Pressespiegel des Heppenheimer Geschichtsvereins

Außergewöhnliches heimatliches Erbe
Historie – Steintrog von 1741 in der Jugendherberge – Früher bei „Liese-Jörg gegenüber der Mitschen-Mühle“

Seit mehr als 50 Jahren ziert ein Mehltrog aus Sandstein das Foyer der Jugendherberge auf der Starkenburg. Hermann Müller vom Geschichtsverein interessiert sich für Heppenheimer Mühlen (wir haben berichtet) und hat in diesem Zusammenhang den Mehltrog wieder entdeckt. Auf Besichtigungstour mit Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) erfuhr er jetzt auch, wie dieser Trog in die Jugendherberge kam. Er sei eine Dauerleihgabe der Stadt Heppenheim, hat Herbergsvater Martin Reichelt mittlerweile in Erfahrung gebracht.

Von der Stadt sichergestellt

Vor etwa 50 Jahren berichtete der Heppenheimer Heimatforscher Heinrich Winter im ersten Band „Heimatliches Erbe“, herausgegeben von Walter Büge, dass ein sonderbarer Steintrog, der im Hof des „Liese-Jörg gegenüber der Mitschen-Mühle“ in Hambach (heute das Anwesen Hambacher Tal 196 und die ehemalige Mühle Hambacher Tal 181) stand, von der Stadt Heppenheim erworben wurde, damit er der Nachwelt erhalten bliebe. Hermann Müller suchte bei seinen Forschungen zu den Heppenheimer Mühlen und Müller-Familien nach diesem Trog und fand ihn Dank eines Hinweises von Hans-Joachim Büge, der ebenso wie Müller im Vorstand des Geschichtsvereins familien- und heimatkundliche Themen bearbeitet, im Foyer der Jugendherberge auf der Starkenburg, wo er je nach Jahreszeit und Anlass von den Herbergseltern bepflanzt wird. Müller ging zusammen mit Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) auf Erkundungstour. Zusammen bewunderten sie dieses kleine Stück Heppenheimer Kultur – ein Kleinod aus dem Jahre 1741.

Dieser Steintrog wurde von Winter als „Hambacher Mehltrog von 1741“ bezeichnet. Er vermutete, dass der Mehltrog früher in der Mahlstube der gegenüberliegenden Mühle stand. Dort könnte der Mehltrog zum Mischen von Mehl und zum Messen einer gewissen Menge Mehl gedient haben. Der Mehltrog ist ein halbrunder Trog mit einem ornamentalen Band auf der runden Fläche. Diese Ornamentik sei einzigartig, erklärte Müller dem Bürgermeister. Er zeige in einfacher, zeitloser Darstellung nach der Interpretation von Winter drei Mahlgänge, bei denen symbolisiert werde, dass von Mahlgang zu Mahlgang eine höhere Qualität erreicht werde. Der unbekannte Steinmetz stelle dies in dem Schmuckband durch die dreifache Verwendung eines Rades mit vier Speichen als Symbol für die Mühlräder und Mahlsteine, durch die Gebildbrote Bubenschenkel und Vieze für die Güte des Mehles und Blumengebinde für die Ausgiebigkeit und den Duft der Backwaren dar. Die Steigerung der Motive unterstreiche die Zielsetzung des Steinmetzes.

Der Hambacher Mehltrog ist eines der wenigen Erinnerungsstücke an die Zeit, in der gerade auch in Heppenheim die Mühlen eine große Bedeutung hatten. Müller erzählte dem Bürgermeister, dass in Heppenheim mit seinen Stadtteilen einst 50 Mühlen klapperten und mehr als 700 Müller im Laufe der Zeit auf den Mühlen ihrer anstrengenden Arbeit nachgingen. Noch vor 150 Jahren war die Kreisstadt eine Stadt der Mühlen. Der Hambacher Mehltrog ist ein ganz außergewöhnliches heimatliches Erbe, wie Heinrich Winter schon feststellte, und bisherige Recherchen ließen vermuten, dass er einzigartig ist, so Müller. Der Heppenheimer Geschichtsverein unterstützt alle Bestrebungen, diesen Mehltrog als regionales Kulturerbe zu erhalten und bekannt zu machen. Herbergsvater Martin Reichelt hatte aufgrund der Anfrage Müllers bei der früheren Herbergsmutter Anneliese Strahl nachgefragt, wie der Mehltrog in die Jugendherberge kam. Sie habe ihm erklärt, dass der frühere Bürgermeister Wilhelm Metzendorf einst zur Einweihung im Jahr 1960 den steinernen Trog an die Jugendherberge übergeben habe. Reichelt schlug jetzt vor, eine Informationstafel für geschichtsinteressierte Besucher aufzuhängen. Dieser Vorschlag wurde von Müller gerne angenommen.

Starkenburger Echo / echo-online, dj - 19. Juli 2013

Kleinod: Der von 1741 stammende Sandsteintrog im Foyer der Heppenheimer Jugendherberge. Links Bürgermeister Rainer Burelbach, rechts Hermann Müller vom Geschichtsverein.

Foto: Dagmar Jährling

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