Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Der Löwe mit schwingendem Säbel ist hessenweit einmalig
Geschichte: Dieter Emrich erläutert bei seinem Vortrag im Kurmainzer Amtshof viele Details des Heppenheimer Stadtwappens - Großherzog erteilt das Emblem 1913

Emrich, viele Jahre in der Kommunalaufsicht des Kreises Bergstraße tätig, begann sich eher auf Umwegen mit dem Wappen der Kreisstadt zu beschäftigen und stieß dabei auf eine interessante Geschichte. Ausgangspunkt seiner Forschungen bildete ein Aufsatz von Ferdinand Koob über die Geschichte des Heppenheimer Stadtsiegels und Stadtwappens in dem Festbuch "900 Jahre Starkenburg". Danach zeigte das ursprüngliche Siegel der Stadt einen Bischof. Auch auf der Stadtansicht von Matthäus Merian ist dies zu sehen.

Nachdem Heppenheim 1803 dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugeschlagen wurde, erhielt die Stadt ein neues Siegel: Es zeigt den hessischen Löwen, der in der Pranke einen Schild mit einem zinnenbewehrten Turm hält. Das aktuelle Wappen ist seit 2005 durch eine Ortssatzung geschützt ist, eher eine Ausnahme bei kommunalen Wappen.

1905 versuchte Heppenheim zum ersten Mal, ein eigenes Stadtwappen zu erhalten. Der Vorschlag dafür, das Dienstsiegel der Verwaltung mit dem sitzenden Bischof zu nutzen wurde verworfen, weil der katholische Mainzer Bischof nicht zu einer Stadt im überwiegend evangelischen Großherzogtum zu passen schien. Der damalige Kreisrat Friedrich von Hahn setzte sich 1912 dafür ein, Heppenheim ein eigenes Wappen zu verleihen. Offenbar wurde ein "kurzer Dienstweg" beschritten, denn es findet sich kein schriftliches Gesuch der Stadt in den Unterlagen. Ergebnis waren schließlich sechs Wappenvorschläge des "Großherzoglichen Haus und Staatsarchivs Darmstadt". Sie orientierten sich mit Lorscher Kreuz und Mainzer Rad an den früheren Landesherren. Aber es war auch ein "sprechendes Wappen" darunter, das eine Heppe, ein Rebmesser, zeigte, wie es auch im Wappen von Heppenheim an der Wiese zu sehen ist.

Die Heppenheims Stadtväter votierten für einen Vorschlag, der dem heutigen Wappen ähnelt und auch den hessischen Löwen zeigt. Das Innenministerium in Darmstadt schlug dann vor, das Doppelkreuz (Patriarchen Kreuz) in ein Spitznagelkreuz zu ändern, das eher dem Lorscher Symbol entsprach. Am 19. September 1913 teilte das Großherzogliche Ministerium des Innern dem Kreisamt mit, dass der Großherzog geruht habe, der Stadt Heppenheim das gewünschte Wappen zu erteilen, das die Stadtverwaltung ab Oktober 1913 auch im Dienstsiegel führte.

Emerich war verwundert darüber, dass zunächst kaum jemand in Heppenheim Notiz vom neuen Wappen nahm, das beispielsweise auf Fahnen für die Stadt werben sollte. Erst ab 1914 tauchte das Stadtwappen im öffentlichen Leben auf, zunächst auf den Bannern der Bäckerinnung und der Kolpingfamilie.

Heppenheimer "Alleinstellungsmerkmal" ist laut Emrich, dass der Löwe ein Schwert schwingt; ähnlich dem Wappentier des Großherzogtums, das freilich nur bis 1918 existierte - danach wurde der hessische Löwe "entwaffnet". Nach 1918 verliehene Stadtwappen kommen ohne Schwert aus, und ältere Wappen von Kommunen wie Groß Gerau und Bad Nauheim, die bereits zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (bis 1806) gehörten, führen ebenfalls einen Löwen ohne Schwert im Wappen. Damit ist Heppenheim die einzige hessische Stadt mit bewaffneten großherzoglich-hessischen Löwen im Wappen - allerdings hält dieser das Schwert in der linken Tatze oder ist anatomisch nicht genau dargestellt.Das Lorscher Spitznagelkreuz und das Mainzer Rad erinnern dagegen eindeutig an die ehemalige Zugehörigkeit der Stadt zu geistlichen Territorien. Die Zuhörer konnten zudem im Wappensaal des Amtshofes die Vielfalt der kommunalen Wappen im Kreis Bergstraße direkt vergleichen.

Abschließend wies Emrich auf die Möglichkeit hin, das Stadtwappen etwas zu überarbeiten. Dies sei beim hessischen Staatswappen nach dem Krieg gut gelungen. Hermann Friedrich hatte nach dem Vortrag eine Überraschung: Er überreichte Museumsleiter Ulrich Lange eine Emailtafel mit dem großherzoglich-hessischen Löwen. Über viele Jahre, so Friedrich, hatte sie im Weinberg als Abschluss einer Wasserrinne gedient.

Pressemitteilung, echo-online, e - 8. Dezember 2012

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Zuletzt aktualisiert am 31.12.2012