Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Wichtiger Beitrag zu Reformarchitektur
Thomas Kaffenberger referiert über Heinrich Metzendorf, den Baumeister der Bergstraße

Groß war das Interesse an diesem Vortrag anlässlich der Mitgliederversammlung des Heppenheimer Geschichtsvereins (wir haben berichtet) im Heppenheimer Halben Mond. Unter den Besuchern begrüßte Vorsitzender Karl Härter auch Professor Frank Oppermann, den Vorsitzenden der Metzendorf-Gesellschaft.

Der Heppenheimer Maurer- und Steinmetzmeister Heinrich Metzendorf hatte vier Söhne, Heinrich, Franz, Georg und Jakob. Letzterer starb sehr jung. Die Söhne erhielten im väterlichen Geschäft eine handwerkliche Ausbildung als Maurer und Steinmetzen. Franz arbeitete im väterlichen Betrieb. Seine Brüder wandten sich der Architektur zu. Heinrich Metzendorf studierte zwar nur ein Semester, erweiterte sein Wissen aber bei praktischer Tätigkeit in Darmstadt, Heidelberg und Elberfeld und arbeitete mehr oder weniger als Autodidakt. Nachlassausgewertet

Während es eine umfassende Darstellung über Georg Metzendorfs Werk gibt, wurde Heinrich bisher wenig beachtet. Das Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg veranstaltete unter Leitung von Thomas Kaffenberger und Dominic E. Delarue das Projektseminar „Lebensräume gestalten. Der Architekt Heinrich Metzendorf an der Bergstraße“, aus dessen Ergebnissen der Referent schöpfte. Dabei wurde der Metzendorf-Nachlass ausgewertet und eine Ausstellung erarbeitet, die von September bis November 2013 im Museum der Stadt Bensheim präsentiert wird und vielleicht auch in Heppenheim Station macht.

Heinrich Metzendorf ließ sich 1895 als selbstständiger Architekt in Heppenheim nieder. Sein Büro bestand in der Kreisstadt bis 1898, dann zog er nach Bensheim um. Schon bald entwickelte er den typischen Landhausstil, der kennzeichnend für die Brüder Metzendorf werden sollte. Georg war im Büro seines Bruder für einige Jahre tätig.

Den ersten Großauftrag erhielt das junge Architekturbüro in Heppenheim. Der Weinhändler Wilhelm August Hoehn ließ auf seinem Weinberggelände am Maiberg neun Villen errichten. Anhand von Entwürfen der einzelnen Villen zeichnete Thomas Kaffenberger die Entwicklung des Architekten zum eigenständigen Stil auf. Heinrich Metzendorf nutzte das Baumaterial der Umgebung und setzte es wirkungsvoll ein. Dazu kamen neue Gliederungen der Häuser nach außen, aber auch nach innen.

Adaption regionaler Elemente

Der Historismus, der in jenen Tagen auch in der Architektur herrschte, trat allerdings hinter Einflüsse aus dem Jugendstil und die Adaption regionaler Elemente zurück: Metzendorfs Häuser waren Gesamtkunstwerke im „Heimatstil“. Auf Wunsch wurde die Villa komplett ausgestattet übergeben. An weiteren Beispielen zeigte Kaffenberger das Wirken Heinrich Metzendorfs in Heppenheim exemplarisch auf. Da waren zunächst die Entwürfe für die Heppenheimer Synagoge. Zwei legte er den Bauherren, den Brüdern Hirsch, vor, die dem vorherrschenden Zeitgeist im Synagogenbau entsprachen. Gebaut wurde jedoch ein dritter Entwurf im Metzendorfschen Stil, der die Verbundenheit der jüdischen Gemeinde zu Heppenheim zeigte.

Das nächste Bauprojekt Metzendorfs, das der Referent vorstellte, war das ehemalige Kaufhaus Mainzer. Als Metzendorf es plante und baute, war es eines der ersten modernen Kaufhausbauten in Deutschland. Das Warenhaus Wertheim in Berlin gilt als Vorbild. Da Heppenheim aber keine Großstadt war, wurden entsprechende Abwandlungen vorgenommen. Da die meisten Kaufhäuser der Frühzeit nicht mehr existieren, hat das Objekt in Heppenheims Friedrichstraße, das weitgehend im Originalzustand erhalten ist, einen hohen Stellenwert in der Baugeschichte. Der Referent appellierte daher, die Sanierung und Erhaltung dieses wichtigen Denkmals endlich voranzutreiben.

Es ist an der Zeit, das Werk Heinrich Metzendorfs stärker in den Vordergrund zu rücken. Lang anhaltender Beifall dankte dem Referenten für seinen Vortrag, den er mit Bauplänen zu veranschaulichen wusste.

hjb - 15. Mai 2013

Mitglieder im Halben Mond

Zuhörer beim Vortrag von Thomas Kaffenberger

Thomas Kaffenberger

Gastvortrag von Thomas Kaffenberger

Thomas Kaffenberger und Karl Härter

Thomas Kaffenberger und Karl Härter im Dialog

Karl Härter und Helmut Becker

Karl Härter ernennt Helmut Becker zum Ehrenmitglied

Fotos: Manfred Bräuer

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