Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Rauschendes Fest seit 1787
Geschichte – Süßappelkerwe ist erstmals im 18. Jahrhundert – Kirschhäuser sind von jeher ein feierfreudiges Volk

Eigentlich liegt der historische Ursprung des rauschenden Festes bereits im 18. Jahrhundert. Das 30-jährige Bestehen der Kirschhäuser Süßappelkerwe im Jahr 2012 bezog sich nur auf die Wiederbelebung der Tradition anno 1982. In der aktuellen Kerwezeitung kann man nachlesen, wie alles begann: Manfred Bräuer und Karl Härter vom Heppenheimer Geschichtsverein haben es ans Licht gebracht: die erste urkundliche Erwähnung des Kirschhäuser Festes war im Jahr 1787. Aus diesem Jahr nämlich stammt ein Bericht des Oberamtes Starkenburg zu den „Kirchweihlustbarkeiten“ in 35 Ortschaften des kurfürstlichen Oberamtes, an 15 verschiedenen Terminen zwischen April und November. Auffällig ist dabei, dass die Heppenheimer Filialdörfer Ober- und Unter-Hambach, Erbach sowie Kirschhausen, Sonderbach und Wald-Erlenbach nicht gemeinsam mit ihrem Pfarrort Heppenheim feierten, obwohl sie ja keine eigene Kirche hatten. Es handelte sich bei den Kirchweihen also auch um Volksfeste, die in Bezug zu den jeweiligen Heiligentagen stand. Für Kirschhausen, Sonderbach und Wald-Erlenbach war dies am Sonntag nach Peter und Paul (29. Juni).

In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kirschhäuser Kerwe, wegen Terminüberschneidung mit dem damaligen Bauerntag in Heppenheim, auf den dritten Sonntag im Juli verlegt. Seit 2001 feiern die Kirschhäuser ihr Kerwefest jeweils am ersten Sonntag nach Pfingsten, und damit fast am eigentlichen Jahrestag der Einweihung der Kirschhäuser Kirche, die am Montag, den 29. Mai 1905 war.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges überlebten von rund 110 Kirschhäusern gerade einmal 50. Bis 1780 hatten sich die Kirschhäuser wieder auf 220 Einwohner vermehrt, wie die Heimatforscher herausfanden. Und schon damals schienen sie ein feierfreudiges Volk zu sein. Allerdings pochte die kirchliche Obrigkeit darauf, die Feiertage sollten nicht entheiligt, oder gar „gotteslästerlich“ begangen werden. Auch aus wirtschaftlichen Erwägungen wollte man das unproduktive und undisziplinierte Feiern über mehrere Tage unterbinden, sollten die vorher bis zu sechs Tage andauernde „Kirchweihlustbarkeiten“ per Regierungs-Ausschreibung vom 1. Oktober 1778 auf maximal einen Tag nach dem Sonntag begrenzt, und somit „Schwelgerei, schnöder Müßiggang und unnöthige Verschwendung von Nahrungsmitteln“ eingedämmt werden. Dass diese Verordnung nicht überall brav eingehalten wurde, belegt eine Beschwerde des Mainzer Vikariats bei der Landesregierung aus dem Jahre 1782 „daß in der Bergstraß auff Sonn- und Feyertäge das Tantzen, Trincken, und Spielen die Nächte durch zum äussersten Verderben der Jugend, und zum Veranlaß Schlägereien und Unzucht gedultet werde, wie dann im kleinen Orth Dresel drey bey derley Gelegenheit geschwängerte Mägdelein sich befinden“.

Am 12. Mai 1789 erließ der Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal, damaliger Stadtherr von Heppenheim die Verordnung, alle Kirchweihfeste des Oberamts Starkenburg auf den ersten Sonntag nach Martini im November zu legen.

Irgendwann einmal im Laufe der Jahre hat es die kirchliche Obrigkeit dann wohl einmal aufgegeben, auf Sitte, Anstand und Mäßigung bei den Kirchweihlustbarkeiten zu achten. Die Kirschhäuser und ihre Gäste feiern vier Tage ausgelassen am Stück – und hoffen darauf, dass sie – allen Wetterprognosen zum Trotz – in den Genuss von Hambacher Kerwewetter kommen. Denn die hatten bei ihrer Brennnesselkerwe das Wetter auf ihrer Seite.

Starkenburger Echo / echo-online, rid - 23. Mai 2013

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