Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Exilanten aus Überzeugung
Aktion – Achte Auflage von „Heppenheim liest“ widmet sich Georg Büchner und Abbas Khider – Programm vorgestellt

Am Donnerstag wurde das Programm in der Alten Sparkasse präsentiert. 1813 und 2013 sind die Daten, um die sich die literarische Begegnung zweier Exilautoren formiert. 1813 markiert das Geburtsjahr des Schriftstellers Georg Büchner im südhessischen Goddelau. 2013 gedenkt Deutschland zum 200. Geburtstag dem Anhänger der liberalen Bewegung des Vormärz, der sich durch Flucht der Strafverfolgung entzog und 1837 starb. Folgerichtig heißt die Aktion in diesem Jahr „Heppenheim liest Büch(n)er“.

Büchner in die Gegenwart zu holen, seine lokale und historisch-politische Dimension anschaulich zu machen, seine Ideen zu thematisieren und zu diskutieren waren Ziele der Gemeinschaftsaktion „Heppenheim liest“, die seit acht Jahren ein kollektives Leseerlebnis anstoßen will. Die Schwierigkeit war diesmal die große Zeitdistanz zum Autor Büchner, wenngleich „Woyzeck“, „Leonce und Lena“ oder „Lenz“ zur Schullektüre avancierten.

Büchner sollte durch ein aktuelles Pendant mit ähnlichen Ideen ergänzt werden. „Es hat uns Kopfzerbrechen bereitet, welchen Autor wir für den Büchner der Neuzeit halten“, sagte Eva Knop vom Initiativkreis „Heppenheim liest“. Die Wahl fiel auf den 1973 geborenen Exil-Iraker Abbas Khider. „Freiheit und Humanität sind die Themen, die Büchner und Khider miteinander verbinden“, betont Professor Karl Härter vom Geschichtsverein.

Zur Vorstellung des Programms gab es am Donnerstagabend „literarische Kostproben“ aus dem zweiten Roman Khiders, „Die Orangen des Präsidenten“ (2011). Darin setzt sich Khider, der als politischer Gefangener unter dem Regime von Saddam Hussein inhaftiert wurde, mit dem Gefängnisalltag des Abiturienten Mahdi auseinander.

Zugleich ist es eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Die Kostproben, die Appetit auf mehr machen sollen, trug Professor Wolfgang Kopf vor. Deutlich wurde, dass es sich bei den „Orangen des Präsidenten“ nicht um leichte Kost handelt.

Hunger, Gewalt, Ausgrenzung, Häme, Hass und Stupidität des Alltages sind prägende Faktoren der Haftzeit im Irak für den Protagonisten. Die weitaus größere Gefahr aber: den Verstand zu verlieren, angesichts der Monotonie der Haftzellen, der Verhöre, sadistischer Wärter und erpresster Geständnisse. Mahdi hält sich am Leben, indem er seinen Geist am Leben hält. Durch die Begabung Geschichten zu erzählen und sie aufzuschreiben.

So bitter das Mahl sein mag, so sehr bietet es doch Anlass zur Diskussion, entweder als jünger zurückliegende zeithistorische und politische Thematik oder in Bezug auf Büchner.

Beide Autoren wurden aufgrund ihrer Überzeugung zu Exilanten, jedoch differieren Zeit und Situation deutlich. Büchner und Khider gemeinsam zu thematisieren mag als konstruiert und gewagte Gratwanderung erscheinen, zugleich aber ist es der Versuch, Literaten verschiedener Generationen zu verbinden.

Initiatorin Heide Wirth wünscht sich, dass wieder viele junge Leser angesprochen werden. Eva Knop verwies auf den großen Erfolg der vergangenen Auflage mit „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Am 15. September beginnt das Begleitprogramm mit einer Ausstellungseröffnung in der Sparkasse Starkenburg, die in diesem Jahr neben traditionellen Unterstützern wie Forum Kultur die Veranstaltungsreihe über die Sparkassenstiftung sponsert.

Starkenburger Echo / echo-online, 25. Juni 2013 | lev

Heppenheim liest Büch(n)er: Ulrich Lange, Professor Karl Härter, Margit Vogel, Eva Knop, Heide Wirth, Andrea Helm, und Professor Wolfgang Kopf bei der Vorstellung des Programms 2013

Fotos: Manfred Bräuer

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