zur Heppenheimer Kirche Sankt Peter - und damit auch zur Gemeinde - gehörte und wer nicht.

Doch wie kam es zu dieser Grenzziehung? Sankt Peter war die Haupt- und Mutterkirche der Region. Die Schenkung des Marcharius im Jahr 755 ist Beleg dafür. 764 kam es zur Gründung des Klosters Lorsch. Dieses übernahm die geistliche Oberhoheit. Als 773 Karl der Große die Mark Heppenheim an das Kloster Lorsch schenkte, wurde daher eine Festsetzung der Kirchspielgrenzen notwendig, die 805 erfolgte. Freilich, so Manfred Bräuer, waren diese nicht ganz genau festgelegt, sondern typisch für die Grenzziehungen war die Beschreibung bestimmter Grenzpunkte, die in Sichtweite lagen und so miteinander verbunden werden konnten. Dies war bei der Wanderung leicht zu überprüfen. Stets war einer der Grenzpunkte sichtbar. Noch heute stimmt die Heppenheimer Stadtgrenze weitestgehend mit der alten Kirchspielgrenze überein, denn ursprünglich bildeten Kirchengemeinde und politische Gemeinde eine Einheit.

Der Ausgangspunkt der Exkursion war der alte Grenzpunkt "Hagenbuocha" in der Nähe der Bensheimer Kleingartenanlage. Von hier aus ging es an den alten Galgenplatz, der auf Bensheimer und Heppenheimer Gemarkung lag. Hier findet sich noch ein alter Grenzstein.

Bergauf ging es auf der Ahlengasse zum Grenzpunkt Emminesberc (Hemsberg). Der Hemsberg ist einer der ältesten überlieferten Bergnamen überhaupt. Am "Zeller Eck" treffen die drei Gemarkungen von Bensheim, Zell und Unter-Hambach aufeinander, die Gemarkung Heppenheims beginnt wenige Meter südlich in einer Talsenke. Freilich gehörte Zell zur Grafschaft Schönberg, sodass hier auch die Landesgrenzen von Kurmainz und Erbach aufeinandertrafen.

Auf bequem zu gehenden Wegen wurde der nächste Grenzpunkt erreicht: "Cilewardesdorsul". Die Torsäule des Cileward, so die Übersetzung, stand wohl einst am Zugang des Hofgutes des fränkischen Edelmannes Cileward. Dieser ist durch seine Schenkungen an das Kloster Lorsch bekannt. Sein Name ist ein Beleg, dass die Grenzbeschreibung wirklich von 805 ist und nicht erst im zwölften Jahrhundert entstand, als die Steinurkunde in Sankt Peter kopiert oder angefertigt wurde. In dem Bereich, in dem sich der Grenzpunkt Cilewardesdorsul befand, kreuzen sich heute sieben Wege. Hier findet sich auch noch ein alter Wegweiserstein, der mithilfe des Heppenheimer Geschichtsvereins gerettet werden konnte.

Nun begann der anstrengendste Teil der Wanderung entlang der nördlichen Grenze des Heppenheimer Kirchspiels. Es galt den Eselsberg zu erklimmen. Entlang des Wanderwegs standen zahlreiche Grenzsteine. Hier verlief in alten Zeiten neben der Kirchspielgrenze auch die Landesgrenze zwischen Kurmainz und der Grafschaft Erbach. Die Jahreszahl 1741 und die Buchstaben HE wiesen einen der Steine als ältesten Heppenheimer Grenzstein überhaupt aus.

Auch ohne Grenzsteine konnten die Teilnehmer feststellen, dass der Waldweg früher eine Grenze darstellte. Er führt einem Geländerücken den Eselsberg hinauf. Freilich wurde er nicht ganz erklommen; die Wanderer bogen am Totenweg in Richtung Ober-Hambach ab, der nördlichen Fortsetzung des Billackerwegs. Auf ihm wurden evangelische Verstorbene von Ober-Hambach zum Friedhof in Gronau gebracht.

Da die Friedhöfe von den Kirchen angelegt und unterhalten wurden, waren sie auch konfessionell gebunden. Also mussten die Toten dort bestattet werden, wo sich ihre Kirche befand.

Das letzte Ziel der Wanderer war der Röder-Hof in Ober-Hambach. Hier wartete die wohlverdiente Stärkung nach einem interessanten und informativen Ausflug in die Geschichte Heppenheims.

Pressemitteilung, echo-online, e - 2.7.2012

Kirchspielgrenze

In den Weinbergen zwischen Bensheim und Heppenheim befanden sich mehrere Grenzpunkte des Heppenheimer Kirchspiels. Karl Härter, Vorsitzender des Heppenheimer Geschichtsvereins, gab, gemeinsam mit Manfred Bräuer, interessante Informationen über Entstehung und Verlauf dieser uralten Grenze.

Foto: Manfred Bräuer

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Zuletzt aktualisiert am 28.12.2012